Haßfurt
Gericht

Drogen und rätselhafte Zahlen: Schmierereien eines Haßfurters (18) führen Gericht in die Irre

Ein 18-Jähriger aus Haßfurt hat einer Bekannten Amphetamine verkauft und unter anderem ein Auto beschädigt. Doch seine Schmierereien führten das Gericht zunächst auf eine falsche Fährte.
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Ein 18-Jähriger aus Haßfurt wurde vom Amtsgericht zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er hatte mit Betäubungsmitteln gehandelt. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa
Ein 18-Jähriger aus Haßfurt wurde vom Amtsgericht zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er hatte mit Betäubungsmitteln gehandelt. Symbolfoto: Frank Leonhardt/dpa

Wegen Sachbeschädigungen und des Handels mit Betäubungsmitteln hat das Haßfurter Jugendschöffengericht am Amtsgericht einen 18-Jährigen am gestrigen Montag zu zwei Wochen Dauerarrest in der Würzburger Jugendstrafanstalt verurteilt. Damit fiel die Strafe für den Haßfurter deutlich gnädiger aus, als eigentlich von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Die schummrige Ecke an einem Haßfurter Einkaufsmarkt ist dem Gericht bereits bekannt: Als eine Polizeistreife hier im August 2018 eine junge Frau dabei erwischte, wie sie sich gerade eine Amphetamin-Portion auf dem Handy zurechtmachte, führte ihr Geständnis die Ermittler direkt zum Angeklagten. Dieser hatte seiner Bekannten erst einige Tage zuvor die drei Gramm Amphetamin verkauft. Von wem er die Drogen wiederum erhalten hatte, wollte der 18-Jährige nicht preisgeben. Zusätzlich war der Haßfurter wegen dreifacher Sachbeschädigung angeklagt.

Falsche Vermutungen während Prozess

In den beiden Augustwochen vor dieser Tat hatte er ein Firmenauto sowie ein Zimmer der Haßfurter Asylunterkunft mit rotem Edding beschmiert. In Zeil beschädigte er zudem eine Säule an der Mehrzweckhalle am Tuchanger sowie einen Stromkasten. Dabei hinterließ er wiederholt Zahlen- und Buchstabenkombinationen, hinter denen Richter Martin Kober zunächst ein rechtsradikales Motiv vermutete. Der Angeklagte klärte das Gericht jedoch darüber auf, dass es sich bei dem Schriftzug "420" und dem 20. April um den internationalen Cannabistag handele. Auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft gab der 18-Jährige zudem zu, wofür die Buchstaben "ACAB" stünden. "Für nichts Gutes", antwortete er zögerlich. "Es steht für ,All cops are bastards'."

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Insgesamt entstand durch die Schmierereien ein Sachschaden von rund 3150 Euro. Das Bemalen der Zimmerwände in der Asylunterkunft sei dem Angeklagten zufolge im Einverständnis mit dem Bewohner entstanden. "Wenn ihm das Haus gehören würde, könnte er damit machen, was er will. Aber das Gebäude gehört der Stadt Haßfurt", klärte Richter Martin Kober den 18-Jährigen auf.

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Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe machte in seiner Einschätzung darauf aufmerksam, dass der Angeklagte seit seiner Kindheit unter der psychischen Erkrankung seines Vaters leide. Dieser befindet sich seit 2002 in einem betreuten Wohnheim. Da die Schullaufbahn "nicht sein Ding" sei, hat der Angeklagte die Mittelschule nach der achten Klasse verlassen. Seine Ausbildung in einem Handwerksberuf brach er nach zwei Jahren überraschend ab - laut Jugendgerichtshilfe aus reinem Trotz. Seit Beginn des Jahres besucht der 18-Jährige regelmäßig eine Bildungs- und Schulungseinrichtung. Dies sei ein Indiz dafür, dass er sich langsam stabilisiere und erwachsener werde.

Staatsanwaltschaft: Nicht reif genug

Die Staatsanwaltschaft plädierte aufgrund der beschriebenen Reifeverzögerung des 18-Jährigen für eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht. Die geforderten neun Monate könnten jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden. Besonders belastend bewertete der Staatsanwalt die Vorverurteilung des Angeklagten wegen zweifacher schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung, die der Haßfurter zwischen 2014 und 2016 begangen hatte.

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Richter Martin Kober verurteilte den Angeklagten zu zwei Wochen Dauerarrest nach Jugendstrafrecht. Die begangenen Sachbeschädigungen muss der 18-Jährige aufgrund seiner "prekären" finanziellen Lage nicht selbst begleichen.



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