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Ebern
Faschingsspektakel

Ebern baut auf Gaudi

Der Hochregallager-Streit, der Wahlkampf und die Baustellen der Stadt waren de Stoff für zwei närrische Kulturringsspektakel.
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Die "Gipfelstürmer" treiben die Gaudi auf die Spitze.Eckehard Kiesewetter
Die "Gipfelstürmer" treiben die Gaudi auf die Spitze.Eckehard Kiesewetter
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Nähme man die Bunten Abende des Kulturrings zum Gradmesser, dann wäre der Bürgerentscheid in Ebern längst entschiedene Sache. Hohn und Spott trieben die Akteure auf der Bühne mit den Argumenten der Hochregalgegner und zogen den Eyrichshöfer Baron Hermann von Rotenhan kräftig durch den Kakao. Die "Gipfelstürmer" verabschiedeten sich nach mehr als zwölf Jahren mit einem Singspiel, bei dem sich Moritz Bauer in der Rolle des Adeligen einige Häme anhören musste.

Erstmals präsentierte Winnie Geuß als Schildbürger-Umbauingenieur den Entwurf für ein stufenförmig angeordnetes Hochregalgebäude, das er ans Schloss rücken will, um es dahinter zu verstecken und nebenher noch als Tribüne für die Fußballer des ASC zu nutzen.

Parkfläche fürs Gartenfest

Verringere man die Höhe des geplanten Uniwellbaus, wie von den Hochregalgegnern gewünscht, so rechnete Simone Bastian als Journalistin im Homeoffice vor, dann müsse man das Gebäude entsprechend mehr in die Länge bauen, um die benötigte Lagerkapazität zu erreichen, "also fast bis nach Fischbach". Auf dem Dach ließe sich dann hinreichend Parkfläche für die Großveranstaltungen des Barons schaffen.

Als Heubacher Jagdvorstand kritisierte David Pfeufer den "unsinnigen Streit um Sicht und Verkehr". Dass in Eyrichshof demnächst um 5 Uhr morgens Postlaster zuhauf ins Verteilerzentrum fahren, werde dagegen widerstandslos geduldet.

Ganz auf Bauprojekte ausgerichtet waren diese 46. Bunten Abende mit liebevoll gestalteter Dekoration und einem schönen Bühnenbild von Erich Wolfert. Während halb Bayern nach Veitshöhheim schaute (laut Bayerischen Rundfunk erreichte der Fränkische Fasching fast 50 Prozent Einschaltquote) amüsierten sich die Eberner köstlich in der Frauengrundhalle.

Eine Maus mit Durchblick

Die Verkehrskreisel, der nahe Abriss des Gasthofs Post, der Umbau des Zucker-Anwesens am Marktplatz und die unglückliche Rolle der Verwaltung bei der Verpachtung des früheren Gesundheitsamts (Biergarten Freigang), waren Themen.

Eberhard Wohl hatte als Stadtmaus in alle Winkel und Ecken gespitzt und - in der Bütt mit lustigen Fotos illustriert - Neuigkeiten aufgeschnappt. So wusste er zu vermelden, dass der Lotto- und Tabakladen von "Pommes" Heim ins Kaufhaus Mandrops ziehen wird oder dass beim Blasorchester Ebern ausgerechnet vor der 60-Jahr-Feier der Dirigent hingeworfen hat.

Derart kurz vor der Wahl war natürlich auch die Politik Thema: das Duell der "Schwergewichte" Hennemann und Ott ums Bürgermeisteramt; das zögerliche Verhalten des FDP-Mannes Harald Pascher, der sich als Vize am wohlsten fühlt, der verpasste Generationenwechsel der SPD oder die "städtische Sozialministerin" Isabel Zimmer und mit ihr die Gelbe Tonne.

Einen Höhepunkt setzte der Maroldsweisacher Faschingsprinz Christian Florschütz. Als indischer Aushilfspfarrer Rangar berichtete er von Sprachproblemen in seiner neuen Pfarrei Goggelgereuth . Mit den Sünden seiner Schäfchen hat er heute keine Probleme mehr: "Na freili, bassd scho", lautet seine Absolution. Als kirchliche I-Pad-Variante stellte er ein Holzkreuz namens "i-Cross" vor, dessen Display sofort die fällige Anzahl der Vaterunsers anzeige und mit dem man via "Gods-App" ganz nach oben kommunizieren könne.

Schwung durch die Garden

Amüsant waren die ungleichen Schminkmethoden der "feinen Dame" Lisa Meister und der "Landpomeranze" Janina Reuter Schad, das Märchenspiel "Aschenputtel" der Heubacher Jugendgarde und ein Schwarzlichtspektakel der Maroldsweisacher "Concordivas". Sie inszenierten eine Entführung ins All.

Begeisterten Applaus ernteten die zahlreichen Tanzeinlagen. Allein fünf peppige Auftritte legten die großen und kleinen Garden aus Ebern-Heubach auf die Bühne. Johlend angefeuert und konditionsstark präsentierten sich ferner die Tanzformationen der Gäste aus Rentweinsdorf, Maroldsweisach und Seßlach. Dann zeigten die "Flying Mumins", dass Männerballett heute nichts mehr mit Schwabbelbauch und Ungelenkigkeit zu tun hat. Akrobatik, Kraft und Ästhetik fanden bei ihrem "TopGun"-Auftritt viel Beifall.

Christian Giebfried und Fabian Weber moderierten die kurzweiligen Faschingsabende. Als Einmannband steuerte Ronny Söllner die Schunkeleinlagen und zuletzt Tanzmusik bei.

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