Zeil am Main
Hexenverfolgung

Dunkles Kapitel der Zeiler Stadtgeschichte

Am Donnerstagabend veranstalteten der Zeiler Hexenturm und die Volkshochschule unter der Leitung von Birgit Geißler "Hexengeschichten im Fackelschein".
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Eine der Stationen des Hexenlaufes war die Stadtmauer Südost in der Entweidgasse.René Ruprecht
Eine der Stationen des Hexenlaufes war die Stadtmauer Südost in der Entweidgasse.René Ruprecht
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Der nächtliche Hexenlauf durch die Altstadt war mit 25 Teilnehmern ausgebucht. Bei einem Rundgang durch die nächtlichen Gassen wurden insgesamt acht historische Schauplätze erkundet. Start war am Hexen-Dokumentationszentrum im einstigen Oberen Torturm, das im Jahr 2011 eröffnet wurde. Der zu Beginn des 15. Jahrhunderts erbaute "Hexenturm" diente während der starken Hexenverfolgung zwischen 1616 und 1631 auch als Kerker.
In Zeil wurde außerdem ein Gericht zur Aufspürung, Festsetzung, Verurteilung und Hinrichtung der angeblichen Hexen und Hexenmeister eingerichtet. Durch die Richtstätte des damaligen Hochstifts Bamberg sind mehr als 400 vermeintliche Hexen und Zauberer verbrannt worden, darunter überdurchschnittlich viele unschuldige Opfer aus der Bürgerschaft von Zeil. Zu weiteren Anklagen führten die Pest, der damalige Dreißigjährige Krieg und Missernten, die auch auf "natürlichem" Wege viele Menschenleben forderten, so dass die Einwohnerzahl drastisch von rund 800 auf etwa 150 sank.


Haltepunkte an der Stadtmauer

Der Rundgang setzte sich weiter über die Obere Torstraße zum Marktplatz fort. Von der ehemaligen Ratsdienerwohnung und Hirtenhaus (jetzt Fremdenverkehrsbüro) zogen die "Fackeln" weiter zum Kaulberg, zum "Speiersbrunnen". Über die Speiersgasse, Judengasse, Entweidgasse und Grabengärten wurde jeweils bei der Stadtmauer Nordost (Göllergarten), Südost und Südwest Halt gemacht.


"Abdrücke des Teufels"

Überwiegend wurden damals Frauen ermordet, aber auch Männer und Kinder. Eine Hexen-Anklage hatte nichts mit dem Aussehen, Geschlecht, Alter, Beruf oder gesellschaftlichem Stand zu tun. Äußere Merkmale, wie Leberflecken oder Muttermale als "Abdrücke des Teufels" wurden erst nach der Verhaftung als Beweismittel benutzt. Weitere "Indizien" waren Tränenlosigkeit und Schmerzunempfindlichkeit.
Als 1626 die Prozesswelle begann, wurden in den Türmen und Toren der Zeiler Stadtmauer 25 Haftorte eingerichtet. Durch ein Loch im Gewölbe wurden die Häftlinge in den ebenerdigen Raum ohne Tageslicht hinabgelassen. Während der Hochphase der Verfolgung wurden aus Platzmangel in zwei Bürgerhäusern weitere Angeklagte festgehalten.
Um wertvolles Holz zu sparen, wurden in Zeil und Bamberg die Verurteilten nicht einzeln, sondern in kleinen Gruppen verbrannt. Um die Holzersparnis noch zu steigern, wurde 1627 bei Zeil ein Brennofen errichtet, modern gesprochen: ein Krematorium.
Während des ungefähr eineinhalbstündigen Rundgangs wehte in Zeil ein stärkerer Wind. Für die besondere Stadtführerin Birgit Geißler war dies "eine passende Geräuschkulisse" zum dunklen Kapitel der Zeiler Stadtgeschichte. Im Rahmen der Zeiler 1000-Jahr-Feier findet der nächste nächtliche Hexenlauf am 25. Oktober statt.
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