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Eichenprozessionsspinner im Kreis Haßberge: Keine Panik vonnöten

Der Eichenprozessionsspinner kann als Raupe wegen seiner Brennhaare für Menschen gefährlich werden. Er ist aber heuer keine massive Bedrohung.
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Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners enthalten ein Nesselgift, das bei Hautkontakt (pseudo)allergische Reaktionen hervorrufen kann. Abstand halten ist also geboten. Foto: Bernd Settnik/dpa
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners enthalten ein Nesselgift, das bei Hautkontakt (pseudo)allergische Reaktionen hervorrufen kann. Abstand halten ist also geboten. Foto: Bernd Settnik/dpa
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Der Eichenprozessionsspinner entpuppt sich Ende Juli, Anfang August als harmloser Nachtfalter. Seine Vorgeschichte aber lässt aufhorchen, denn zuvor ist er als Larve unterwegs - und in einer bestimmten Phase seines Daseins kann er ein unangenehmer Zeitgenosse werden. Im Landkreis Haßberge wurden die Tiere unter anderem am Eberner Freibad, am Spielplatz in Unterpreppach, bei Königsberg und am Schulzentrum in Haßfurt entdeckt und fachmännisch entfernt - was insbesondere in der Nähe von besiedelten Gebieten manchmal notwendig ist.


Denn: Ab dem dritten Larvenstadium, das sie laut Naturschutzbund Deutschland "bereits ab Ende April/Anfang Mai" durchlaufen, bilden die Insekten Brennhaare aus, die ein Nesselgift enthalten. Kommen Menschen oder Tiere damit in Kontakt, kann das unangenehm werden.
Diese Erfahrung hat zum Beispiel Dr. Klaus Mandery bereits gemacht. Der Biogeograph aus Ebern ist unter anderem Vorsitzender der Kreisgruppe Haßberge des Bundes Naturschutz und Geschäftsführer des Instituts für Biodiversitätsinformation Ebern. Insekten sind sein Fachgebiet - auf zahlreichen Exkursionen im Landkreis Haßberge hat er den Eicheprozessionsspinner (EPS) schon gesichtet. "Ich kenne eine ganze Reihe von Nestern", sagt er.


Die Haut rötet sich und schmerzt

Bei der Forschungsarbeit sei er auch schon in Berührung mit den Brennhaaren gekommen und das war freilich schmerzhaft. Das Nesselgift habe auf der Haut eine allergische Reaktion verursacht, es bildeten sich rote Pusteln, allerdings klangen die Symptome nach einigen Stunden wieder ab. Je nach Veranlagung jedoch und möglichen Allergien können die Brennhaare auch schlimmere Haut- oder Augenreizungen hervorrufen, in einzelnen Fällen sogar allergische Schocks.


Gerade wenn solche Nester dann in der Nähe von Kindergärten, Siedlungsgebieten/Radwegen (wie im Juni zwischen Königsberg und Unfinden), auf Spielplätzen (wie im Mai in Unterpreppach der Fall), oder wie - ebenfalls dieses Jahr - auf einer Liegewiese im Eberner Freibad oder am Schulzentrum in Haßfurt entdeckt werden, ist es laut Mandery sinnvoll, diese wegen der möglichen gesundheitlichen Gefährdung zu entfernen. Wer also ein solches Nest entdeckt, sollte es der zuständigen Kommune melden; diese wägt dann ab, ob es entfernt werden muss.


Nicht notwendig dagegen sei es, wegen des EPS generell in Panik zu verfallen, sagt Mandery. Zwar gelte die Raupe, die fast ausschließlich an Eichen nistet, wegen ihrer Fresslust als Schädling, Teil des Ökosystems ist das Insekt dennoch, dient in so gut wie allen Lebensstadien anderen Tieren als Nahrung (siehe Infokasten). Zudem sei eine Bekämpfung, insbesondere wenn chemische Mittel eingesetzt werden, immer auch mit Begleiterscheinungen verbunden, durch die andere Tier- und Pflanzenarten geschädigt werden, sagt Klaus Mandery.


Forstbestand: Wann bekämpfen?

Auch in den Wäldern des Landkreises Haßberge ist der EPS zu Gange. Eine flächendeckende Bekämpfung sei heuer aber nicht notwendig gewesen, wie Forstoberrat Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt erklärt. Maßnahmen werden demnach sehr vorsichtig abgewogen; erst wenn eine Bestandsbedrohung der Eichenwälder erkennbar ist, bekämpfe man den Schädling etwa auch mit Pestiziden. Das sei aber "das letzte Mittel. Keiner von der Forstverwaltung spritzt gerne Gift in den Wald", sagt er.


Dennoch war dies heuer einmal nötig, aber nicht wegen des EPS, sondern wegen des Schwammspinners. Der ist laut Hahn im Fraßverhalten noch aggressiver als der EPS und befällt auch andere Baumarten. Auf einem etwa 100 Hektar großen Waldgebiet zwischen Mechenried (Riedbach) und Rügheim (Hofheim) bedrohte die Raupenart massiv die Bestände. Das Mittel wird dann gezielt in den Brutbereichen per Helikopter versprüht, um die Raupen zu stoppen.


Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners


Hintergrund
Folgende Informationen stammen von dem Hintergrundpapier "Eichenprozessionsspinner" (EPS) des Bundnaturschutzes Deutschland. Die Datei steht im Internet unter www.nabu.de zum Download zur Verfügung.

Lecker, Teil 1 Während Fledermäuse und Vögel Jagd auf ausgewachsene Falter machen, werden die Raupen nur von wenigen Vogelarten gefressen. Neben dem in Deutschland seltenen Wiedehopf ist vor allem der Kuckuck ein prominenter Gegenspieler auch späterer Raupenstadien. Diese können ihm mit ihrem Gift nicht schaden, da er die Fähigkeit besitzt, seine Magenschleimhaut mit den darin festsitzenden Brennhaaren herauszuwürgen.

Lecker, Teil 2 Bedeutende Fressfeinde sind weiterhin räuberische Käfer wie der Große Puppenräuber, Raupenfliegen, Schlupfwespen und Brackwespen. Während der Puppenräuber Jagd auf die Raupen macht, schaden die genannten Fliegen und Wespengruppen dem EPS parasitär, indem sich ihre Larven im Inneren der Raupen (wie auch in denen anderer Schmetterlingsarten) entwickeln.


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