Haßfurt
Luftfahrtgeschichte

Ein Lebenstraum mit zwei Flügeln steht in Haßfurt

Peter Hanusa aus Hirschaid ist in seinen freien Minuten selten daheim, sondern in seiner Garage auf dem Haßfurter Flugplatz anzutreffen. Hier hat er eine original-getreue Focke Wulf 190 aus dem Zweiten Weltkrieg nachgebaut.
Artikel drucken Artikel einbetten
Peter Hanusa kennt sich im Cockpit bestens aus. Foto: Ronald Rinklef
Peter Hanusa kennt sich im Cockpit bestens aus. Foto: Ronald Rinklef
+17 Bilder
Sie schnurrt, wie ein Kätzchen. Focke Wulf 190 ist ihr Name und sie ist Peter Hanusas ganzer Stolz. Eine eigene Homepage, das eigene Team-Shirt, 194 Gefällt-mir-Angaben auf Facebook wo auch das Video vom Motorstart zu sehen ist, ja, es soll sogar ein ganzes Buch erscheinen: Peter Hanusa träumt seinen großen Lebenstraum lange nicht alleine. Er teilt 20 Jahre voller Anekdoten mit anderen Flugzeugliebhabern. Denn ohne die eine oder andere irrwitzige, gar schicksalhafte Begegnung, könnte die original nachgebaute Jagdflugmaschine am Sonntag nicht auf dem Flugplatzfest in Haßfurt präsentiert werden.

"Das Bauen hat mir viel Spaß gemacht", sagt Hanusa, "aber es war vor allem beeindruckend, immer wieder neue Menschen kennen zu lernen." In jeder freien Minute hat er an seinem Traum weitergesponnen - im wahrsten Sinne des Wortes. Ohne sich voll und ganz auf ein derartiges Lebensprojekt - das Projekt FW 190 A5 - einzuschießen, hätten ihn Rückschläge, wie zum Beispiel der im Jahr 2008, irgendwann davon abgehalten, bis zur letzten Schraube durchzuhalten.

Eigentlich hätte es nämlich schon vor sechs Jahren soweit sein können. Die ersten Rollversuche. Die Focke Wulf 190 hat die ersten Meter der Erprobungsfahrt hinter sich und dann - plötzlich liegt sie auf dem Bauch. Die Technik hat nicht so mitgemacht, wie sie hätte sollen. Der alte Propeller lagert noch in der überdimensionalen Garage: ein trauriger Anblick, die abgesägten Flügel. Aber als die erste Enttäuschung und Traurigkeit bei Hanusa abgeklungen war, hat auch er wieder weitergeschraubt.

Motorenschnurren mit Gänsehaut

Als ihn vor zwanzig Jahren das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig nach einem ungefähren Zeitplan gefragt hat, rechnete er mit fünf Jahren. "Es war ein harter Weg. Da kriegt man immer wieder eine mit", sagt der Flugzeug-Bastler, "Aber jetzt ist sie eigentlich fertig." - "Sie ist fertig", sagt seine Lebensgefährtin.

Wenn die Motivation zu seiner Focke-Wulf 190 mal nicht ausgereicht hat, war und ist sie seine Motivation: Ricarda Kohlmann teilt mit ihm seit sieben Jahren das Hobby, das Ausmaße über den normalen Freizeitaspekt hinaus angenommen hat. "Ich kann ja nicht schrauben", sagt Kohlmann, die den Namen ihres Partners und ihrem gemeinsamen Hobby in roter Schrift auf dem Herzen trägt, "aber ich kümmere mich um die PR, Messen, die Homepage, Facebook...." Und dass es sich lohnt, Bilder und Videos über das Internet zu verbreiten, haben die beiden immer wieder in den letzten Wochen erfahren. Aus nah und fern können sich auf der Facebook-Seite "Focke Wulf 190 Replika" Flugzeug-Oldtimer-Narren finden. Am Sonntag würden sogar zwei Fans aus der Schweiz anreisen, um die Focke Wulf zu bewundern. Und, es soll nicht nur was zum Sehen geben: "Wir werden auf jeden Fall den Motor starten", sagt Kohlmann und verpackt in dem Strahlen türkis-untermalter Augen ein Versprechen, dass es sich lohnen wird, dabei zu sein.

Zeit zum Genießen bleibt

Alles an Hanusa ist auf Fliegen eingestellt: Während er in aller Fluglehrer-Seelenruhe die Besonderheit des hydraulisch elektrischen Fahrwerks am Flügel oder den Neun-Sternmotors erklärt, liegt in seiner Hand während des ganzen Gesprächs eine Pilotenbrille mit tiefschwarzen Gläsern. Bevor er als Fluglehrer gearbeitet hat, war er über zehn Jahre bei der Luftwaffe aktiv. In dieser Zeit hat er sich nach und nach die Fingerfertigkeit für das Nachbauen der 1000 Kilogramm schweren Flugmaschine angeeignet. Mit den passenden Bauplänen und glücklichen Fügungen, immer wieder an exklusives Baumaterial und die richtigen Originalteile zu geraten, konnte er das Experimentalflugzeug - ein Einzelstück - nachbauen. Jahr für Jahr, Schraube für Schraube wurden Geschichten geschrieben, um die deutsche Luftfahrgeschichte des Zweiten Weltkrieges zu erhalten.

Noch fehlt zwar der Behörden-Stempel auf dem endgültigen Bescheid, dass der Flieger auch in die Lüfte abheben kann, die ersten Kaufangebote hat Hanusa trotzdem schon bekommen: "Erst einmal nicht", sagt der gebürtige Badener. Weitergebastelt werde in naher Zukunft auch nicht. Jetzt will er genießen, in 3000 Metern Höhe dem Alltag entschweben - das wohltuende Schnurren seiner Focke Wulf 190 lässt an diesem Vorhaben nicht zweifeln.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren