Haßfurt
Strafprozess

Ein Einbruch aus Langeweile?

Das Amtsgericht Haßfurt verhandelte den kuriosen Fall eines 21-Jährigen, der im Raum Kronach in ein Jugendheim eingedrungen war.
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"Die Abhängigkeit von Betäubungsmitteln und Alkohol führt zu merkwürdigen Dingen", verteidigte ein Anwalt seinen 21-jährigen Mandanten, der am Montag wegen versuchten Diebstahls und Sachbeschädigung auf der Anklagebank des Jugendgerichts am Amtsgericht in Haßfurt saß. Recht hat er, denn die Aktion des Angeklagten im Juni des vergangenen Jahres war mehr als merkwürdig.

In der Juni-Nacht schlug der Heranwachsende aus dem Landkreis Haßberge - zugedröhnt mit Alkohol - eine Glasscheibe eines Jugendheims in Neuengrün (Kreis Kronach) ein. Beim Einstieg in das Gebäude zog er sich eine stark blutende Schnittwunde am Arm zu. Anschließend durchstöberte er das Jugendheim und hinterließ im ganzen Haus seine Blutspur. Offen herumliegendes Bargeld tastete er jedoch nicht an, dafür bediente er sich an der Bar mit Alkohol. Danach schlief er einige Stunden, bevor er sich auf den Heimweg machte.

Er hinterließ einen Schaden von 3689 Euro. Unter anderem hatte er die Außentür eingetreten und eine Tür im Innenraum demoliert. Dazu war das ganze Gebäude mit Blutspuren verschmiert. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der derzeit eine Drogentherapie absolviert, wegen Sachbeschädigung zu einer Geldauflage nach Jugendrecht in Höhe von 600 Euro, zahlbar an den Jugendhilfefonds.

Vor Gericht sagte der 21-Jährige, dass seine Mutter ihn zum Tatort gefahren habe. Aus Langeweile habe er das Jugendheim besichtigen wollen. Er habe dort noch mehr Alkohol getrunken und sei dann eingeschlafen. Am nächsten Tag habe ihn seine Mutter wieder abgeholt.

Neun Monate später, im Februar 2019, erhielt er Post von der Polizei, die den Angeklagten aufgrund seiner DNA-Spur überführen konnte. Denn es handelte sich nicht um die erste Tat des Angeklagten. Im Jahr 2015 hatte er versucht, in eine Apotheke einzubrechen. Danach wurde ihm eine DNA-Probe entnommen, die schließlich zum Datenbank-Treffer führte.

Sein Bundeszentralregisterauszug ist ein "weißes Blatt", und auch für Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich ist der 21-Jährige "kein typischer Giftler". Er habe schon einige Schicksalsschläge in seinen jungen Jahren hinnehmen müssen. Als er fünf Jahre alt war, haben sich seine Eltern getrennt. Der Bruder starb vor drei Jahren wegen übermäßigen Rauschgiftkonsums. Der Angeklagte konsumiere seit seinem 14. Lebensjahr Drogen, zuerst Cannabis, danach Crystal Meth und so weiter. "Es ist eine Spirale, die abwärts geht", meinte Heinrich.

Als "absoluten Unsinn" stufte der Staatsanwalt die Einlassung des Angeklagten ein, der nur aus Langeweile das Jugendheim habe anschauen wollen. "Es war natürlich wieder, wie schon vor vier Jahren, ein versuchter Einbruchdiebstahl", hielt der Anklagevertreter dem Beschuldigten entgegen. Der Staatsanwalt forderte eine Geldauflage in Höhe von 1200 Euro. Die vorgefundenen Münzen habe der Angeklagte nur deswegen liegen gelassen, um nicht wegen eines Bagatellbetrags als Dieb verurteilt zu werden.

Der Verteidiger hielt eine Geldauflage von 300 Euro für die Sachbeschädigung für ausreichend. Richter Martin Kober sah den Tatvorwurf des versuchten Einbruchdiebstahls als nicht gegeben an. Auch auf die Verhängung von Drogentests - wie sie der Staatsanwalt gefordert hatte - verzichtete Kober, da die Therapie beim Angeklagten angeschlagen habe. Der Angeklagte und sein Verteidiger nahmen das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig.

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