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Haßfurt
Strafprozess

Dubiose Zustände im Kuhstall

Das Amtsgericht Haßfurt verhandelte gegen einen Tierarzt, der Medikamente ohne Untersuchung verschrieben haben soll. Der Angeklagte wurde freigesprochen.
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Das Verhältnis eines Tierarztes aus dem Landkreis Haßberge zum Veterinäramt ist - gelinde gesagt - nicht das beste. Dieser Tage musste er sich am Amtsgericht in Haßfurt verantworten, weil ihn die Behörde wegen eines Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz angezeigt hatte. Der Tierarzt erhielt daraufhin einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte, weshalb es zur Hauptverhandlung kam und er auf der Anklagebank Platz nehmen musste.

Laut Anklage hat er am 19. März 2018 für die Behandlung einer Kuh eines Landwirts aus dem Landkreis Schweinfurt ein Medikament verschrieben, ohne zuvor das Tier selbst untersucht zu haben. Zudem soll die Kuh nicht einmal existiert haben, weil die Nummer der Ohrmarke des Tieres nirgends in den Unterlagen des Landwirts auffindbar war. Die Verschreibung eines Medikaments ohne vorherige Untersuchung ist ein Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und somit eine Straftat.

Der Arzt wies den Vorwurf von sich. Er habe mehrere Tiere untersucht. Der Landwirt habe ihm dabei die Nummer der Ohrmarke vorgelesen und möglicherweise durch einen Zahlendreher eine falsche Nummer angegeben. Seit über 30 Jahren praktiziere er als Tierarzt und müsse sich nun als "Drogendealer" hinstellen lassen, polterte der Angeklagte vor Gericht.

Der Landwirt, dessen Kuh das Medikament erhielt, schwieg im Zeugenstand. Er wollte sich nicht selbst belasten, da gegen ihn ebenfalls ein Strafverfahren wegen desselben Sachverhalts anhängig ist.

Nach Angaben eines ermittelnden Polizeibeamten hat der Landwirt zugegeben, seine Kühe selbst mit Medikamenten zu behandeln, sobald sie Krankheitssymptome zeigten. Er könne nicht jedes Mal den 30 Kilometer entfernt wohnenden Tierarzt holen. Bei der Durchsuchung des Bauernhofs sei der Bauer sehr laut und unkooperativ gewesen, so dass eine zweite Polizeistreife angefordert worden sei. Das Veterinäramt wolle ihn "zerstören und ruinieren" und er komme "auf keinen grünen Zweig" mehr, habe der Landwirt geschimpft.

Eine Tierärztin des Veterinäramts Schweinfurt sagte, dass die Ermittlungen durch eine Mitteilung der Tierkörperverwertungsanlage Walsdorf in Gang kamen. Danach habe der Landwirt vermehrt tote Tiere angeliefert. Da der Verdacht einer Seuche oder widriger Haltungsbedingungen im Raum stand, habe das Amt den Betrieb des Landwirts im Juni 2018 unangemeldet kontrolliert. Kranke Tier habe man jedoch nicht vorgefunden, dafür aber drei Wäschekörbe an Medizin, die von den Polizeibeamten sichergestellt wurden. Medikamente, die "systemisch" verabreicht würden - beispielsweise durch Injektion in die Blutbahn - dürften jedoch nur für maximal sieben Tage verabreicht und nicht in solchen Mengen vorgehalten werden, sagte die Ärztin vor Gericht. Der Landwirt habe sich darüber hinaus nicht an Vorgaben gehalten und Antibiotika nur solange gegeben, bis das Tier seiner Meinung nach wieder gesund war, anstatt den vorgeschriebenen Zeitraum einzuhalten. Dafür habe ihm der angeklagte Tierarzt nach eigenen Angaben "die Leviten gelesen".

Für den Staatsanwalt machte die Beweisaufnahme deutlich, dass sich der Vorwurf in der Anklage bestätigt habe. Der Bauer habe bestellt, der Tierarzt habe geliefert, ohne zuvor zu behandeln. So sei es auch am 19. März 2018 gewesen, war sich der Anklagevertreter sicher und forderte eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 100 Euro, also 5000 Euro, für den Angeklagten.

Verteidiger Wolfgang Hansen argumentierte, dass ein konkreter Tatnachweis für die angeklagte Tat nicht zu liefern sei. Denn nur der Landwirt sei damals noch beteiligt gewesen und der habe vor Gericht geschwiegen. Daher sei sein Mandant freizusprechen.

Die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, folgte dieser Argumentation. Der Landwirt habe zwar bei der Polizei Angaben gemacht, nicht jedoch vor Gericht. Daher sprach sie den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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