Holzhausen in Bayern
Naturschutz

Ein Bett im Kornfeld für Vögel

Die Wiesenweihe brütet in den Getreidefeldern in Holzhausen. Die Population hat sich stetig verbessert.
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Hier hat ein Wiesenweihe-Paar gebrütet. Das Nest, gut erkennbar an dem dunklen Federflaum ist verlassen. Die Tiere sind gerade dabei, nach Afrika aufzubrechen. Es sind Zugvögel. Foto: Stefanie Gleixner
Hier hat ein Wiesenweihe-Paar gebrütet. Das Nest, gut erkennbar an dem dunklen Federflaum ist verlassen. Die Tiere sind gerade dabei, nach Afrika aufzubrechen. Es sind Zugvögel. Foto: Stefanie Gleixner
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Wenn Erntezeit ist, mähen die Bauern ihre Felder ab. Zurück bleibt ein braches Feld, welches auf seine nächste Einsatzzeit wartet. In manchen Feldern bleiben aber einzelne Quadrate ungemäht zurück. Für einen Laien ist das oftmals nicht nachvollziehbar.

Grund für die Restflächen, die stehen gelassen werden, sind Greifvögel. Die Wiesenweihe hat in den Haßbergen eine neue Heimat gefunden. "Im Jahr 1994 haben wir die ersten Bruten entdeckt", sagt Julia Ott vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Sie ist die zuständige Beauftragte in Unterfranken für die Wiesenweihe und direkter Ansprechpartner für Landwirte und ehrenamtliche Beobachter. Bauer Alexander Krauser beherbergt auf seinen Flächen bei Holzhausen einige Brutpaare. "Vor vier bis fünf Jahren kamen die ersten Paare zu mir", sagt Krauser. Und sie kommen immer wieder und werden mehr. Elf Brutpaare waren es in diesem Jahr. So viele wie noch nie.

Im März geht es los

Die Greifvögel kommen Ende März oder Anfang April in die Haßberge und suchen sich geeignete Plätze, um ihre Nester zu bauen. "Die Wiesenweihe braucht weite Flächen, die gut zum Jagen geeignet sind und wenig Waldfläche haben", sagt Julia Ott. Sobald die Tiere hier auftauchen, machen sich die freiwilligen Beobachter wie Werner Fuchs auf und halten Ausschau nach den Nestplätzchen.

Besonders beliebt sind Weizenfelder. "Und da besonders Flächen, die im Frühjahr schon weiter sind", sagt Alexander Krauser. Sobald die Nester lokalisiert sind, werden sie (als gefährdete Art) mittels GPS erfasst und weiter beobachtet. Das Nest befindet sich mitten in den einzelnen Getreidefeldern. Wenn ein Nest im Feld festgestellt wurde, wird bei der Ernte eine Restfläche von 50 mal 50 Metern stehen gelassen, um die Tiere zu schützen. Wie lange diese Fläche stehen bleiben muss, richtet sich nach den Tieren. 28 bis 29 Tage dauert die Brutzeit. 35 bis 40 Tage dauert es dann noch, bis die Jungtiere flügge sind. Der Landesbund für Vogelschutz wiegt die Tiere und versieht sie mit einer Marke, um zu speichern, wo das Tier herkommt und weitere Erkenntnisse daraus zu schließen. Wann die Restfläche abgemäht werden darf, das richtet sich danach, wann die Tiere das Nest verlassen und sich auf den Weg nach Afrika machen.

"Bis 2016 waren die Tiere vom Aussterben bedroht. Jetzt werden sie als extrem seltene Art gelistet", sagt Julia Ott. Die Population hier hat sich aus zwei Paaren gebildet und wurde durch das Artenprogramm unterstützt. Die Kooperation von Landwirten, Ehrenamtlichen und dem LBV sei wichtig, so Ott, um diese Ziele zu erreichen und weiterhin den Bestand zu halten oder noch mehr zu verbessern. Die Landwirtschaft spiele hier eine große Rolle, um auch im konventionellen Bereich zu dem Erhalt beizutragen, in dem sie Lebensraum schafft.

Der Bayerische Bauernverband machte mit der Aktionstour "Bayern blüht auf" auf seine vielfältigen Bemühungen um den Naturschutz aufmerksam, und belegte, wie viel Engagement die Landwirte bei der Artenvielfalt zeigen. So legen die Bauern nicht nur Blühflächen an, sondern verzichten auch auf manchen kleinen Teil der Ernte.

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