Haßfurt
Verhandlung

Ein Hochstapler oder ein Opfer?

In einem Betrugsprozess am Amtsgericht Haßfurt gegen einen 40-Jährigen muss weiter ermittelt werden.
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Ist ein 40-jähriger Außenmitarbeiter aus Köln, der sich im Amtsgericht Haßfurt wegen Betrugs und Urkundenfälschung verantworten musste, ein hochstaplerischer Betrüger oder ist er das Opfer eines Beziehungskonflikts, bei dem ihn seine Ex-Lebensgefährtin ins Gefängnis bringen will? Diese Frage stellt sich das Amtsgericht.

Laut Anklage wollte der Angeklagte am 13. Oktober vergangenen Jahres von seinem damaligen Wohnsitz im Kreis Haßberge aus eine Wohnung in Erfurt für einen Mietzins von 462 Euro monatlich anmieten. In einer Selbstauskunft hatte er angegeben, dass er als Außendienstmitarbeiter 6900 Euro netto im Monat verdient. Doch der Vermieter der Wohnung schöpfte Verdacht und vermietete dem Angeklagten die Wohnung nicht.

Offenbar zurecht, denn am Tag zuvor, dem 12. Oktober 2018, hatte der Angeklagte eine eidesstattliche Versicherung (früher Offenbarungseid) geleistet und damit eingeräumt, dass er pleite ist. In der Folge flatterte dem 40-Jährigen Post der Staatsanwaltschaft ins Haus, die eine Einladung zur Gerichtsverhandlung beinhaltete.

"Ich habe die Welt nicht mehr verstanden", erklärte der Angeklagte vor Gericht seine Gemütslage, als er mit dem Vorwurf von der Polizei konfrontiert wurde. "Ich mag den Osten nicht und würde nie dorthin ziehen", gab der gebürtige Rheinländer zu Protokoll. Woher die falsche Selbstauskunft komme, wisse er selbst nicht. Es sei nicht seine Unterschrift, sondern möglicherweise die seiner Ex-Freundin, von der er sich im Oktober 2018 getrennt hatte. Die Trennung sei "unschön" verlaufen. Seine Ex habe ihm "Tod und Teufel" gewünscht und ihm gesagt: "Ich möchte dich im Gefängnis sehen". "Ich habe nie 7000 Euro verdient. Sonst würde ich ein anderes Auto fahren", sagte der Angeklagte.

Die Personalausweise von ihm und seiner neuen Freundin seien plötzlich weg gewesen. Später habe man sie im Scanner gefunden. Seine Ex habe Zugriff auf sein E-Mail-Konto gehabt. Sie habe ihn "Geld gekostet ohne Ende", weshalb er pleite sei. Bei einer früheren Verurteilung in einem ähnlichen Fall sei sie auch die Strippenzieherin gewesen, sagte der Beschuldigte.

Der Vermieter, der für seine Aussage aus Erfurt anreisen musste, äußerte im Zeugenstand seine damaligen Bedenken: "Wer 7000 Euro netto verdient, der nimmt sich nicht so eine Wohnung", sagte er. Er habe die Telefonnummer des vermeintlichen Arbeitgebers des Angeklagten angerufen, die auf der Gehaltsabrechnung stand. Dort habe man ihm versichert, dass der Angeklagte nicht in der Firma beschäftigt ist.

Richterin Ilona Conver setzte die Hauptverhandlungen aus, um weitere Ermittlungen anzustellen. Der Prozess wird am 17. Dezember fortgesetzt. Dann muss der Angeklagte erneut aus Köln anreisen.

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