Ebern
Natur

Durchmischter Forstbestand hat Chancen

Der Eberner Stadtrat informierte sich über die Situation im Käppeleswald. Der Klimawandel ist zu sehen und zu spüren.
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In diesem Tümpel im Käppeleswald fühlt sich die Gelbbauchunke sehr wohl. Der Eberner Stadtrat schaute sich das Areal beim Waldbegang an.  Christian Licha
In diesem Tümpel im Käppeleswald fühlt sich die Gelbbauchunke sehr wohl. Der Eberner Stadtrat schaute sich das Areal beim Waldbegang an. Christian Licha
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Im Käppeleswald, auf dem Gebiet des ehemaligen Standortübungsplatzes, schaute sich der Stadtrat Ebern bei seinem Waldbegang um. "Kaum eine Region in Bayern ist so betroffen wie unsere", sagte Betriebsleiter Jürgen Hahn vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) und meinte das Revier Raueneck von Förster Wolfgang Gnannt. Die Schäden durch Hitze und Käfer, auch an Wurzeln und Kronen der Bäume, sind hier nach seinen Angaben besonders stark. Gleichzeitig bezweifelt Hahn, ob die Gefahr bayernweit erkannt worden sei, denn im Süden des Freistaats sei die Welt gefühlt noch in Ordnung.

Auf das Wetter der letzten Jahre müsse man sich einrichten, der Juni sei beispielsweise vier Grad zu warm gewesen, erklärte Hahn. Die Bewirtschaftung des Eberner Stadtwaldes gehe aber exakt in die richtige Richtung. Förster Gnannt erklärte den Stadträten die historische Bewirtschaftung vom 16. Jahrhundert bis Ende des 19. Jahrhunderts. Bei der sogenannten Mittelwaldbewirtschaftung habe man damals starke Eichen als Bauholz geschlagen, das zum Beispiel auch zum Bau des historischen Rathauses in Ebern verwendet wurde. Alles andere sei auf Stock gesetzt worden und habe als Brennholz gedient. Heute sei die Stadt Ebern in Sachen Eiche sehr gut aufgestellt, die rund ein Drittel des Bestandes ausmache. Gut durchmischt mit Kiefer, Fichte, Buche und Elsbeere habe der Stadtwald damit ein Alleinstellungsmerkmal. Es gebe keinen Bereich, in dem nur eine Baumart vorhanden sei; alles sei gut durchmischt.

Der Waldschutz gehe zwar vor, so die beiden Fachleute, aber abgestorbene Fichten könne man auch stehen lassen, vorausgesetzt, im weiteren Umkreis befänden sich keine weiteren Fichtenbestände, die durch den Borkenkäfer gefährdet sein können. So habe man sich zum Beispiel entschlossen, in Ebern am Losberg Fichten auch stehen zu lassen. Hier sei es schwierig, Unternehmer für die Fällarbeiten zu finden, da die Branche momentan ausgelastet sei. Außerdem könnten diese Bäume der Bevölkerung verdeutlichen, wie der Klimawandel aussehe.

Den Klimawandel konnten die Stadträte auch im Käppeleswald sehen. Viele Risse im Waldboden zeugen von der Trockenheit. Gnannt zeigte eindrucksvoll, wie tief so ein Riss sein kann, in dem er einen Ast rund 80 Zentimeter hineinsteckte. Durch die Risse werden die feinen Wurzeln der Bäume zerstört, die für die Wasseraufnahme eine besondere Bedeutung haben.

Ein großes Thema in Ebern ist auch der Vertragsnaturschutz. Die starken Eichen sind hierfür eine gute Voraussetzung. Astnarben von der früheren Bewirtschaftung sind für den Specht hervorragend, seine Höhlen entstehen zu lassen. Diese Biotopbäume haben einen besonderen Wert für die Flora und Fauna. Sie bilden im Ökosystem Wald ein Mikrohabitat mit spezifischen Eigenschaften für unterschiedliche Arten und erhöhen so die Biodiversität im Wald.

Generell sind die ausgewählten Biotopbäume nur für Brennholz tauglich, haben also einen sehr geringen wirtschaftlichen Nutzen. Dafür, dass sie stehen gelassen werden, bekommt jedoch die Stadt eine staatliche Förderung von bis zu 195 Euro je Baum. Insgesamt konnten so jeweils 20 000 Euro für die Stadtkasse in den Jahren 2017 und 2019 generiert werden. Auch für 2020 kommt Ebern wieder in den Genuss der Förderung in gleicher Höhe. Mindestens zwölf Jahre müssen die Bäume nach den Förderbedingungen stehen bleiben, jedoch ist eine Verlängerung dieses Zeitraumes sehr sinnvoll.

Vor Ort zeigten die Waldexperten dem Gremium zum Beispiel den Baum Nummer 13, der schon zum zweiten Mal im Programm ist. Und auch für Totholz gibt es eine Förderung. Abgestorbene Bäume sind für 40 Prozent aller Tiere ein wichtiger Lebensraum, egal ob sie stehen oder liegen.

Die Vielfalt der Baum- und Tierarten, die im Käppeleswald vorkommen, hat auch Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) bewogen, sich für eine Bewerbung für das geplante Naturschutzzentrum des Naturparks Haßberge stark zu machen. Hierfür müsse man auch keine Gebäude neu bauen, denn auf dem ehemaligen Kasernengelände stünden einige Objekte leer, die für diese Verwendung hergenommen werden könnten, so Hennemann. Beim Waldbegang wurde unter anderem auch ein Tümpel besichtigt, der aktiviert wurde und einen guten Lebensraum für die Gelbbauchunke bietet.

Bei der Naturverjüngung, die im Stadtwald betrieben werde, sei auch das Rehwild ein Problem, das sich an den jungen Pflanzen und Bäume zu schaffen mache, sagte Hahn. Eine Abhilfe schaffe die Eigenbejagung, die aber nicht mehr mit einem Hobby gleichzusetzen sei, sondern wirkliche Arbeit bedeute. "Wenn die Rehe merken, dass es hier knallt, werden sie auf andere Stellen zur Futtersuche ausweichen." Man suche das Gespräch mit den Jägern, in der Hoffnung, dass die Bejagung im Wald in einigen Jahren Früchte tragen werde.

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