Ebelsbach
Amtsgericht

Ex-Freundin übel zugerichtet: Drei Wochen Arrest für 21-Jährigen

Ein 21-Jähriger muss in einen dreiwöchigen Dauerarrest, weil er seine Ex-Freundin übel zugerichtet hat.
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Der Jugendrichter wirkt geschockt, als er die Kratz-, Biss- und Würgemale an der jungen Frau sieht. Symbolfoto: Benedikt Borst
Der Jugendrichter wirkt geschockt, als er die Kratz-, Biss- und Würgemale an der jungen Frau sieht. Symbolfoto: Benedikt Borst

Jugendrichter Martin Kober wirkte am Montag geschockt, als er im Verhandlungssaal des Amtsgerichts Haßfurt die Bilder einer jungen Frau sah, die von ihrem Ex-Freund attackiert worden war. "Wie kann man eine Frau so herrichten?", fragte er angesichts der Kratzspuren, Bisswunden und Würgemale, die auf den Bildern auf dem Kopf, an der Hand und am Hals des Opfers zu sehen waren.

Der Peiniger, ein 21-Jähriger aus dem Landkreis Haßberge, musste sich vor dem Jugendschöffengericht verantworten, das ihn zu einem dreiwöchigen Dauerarrest verurteilte. Der Vorfall am frühen Morgen des 10. März dieses Jahres, bei der die junge Frau verletzt wurde, war der Höhepunkt eines Eifersuchtsdramas mit mehreren Protagonisten.

Showdown auf dem Supermarktparkplatz

Im Februar dieses Jahres war es auf dem Parkplatz eines Einkaufsmarkts in Ebelsbach abends zu einem Showdown zwischen dem Angeklagten und einer Gruppe von jungen Leuten gekommen. Banaler Grund für die Auseinandersetzung war ein T-Shirt. Um die Sache zu "klären", vereinbarte der Angeklagte telefonisch ein Treffen auf dem Parkplatz, auf dem er wenig später in seinem Fahrzeug mit quietschenden Reifen vorfuhr. Bei einem verbalen Austausch blieb es nicht. Der Angeklagte betitelte laut Anklage eine weitere Frau als "Hure" und verpasste ihr eine Ohrfeige.

Zu einem anderen Zeitpunkt soll er seine Ex-Freundin mit der Axt in der Hand ebenfalls als Prostituierte betitelt und gedroht haben: "Ich bring sie um." Um einen Nebenbuhler zu diffamieren, soll der 21-Jährige außerdem die Wand eines Supermarkts mit beleidigenden Worten besprüht und dabei einen Schaden von 580 Euro verursacht haben.

Auf der Anklagebank räumte der Beschuldigte über seinen Verteidiger Alexander Wessel die Vorwürfe ein - bis auf die Axt, die nach seiner Aussage nicht im Spiel gewesen sein soll. Es sei eine "On-Off-Beziehung" gewesen, sagte er. Als er seine Ex-Freundin würgte, kratzte und in die Hand biss, seien beide alkoholisiert gewesen.

Nicht sein erstes Vergehen

Laut der ermittelnden Polizeibeamtin hat sich die angegriffene Frau nicht getraut, ihren Ex-Freund anzuzeigen, sondern habe eine Schlägerei in einer Diskothek als Grund für ihre Verletzungen angegeben. Es ist nicht das erste Vergehen des Angeklagten. Wegen eines Verkehrsdelikts und eines Drogendelikts erhielt er bereits Geldstrafen.

Der Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich sah den Heranwachsenden dennoch "über seine Sturm- und Drangzeit hinaus". Er lebe in einem intakten Elternhaus, habe die Schule als Zweitbester seines Jahrgangs abgeschlossen und eine Gesellenprüfung erfolgreich abgelegt.

Verteidiger plädiert für Wochenend-Arrest

Der Staatsanwalt sah daher keine jugendtypischen Reifedefizite mehr bei dem Angeklagten und plädierte auf eine neunmonatige Bewährungsstrafe plus 3000 Euro Geldauflage nach Erwachsenenstrafrecht. Der Verteidiger sah nur "jugendtypische Eifersüchteleien" vorliegen und hielt einen Freizeitarrest, bei dem sein Mandant ein Wochenende hinter Gitter muss, als "Denkzettel" für ausreichend.

Damit sei es jedoch bei weitem nicht getan, sagte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung. Die Tat sei zwar jugendtypisch gewesen, erklärte Marin Kober. Ein Dauerarrest von drei Wochen sei jedoch wegen der Verletzungen der Ex-Freundin angemessen.

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