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Ebelsbach
Sternsinger

Ebelsbacher Geschwister sind die Sternsinger

Vier Buben machen seit Jahren bei der Aktion mit. Manchmal reagieren die Menschen schon komisch...
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"Öffnet das Haus und öffnet das Tor, die Sternsinger stehen als Boten davor." Die vier Reinwand-Brüder (von links) Lorenz, Franz, Moritz und der neunjährige Lukas sind in Ebelsbach am Sonntag wieder mit vielen anderen Kindern und Jugendlichen als Kaspar, Melchior, Balthasar und Sternträger unterwegs.  Fotos: Ralf Naumann
"Öffnet das Haus und öffnet das Tor, die Sternsinger stehen als Boten davor." Die vier Reinwand-Brüder (von links) Lorenz, Franz, Moritz und der neunjährige Lukas sind in Ebelsbach am Sonntag wieder mit vielen anderen Kindern und Jugendlichen als Kaspar, Melchior, Balthasar und Sternträger unterwegs. Fotos: Ralf Naumann
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"Ich freue mich jedes Jahr darauf. Es ist eine Tradition", sagt Lorenz (15). Na, für den zwei Jahre jüngeren Franz ist es eher anstrengend, wie er zugibt. Für Moritz (11) ist es "am wichtigsten, etwas für andere Kinder zu machen". Und der neunjährige Lukas? Er ist froh, bei den Großen dabei sein zu dürfen. Am Dreikönigstag tauschen die Geschwister ihre Namen in "Kaspar", "Melchior" und "Balthasar".

Vier Brüder in einer Mission

Die vier Reinwand-Brüder gehen nämlich als Sternsinger in Ebelsbach am Sonntag nach dem Aussendungsgottesdienst durch viele Straßen und bitten an den Haustüren um Spenden. Das Motto der Sternsinger-Aktion lautet in diesem Jahr: "Wir gehören zusammen - in Peru und weltweit". Der mehrstündige, knapp drei Kilometer lange Hausbesuchs-Marathon, unterbrochen nur von einer Mittagspause, ist Höhepunkt und Abschluss intensiver Vorbereitungen, die kurz vor Weihnachten mit der Einteilung der Gruppen sowie der Gebiete begann. In Ebelsbach kümmert sich seit Jahren Pastoralreferent Johannes Eirich um die Sternsinger, in deren Rolle Ministranten der Pfarrgemeinde schlüpfen. Aufgrund von "Personalmangel" machen aber aber auch einige Kommunionkinder des Jahres 2019 mit.

Woran liegt das? "Ich denke, dass viele in Urlaub sind oder in den Ferien einfach mal keine Termine wollen", meint Franz. "Es sind ja doch einige Termine zur Vorbereitung." Und an eines denkt der Bub auch: "Nicht jeder freut sich auf die Sternsinger." Da gibt es einige negative Beispiele: "Jedes Jahr kommt man auch an Häuser, wo die Menschen die Türen nicht öffnen und uns über die Sprechanlagen fortschicken. Manche Leute regen sich sogar auf. Einer hat sich mal voll beschwert, dass wir geklingelt haben, weil wir ihn geweckt haben", erzählt Franz. So richtig verstehen kann er das nicht.

Trotz allem machen nach seinem Empfinden noch genug Ebelsbacher Kinder und Jugendliche mit. "Bei meinen Freunden aus anderen Ortschaften ist das teilweise echt schlimm."

Eine mögliche Lösung haben die Buben: "Man könnte vielleicht die ganzen Vorbereitungen auf einen Tag legen. Dann wären nur zwei Tage betroffen", sagt Lorenz. Mit der Weihnachtsfeier der Ministranten beginnt kurz vor Weihnachten alles: Die Gruppen werden auf die Gebiete eingeteilt, es gibt Zettel mit den Texten, die man auswendig lernen soll. Die haben die Buben aber schon intus: "Es gibt den gleichen Text wie jedes Jahr. Tradition", betont der Erfahrenste der Reinwands. Das findet Franz sehr gut. Denn "sonst müssten wir ja immer etwas Neues lernen."

Sprech- und Singproben

Geprobt wird trotzdem. In der ersten Januarwoche finden im Jugendheim je zwei kurze Sprech- und Singproben für jede Gruppe statt. "Jeder muss vor Johannes und den Oberministranten seinen Spruch sagen und singen. Das dauert aber immer nur so zehn Minuten", erklärt Lorenz. Die Buben sind schon gewissenhaft: "Vor der ersten Probe suchen wir auch schon immer unsere Kronen daheim heraus, um zu kontrollieren, ob wir etwas ausbessern müssen. Die Kronen haben wir nämlich selbst gebastelt und auch sehr reich verziert." "Da haben wir bisher schon immer etwas machen müssen, weil ja auch die Köpfe wachsen", lacht Moritz.

Der Tag vor Dreikönig ist ebenso aufregend: große Kleiderprobe in der Kirche. Helferinnen legen die Gewänder aus und es geht zu wie in einem Bekleidungsgeschäft. An und wieder aus. Das Nächste an. Etwas Kürzer bitte. Vielleicht doch etwas länger? Passt. Noch den Namenszettel mit einer Sicherheitsnadel angebracht und auf die Stühle in der Steinkapelle bereitgelegt. Fertig.

Wer macht was?

Wenn jeder das passende Gewand hat, gibt es eine Probe für den Gottesdienst am Sonntag. Einiges gibt es zu klären, wie Lorenz aufzählt: "Wer sitzt wo, wer macht die Kyrie-Rufe, die Fürbitten, die Lesung? Wer sammelt bei den Gläubigen, wer ist für die Gabenbereitung zuständig?" Zudem wird der große Einzug ins Gotteshaus geübt und bestimmt, welche Sternsinger-Gruppe am Altar den Segen für die Gottesdienstbesucher sprechen darf.

Eine Gruppe überbringt den Segen in die evangelische Kirche

Ein Punkt ist ganz wichtig: Wer wird ausgesandt, um den Segen in die evangelische Kirche nach Gleisenau zu bringen? "Das machen wir seit ein paar Jahren so, weil sich das der evangelische Pfarrer so gewünscht hat", sagt Lorenz, "Wir nehmen dann auch immer Weihrauch mit." So sieht gelebte Ökumene aus.

Am 6. Januar heißt es früh aufstehen. Ab 8.30 Uhr beginnt für die neun Gruppen in der Sakristei die Verwandlung in Könige oder Sternträger. Ein letztes Mal werden die Gewänder kurz gebügelt "und wir dürfen uns auch noch Schmuck aussuchen", erklärt Lorenz. Wichtig ist natürlich die Wettervorhersage. Ist regenfeste Kleidung empfehlenswert? Soll es schneien? Wird es kalt oder eher mild? "Je nach Wetterlage muss man sich sehr wind- und wetterfest, oder auch sehr warm anziehen. Wir laufen ja bei jedem Wetter."

Auf geht's

Spätestens bei den Glockenschlägen um 10 Uhr verfliegt die größte Anspannung bei den Vieren. "Es ist einfach ein tolles Gefühl, mit so vielen anderen Sternsingern gemeinsam einzuziehen", sagt Moritz. Nach dem Gottesdienst geht es gleich los. Lorenz' Wunsch ("wir hoffen immer, dass wir Brüder zusammenbleiben können") hat sich nicht ganz erfüllt: Während Moritz und Lukas im Bereich "Siedlung" unterwegs sind, dürfen Lorenz und Franz ihre Erfahrung im Berggebiet an Jüngere weitergeben. Macht aber nichts, sondern trotzdem Spaß.

"Meistens brauchen wir bis 16.30 Uhr, bis wir unser Gebiet fertig haben", sagt Moritz. Die große Tüte neben der Spendenbüchse und Kreide muss dabei sein. "Weil es von ganz vielen Leuten auch etwas als Belohnung für uns gibt." "Manchmal", meint Franz, "hängen die Leute, wenn sie nicht daheim sind, sogar eine Tüte an die Haustür, um uns etwas zu geben."

Der schwierigste Teil sind fast ein bisschen die am Ende prall gefüllten Tüten. Für Moritz gleicht das Aufteilen der Naschereien einer Sisyphusarbeit. Doch auch darin haben die Reinwands bereits Routine: "Wir breiten bei uns auf dem Küchentisch alles aus, und es darf sich jeder der Reihe nach etwas nehmen. Lorenz fängt immer an. Das machen wir dann so lange, bis wir alles aufgeteilt haben." Sind die Gaben kinder- und jugendfrei? "Na ja", räumt Lukas ein, "einmal war auch 'was mit Alkohol dabei. Das hat dann die Mama bekommen", grinst der Grundschüler.

Damit ist der Sternsingertag nicht vorbei. Um 17.15 Uhr treffen sich alle Gruppen im Pfarrsaal. "Dort geben alle ihre Kasse ab sowie die Gewänder", erklärt Lorenz. Jeder ist auf die Sammelergebnisse der anderen gespannt. Erst dann neigt sich "Dreikönig" langsam dem Ende zu. Aber halt: Zwei Dinge dürfen nicht fehlen. Pizza. "Das ist auch Tradition", sagt Franz. Und dann Duschen. Die Farbe muss wieder ab. "Das ist manchmal auch gar nicht so leicht", lacht Mama Claudia.

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