Haßfurt
Müllkonzept

Ein Platz für die gelbe Tonne im Landkreis?

So viel wurde im Landkreis schon lange nicht mehr über das richtige Müllkonzept diskutiert. Die Junge Liste möchte die Bürger entlasten und Verpackungsabfall abholen lassen. Die Mehrheit der Kreisräte will nichts ändern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sortieren die Bürger besser, wenn sie eine gelbe Tonne haben? Oder sinkt im Gegenteil die Müll-Moral? Die Frage ist offen. Foto: Fotolia
Sortieren die Bürger besser, wenn sie eine gelbe Tonne haben? Oder sinkt im Gegenteil die Müll-Moral? Die Frage ist offen. Foto: Fotolia

Die gelbe Tonne ist mehr als nur ein Behälter für Abfall. An ihr entzündet sich aktuell im Landkreis eine Grundsatzdiskussion über das richtige/bessere Müllkonzept, die ein wenig an die Zeiten erinnert, als man von Mülldeponie auf Wertstoffhof umschwenkte. Gegner und Freunde der neuen Tonne sammeln eifrig Argumente; jüngst im Umweltausschuss des Kreistags.

Der Landkreis Haßberge ist der einzige in Unterfranken, der seine Bürger zu Geschäftspartnern des Dualen Systems Deutschland (DSD) macht: Im Landkreis sortieren die Bürger die Verpackungsabfälle vor und bringen sie zum Wertstoffhof. Die gelbe Tonne spart diesen Weg: Da kommt zuhause der Verpackungsabfall (Wertstoff) rein, das DSD holt ihn ab.

Die "Jungen" wollen die Tonne

Die Fraktion der Jungen Liste im Kreistag hat eine Initiative gestartet, um für die Bürger einen Platz an der Tonne zu erstreiten. Mit einer eigenen Facebook-Seite strengt die Fraktion einen Bürgerentscheid an. "Warum soll, was längst überall in Unterfranken üblich ist, im Landkreis Haßberge nicht auch realisiert werden?", fragt einer der "Jungen" im Kreistag, der Wonfurter Bürgermeister Holger Baunacher (CSU).

Für ihn geht es bei der Tonnen-Frage auch um Gerechtigkeit und Lebensqualität auf dem Land. Denn nicht jeder könne und wolle sich auf Dauer ein Auto leisten, um zum Wertstoffhof zu fahren. "Und das können bis zu 14 Kilometer sein", sagt er. Überdies bezahle der Bürger mit dem Kauf verpackter Lebensmittel einen Obolus für die Entsorgung durch das DSD.

400 000 Euro im Jahr

Für den Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, Wilfried Neubauer, spricht gerade das gegen die gelbe Tonne. Die Sortierdienste der Bürger würden entlohnt: Mit rund 400 000 Euro im Jahr finanziert das DSD die Wertstoffhöfe mit; ohne diesen Betrag müssten die Müllgebühren wohl steigen. Die Alternative wären Einschnitte im System der 27 Wertstoffhöfe - und das will die große Mehrheit der Kreistagsmitglieder nicht.

Um möglicherweise neue Argumente zu hören, hatte der Umweltausschuss Willi Riß aus dem Landratsamt in Neuburg an der Donau eingeladen. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen hatte die Gelbe Tonne 2013 eingeführt, nachdem sich der Kreistag lange mit ähnlichen Argumenten wie in den Haßbergen dagegen gestemmt hatte.

Sowohl als auch ...

Heute sind laut Riß alle zufrieden: Die Müllgebühren seien sogar gesunken, und die Menge der gesammelten Verpackungen habe sich mehr als verdoppelt: von 12,5 auf 33 Kilogramm pro Bürger und Jahr - ob sortenrein oder nicht ließ er offen. Erkauft wurde das mit einer Ausdünnung der Wertstoffhöfe: nur noch 21 statt 34 mit 100 statt 170 Mitarbeitern. Riß lieferte also tatsächlich Argumente: sowohl für als auch gegen die neue Tonne. Viel schlauer ist man nicht.

Kommentar

Alarmstufe gelb?

Das Problem an der Diskussion um die gelbe Tonne ist: Irgendwie haben ja beide Seiten Recht.

So richtig zeitgemäß ist es sicher nicht mehr, dass jedes Wochenende ganze Fahrzeugschlangen sich vor den Wertstoffhöfen stauen, weil die Bürger ihre mehr oder weniger wohlriechenden "Sammlungen" abliefern wollen.

Andererseits: Die gelbe Tonne oder der gelbe Sack macht die Wertstoffhöfe und die Karawanen nicht überflüssig. Nur ein kleiner Teil dessen, was dort gesammelt wird, ist "Verpackungsabfall Leichtfraktion Duales System". Und da beginnt das eigentliche Problem, steckt der Fehler im System: Denn man muss promovierter Abfallwissenschaftler sein, um bis ins Detail unterscheiden zu können, was denn nun dem DSD gehört und was nicht. Der Alu-Deckel vom Jogurt-Becher: ja, DSD. Die Alufolie vom Grill: nein.

Wenn man dem Bürgern schon das Sammeln und Sortieren aufbürdet, dann doch bitte nachvollziehbar, sprich sortenrein: Alu ist Alu.

Am jetzigen System kranken sowohl der Wertstoffhof als auch die gelbe Tonne. Weil dahinter ein fragwürdiges Konstrukt namens Duales System steht. Und das vertritt in erster Linie die Interessen der Wirtschaft und sicher nicht die der Bürger.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren