Bischwind am Raueneck
Kanalsanierung

Ein ganzes Dorf schaut in die Röhren

Im 230-Seelen-Ort Bischwind sollen Kameras in den Untergrund jedes Grundstücks lugen. Die Kosten tragen die Hausbesitzer. Und das gefällt denen gar nicht.
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Bauamtsleiter Martin Lang zeigt, wie so eine Inliner-Rohrsanierung erfolgt.Foto:Ralf Kestel
Bauamtsleiter Martin Lang zeigt, wie so eine Inliner-Rohrsanierung erfolgt.Foto:Ralf Kestel
Eine Darmspiegelung zahlt die Krankenkasse, bei einer Kamerabefahrung des Kanalnetzes werden ab der Grundstücksgrenze die Hauseigentümer zur Kasse gebeten. Diese schmerzhafte Erfahrung machten viele Bischwinder bei der Informationsveranstaltung der Stadtverwaltung in der proppenvollen, alten Schule am Mittwochabend. Und deswegen setzte es lautstark zum Teil geharnischte Kritik. Sogar der Vorwurf der Lüge wurde erhoben. "Vor einem Jahr hat es noch geheißen, die erste Kamerabefahrung übernimmt die Stadt", lautete die Rüge.

Die Bauamtsleiter Martin Lang und Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) damit zu entkräften versuchten, dass "der Stadtrat eben anders entschieden hat", so Lang.



Präzedenzfall?

Herrmann gab zu, dass "das in der Verwaltung mal überlegt worden war, aber mit Blick auf die Gleichbehandlung zu anderen Stadtteilen ist die Entscheidung eben anders ausgefallen". Die Kritiker fühlten sich als "Präzedenzfall im Stadtgebiet": "Warum muss ausgerechnet bei uns mit der Überprüfung der Hausanschlüsse begonnen werden?" Die Begründung hatten Bauamtsleiter Lang und der Chef des zuständigen Planungsbüros Hans-Jürgen Brandt schon vorher geliefert. Im Zuge der notwendigen Sanierung des Kanalnetzes im gesamten Ort, die bis zum Jahresende erfolgen muss, weil die Genehmigung ausläuft, muss der große Fremdwasseranteil von 80 Prozent verringert werden.

Dazu werden die Hauptkanäle (im öffentlichen Bereich) im Inlinerverfahren von innen mit einer Art Gummiwand abgedichtet. "Eine neue Technik, bei der nix aufgebaggert werden muss." Damit diese Maßnahme aber zum Erfolg führt, muss für jeden Hausanschluss eine Dichtigkeitsprüfung nachgewiesen werden, wie sie die Abwassersatzung seit Jahren vorsieht. "Dies hatte bisher aber keiner beachtet", gab Lang zu, der nachschob, dass "wir eine riesige Anlage gebaut haben und die nicht verfallen lassen können".

Künftig werde überall so verfahren, dass die Nachweispflicht eingefordert werde. "Die einstige Kaserne ist als nächstes dran." In Weißenbrunn seien die Kanalanschlüsse schon bei noch offenen Gräben abgenommen worden. "Dort, wo Maßnahmen laufen, wird die Überprüfung eingefordert, und dann haben Sie nach der alten Satzung für zehn Jahre ihre Ruhe, der neue Stadtrat könnte diese Frist sogar auf 20 Jahre erhöhen", ergänzte der Bürgermeister.

Ihm war "klar, dass wir mit der Forderung nicht auf Begeisterung stoßen", aber von den Preisen, die im Rahmen der öffentlichen Ausschreibung erzielt wurden, könnten auch die Privatleute profitieren, freilich auch auf andere Anbieter zurückgreifen, versicherte Lang. "Sie wollen, dass sie aufs Klo gehen können, dass Wasser kommt. Diese Infrastruktur kostet halt Geld."

Der Zeitplan sieht vor, dass die Kanalfirma nächste Woche mit der Spülung der Hauptleitungen beginnt und danach die Kamerabefahrungen folgen, um die Schäden festzustellen. An diese Maßnahme könnten sich dann auch die Grundstücksbesitzer anschließen. Reinigung und Untersuchung kosten rund 21 Euro je Meter, der Schacht 56 Euro. Wenn dann eine Sanierung fällig wird, kommt's teurer: 300 Euro werden je Meter für den Überzieher von innen fällig.
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