Zeil am Main
Dreharbeiten

Drohne kreist um Hexenturm in Zeil

Ein rundes, surrendes Flugobjekt flog am Donnerstag über Zeil. Was außerirdisch aussieht, ist eine Art fliegende Kamera, die an 16 Rotoren hängt. Damit wurden Aufnahmen für die ZDF-Dokumentationssendung "Terra X" gefilmt.
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Das Flugobjekt mit 16 Rotoren trägt eine hochauflösende Kamera in die Luft über Zeil. Der orangene Ball markiert das Heck.  Fotos: Hendrik Steffens
Das Flugobjekt mit 16 Rotoren trägt eine hochauflösende Kamera in die Luft über Zeil. Der orangene Ball markiert das Heck. Fotos: Hendrik Steffens
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"Schwenk mal steil ein" und "zieh im Anflug seitlich am Gebäude vorbei", sagt der Kameramann zum Piloten mit der Fernbedienung. Der steuert seine Drohne, die am Himmel über Zeil fliegt, am Hexenturm entlang. Von einer Wiese zwischen der Zeiler Mittelschule und dem Hexenturm aus startete Donnerstagnachmittag mehrfach eine Kameradrohne. Sie zeichnete Bildmaterial für die ZDF-Dokumentationssendung "Terra X" auf. Dazu war ein Produktionsteam des Mainzer Fernsehsenders vor Ort. Die Hauptstraße war zwischen 14 und 16 Uhr zeitweise gesperrt.

Eine Passantin fühlt sich angesichts der leeren Hauptstraße "an die autofreien Sonntage" aus den 70er Jahren erinnert. Eine andere, die von einem Café aus das Flugobjekt beobachtet, ist erst skeptisch "was das da oben sein soll". Die Feuerwehrleute am Marktplatz klären auf: Nur eine Kameradrohne, kein Grund zur Beunruhigung.

Doku über Hexenverfolgung

Das Filmteam an der Mittelschule drehte für eine Dokumentation über die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert. Dafür hatten sie am Morgen Szenen in Bamberg aufgezeichnet. Nachmittags sammelten sie Bilder von dem Zeiler Turm, der im 17. Jahrhundert Gefängnis und Folterstätte des Hochstifts Bamberg war (zwischen 1616 und 1631 wurden rund 400 sogenannte Hexen in Zeil ermordet). Die "Terra X"-Dokumentation wird voraussichtlich im Februar 2015 im Abendprogramm des ZDF laufen, wie die Pressestelle des Senders sagte.

Gegen 14 Uhr wartete das Team - zwei Mitarbeiter des ZDF sowie zwei externe Fachmänner für Flugaufnahmen aus Blaibach im Bayerischen Wald - auf die Starterlaubnis. Die Straßen mussten vor dem Start gesperrt werden. Das Luftamt schreibt vor, dass Flugobjekte keine befahrenen Verkehrswege kreuzen dürfen. "Sobald wir das Okay haben, kann's losgehen", sagte Tobias Oberberger, einer der Konstrukteure der Drohne. Er war bei den Aufnahmen für die Steuerung zuständig.

Wie ein fliegendes Stativ

Das Flugobjekt wird eingesetzt als eine Art fliegendes Stativ. "Bei dem Wetter liegt es wie ein Brett in der Luft", sagt Oberberger. Die Drohne ist eine Eigenkonstruktion und sieht aus wie ein kleiner Helikopter mit 16 Rotoren, die im Kreis um den Torso angebracht sind. Das nennt man einen "doppelten Oktokopter", wie Oberberger sagt (von octo, dem lateinischen Wort für acht). Die Anzahl der Rotoren schafft Stabilität in der Luft: "Wichtig für ein unverwackeltes Bild im Film", sagt Florian Schlamminger, der andere Entwickler der Drohne, die mehrere zehntausend Euro wert ist. Er war für die Kameraführung zuständig. Regisseurin Ricarda Schlosshan und Kameramann Anthony Miller vom ZDF haben die künstlerische Hoheit über das Filmprojekt, das teilweise in Zeil umgesetzt wurde. Warum sie eine Drohne für einen Dokumentationsfilm brauchen? "Mit den Luftaufnahmen erzeugen wir eine moderne Bildsprache", sagte Schlosshan.

Am späten Nachmittag waren die Aufnahmen beendet und der Verkehr floss wieder durch die Innenstadt. Rund um den Turm, vom Kreisel am Ortseingang aus Haßfurt kommend, bis zur Kreuzung an der Sparkasse, waren während der Dreharbeiten ein Dutzend Kräfte von Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um die Flugzone abzusperren.
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