Ebern
Firmenprojekt

Ebern billigt das Hochregallager

Der Stadtrat sprach sich für den umstrittenen Bau des Unternehmens Uniwell aus. Viele Stellungnahmen waren dazu eingegangen.
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Der Blick vom sogenannten Schafstall an der Kurzewinder Straße, wo auch das Neubaugebiet "Sonnenleite" liegt, in Richtung Firma Uniwell: Davor soll das 21 Meter Hochregallager entstehen. Im Hintergrund liegt das Baunachtal mit der  Ortschaft Höchstädten.  Helmut Will
Der Blick vom sogenannten Schafstall an der Kurzewinder Straße, wo auch das Neubaugebiet "Sonnenleite" liegt, in Richtung Firma Uniwell: Davor soll das 21 Meter Hochregallager entstehen. Im Hintergrund liegt das Baunachtal mit der Ortschaft Höchstädten. Helmut Will
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Gut fünf Stunden dauerte die Sitzung des Stadtrates Ebern am Donnerstagabend im Betreuungsgebäude der Grundschule Ebern. Das geplante 21 Meter hohe Hochregallager der Firma Uniwell in Eyrichshof beschäftigte das Gremium wie selten ein Bauvorhaben zuvor. Allein etwa dreieinhalb Stunden nahm die Flut an Stellungnahmen in Anspruch, die vorgetragen und dazu Beschlüsse gefasst wurden.

Dass das Interesse groß war, zeigten gefüllte Zuhörerstühle. Etwa 20 Bürger hatten Platz genommen. Der Leiter der Bauverwaltung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern, Josef Müller, trug die oft langen Stellungnahmen vor und Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) die dazugehörigen Einzelbeschlussvorschläge. Insgesamt waren 28 Stellungnahmen zu behandeln, davon 22 von Bürgern, denen das geplante Hochregallager ein Dorn im Auge ist. Teilweise wurden Rechtsanwälte bemüht, um das Anliegen vorzutragen. 37 Bürger waren als Unterstützer kontra Hochregallager in den Stellungnahmen zu finden. Der Gesamtbeschluss war am Ende der dreieinhalbstündigen Beratung schnell gefasst: Einstimmig fiel das Ergebnis pro Hochregallager aus; bei den Zwischenbeschlüssen hatte es zuvor mitunter Gegenstimmen, vor allem von Stadtrat Philipp Arnold (FWE) , gegeben.

Der Stadtrat nahm alle vorgetragenen Stellungnahmen und Einwände zur Kenntnis und wird nun den Weg frei machen für weitere planungsrechtliche Maßnahmen. Aus den Stellungnahmen der Privatbürger wurden die Sorgen der unmittelbar oder mittelbar Betroffenen deutlich. Die wesentlichen Kritikpunkte sind: Sichtbeeinträchtigungen, Schaden für nebenliegende Firmen und Tourismus, Verschandelung der Umwelt, Minderung des Baugebietes "Sonnenleite" an der Kurzewinder Straße in Eyrichshof und der bereits dort gebauten Häuser, Belästigung und Verkehrsprobleme wegen des zu erwartenden Aufkommens von Lastwagen, Zweifel am Bedarf des Hochregallagers, Immissionsprobleme, Schaden für Fauna und Flora. Auch das Problem an der Einmündung der Kurzewinder Straße in die Juliusallee war ein Thema, weil dort große Lkw ein Anwesen in schöner Regelmäßigkeit beschädigen, wie es hieß, und die Besitzer oft für den Schaden selbst aufkommen müssen. Dazu sagte Bürgermeister Hennemann, dass die Stadt deswegen mit dem Landratsamt Haßberge in Verbindung sei, um zu erreichen, dass aus Richtung Gereuth keine großen Laster mehr in Richtung Kurzewind/Eyrichshof fahren dürfen.

Zu dem umstrittenen Firmenprojekt hatte vor einigen Tagen die Bürgerinitiative Eyrichshof Unterschriften für ein Bürgerbegehren an die Stadt Ebern übergeben. Es mündet möglicherweise in einen Bürgerentscheid, bei dem dann die Bürger ja oder nein zum Hochregallager sagen können. Zunächst wird nach den Worten des Bürgermeisters die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens geprüft.

Für die Kommunalwahlen 2020 wurde als Wahlleiter Altbürgermeister Robert Herrmann (CSU) und zu seinem Vertreter Stadtrat Rüdiger Ebert (FWE) bestimmt. Bei einer Gegenstimme fasste der Stadtrat den Feststellungsbeschluss für den Flächennutzungs- und Landschaftsplan für die geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage bei Fischbach. "Dort sind bereits vorbereitende Maßnahmen im Gange", sagte Hennemann. Auch für die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes an der Carl-Benz-Straße in Ebern stellte der Stadtrat mit einem Aufstellungsbeschluss die Weichen für das Vorhaben. Dort soll die derzeit vorhandene Verkaufsfläche von 920 Quadratmetern auf 1300 erhöht werden. Lidl werde damit zu einem Einzelhandelsgroßprojekt, wurde mitgeteilt. Eine weitere Weichenstellung erfolgte für den geplanten Netto-Markt als Sondergebiet im Bereich des ehemaligen Betriebs der Firma Reifen Wagner an der Straße Klein-Nürnberg am südlichen Ortsausgang von Ebern. Vorgesehen sind 1020 Quadratmeter Verkaufsfläche. Der Aufstellungsbeschluss hierfür wurde gefasst. Mit dem Netto-Markt schaffe Ebern für Bewohner im südlichen Stadtbereich eine nahe Einkaufsmöglichkeit, sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann.

Eine Neukalkulation erfolgte für die Wassergebühren für 2020 bis 2022. Sie bleiben unverändert bei 1,26 Euro pro Kubikmeter. Gestaffelt, je nach Abnahmemenge, sind die Grundgebühren für Wasserzähler von 36 Euro bis 768 Euro.

Die Jahresrechnung mit Rechenschaftsbericht für die Stadt Ebern des Jahres 2018 wurde zur Kenntnis genommen. Die Haushaltsansätze seien im Wesentlichen eingehalten worden, schrieb Kämmerer Horst Junge. Schulden hat die Stadt Ebern zum Jahresende in Höhe von 6 154 322 Euro, die pro Einwohner 843 Euro bedeuten; der Landesdurchschnitt liegt bei 766 Euro pro Einwohner. 4 171 400 Euro beträgt die freie Finanzspange, ein Indikator für die Leistungsfähigkeit der Kommune.

Zum Haushaltsvollzug (Stand 30. September 2019) teilte Kämmerer Horst Junge mit, dass die Haushaltsabwicklung 2019 im Rahmen der Veranschlagungen verlaufe. Bei der Gewerbesteuer betrage der Haushaltsansatz null Euro. Derzeit betrügen die Einnahmen etwa 200 000 Euro. Allerdings müsse die Entwicklung abgewartet werden, da es zu Rückzahlungen im letzten Quartal kommen könne. Größere Überschreitungen habe es weder im Vermögens- noch im Verwaltungshaushalt gegeben.

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