Gädheim
Baustelle

Drei Windräder bis Januar - Gemeinde Gädheim wächst nach oben

Drei Windräder im westlichen Kreis Haßberge sollen der Kommune und ihren Bürgern Geld einbringen. Die Anlagen werden derzeit aufgerichtet und sollen spätestens im Januar 2014 in Betrieb gehen. Bürgermeister Egon Eck und Energiedienstleister Jochen Bals erklären das Projekt.
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Blick auf die Baustelle mit Teleskopkran und Raupenkran vor einer unfertigen Windkraftanlage. Fotos: Barbara Herbst
Blick auf die Baustelle mit Teleskopkran und Raupenkran vor einer unfertigen Windkraftanlage. Fotos: Barbara Herbst
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Wenn eine kleine Gemeinde wie Gädheim hoch hinaus will, braucht sie im Grunde nur eines zu tun: Windräder bauen. Insgesamt rund 185 Meter werden die drei Anlagen in den Himmel ragen, die derzeit an der Grenze des Kreises Haßberge zum Kreis Schweinfurt aufgestellt werden.

Die Windräder sollen sich noch dieses Jahr, spätestens aber im Januar 2014 drehen, ließ Gemeindeoberhaupt Egon Eck (Christliche Wählergemeinschaft) wissen. Der Politiker hat den Energiedienstleister Jochen Bals an Bord geholt, um ein bisschen Energiewende in Gang zu setzen. Ganz ohne die vom Landkreis Haßberge und seinen 26 Städten und Gemeinden mitbegründete Energiegesellschaft GUT: Die Verträge seien schon unter Dach und Fach, sagt Egon Eck.

Die Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte (GUT) ist bei diesem Windenergiegeschäft also außen vor.
Gädheims Bürger allerdings nicht, wie Bürgermeister Eck betont. Bis zu zwei der drei Windräder sollen nach Möglichkeit mit privatem Geld aus der Bevölkerung der 1300-Einwohner-Gemeinde bezahlt werden. Bei einem Gesamtpreis von knapp vier Millionen Euro pro Windrad dürfte das allerdings schwierig werden. Deswegen will Egon Eck mit der Bürgerenergiegenossenschaft Haßberge (BEG) über eine mögliche Beteiligung sprechen. Die hat derzeit mehrere hunderttausend Euro Kapital zur Verfügung, wie es heißt.

Gädheimer Bürger haben Vorrang

Aber nach wie vor gelte: Gädheims Bürger haben Vorrang. Ein genaues Konzept zur Bürgerbeteiligung, etwa wie viele Anteile zu welchem Preis gezeichnet werden dürfen, muss noch erarbeitet werden. Dafür hat die Gemeinde noch Zeit: Die Windräder werden bis Ende 2014 zwischenfinanziert durch Banken und die Firma Bals. Letztere behält dann das noch übrige dritte Windrad. Sollten auch die Gädheimer Bürger sowie die BEG nicht genügend Kapital für die anderen beiden Windräder zusammenbekommen, müssten weitere Investoren hinzugezogen werden, möglicherweise auch von außerhalb.

Auf der Baustelle hinter Gädheim sind derzeit drei mächtige Raupenkräne (sie gehören zu den größten mobilen Kränen der Welt) dabei, die riesigen Windräder aufzurichten. 138 Meter hoch sind die Türme bis zur Nabe, zusammen mit drei Rotorblättern von je 46 Metern ergibt sich eine Gesamtlänge von fast 185 Metern. Nach Auskunft von Jochen Bals werden die fertigen Anlagen des Typs Enercon E92 jeweils 2,35 Megawatt Strom produzieren, als insgesamt rund sieben Megawatt. Auf das Jahr gerechnet liefern die Windräder den Prognosen nach 15 Millionen Kilowattstunden (kWh). Damit könnten laut Bals jährlich durchschnittlich 3500 Haushalte versorgt werden (ausgehend von einem Verbrauch von 4000 kWh pro Haushalt). "Der Strom wird von den Stadtwerken Schweinfurt abgenommen", erklärt Bals.

In guter Gesellschaft

Wenn sich die drei Windräder bald drehen, sind sie auf der Anhöhe hinter Gädheim in guter Gesellschaft. Die angrenzende Gemeinde Schonungen hat in der Nähe bereits acht (bis zu 150 Meter hohe) Windräder hingestellt. Blickt man von der Anhebung aus hinunter ins Maintal Richtung Schweinfurt, sieht man weitere Räder sich drehen; und mittendrin in dem Regenerative-Energien-Idyll stoßen die zwei Kühltürme des Atomkraftwerks bei Grafenrheinfeld Wasserdampf aus.

Die Zeit der Kernenergie soll aber bald vorbei sein, so sehen es die Pläne der Bundesregierung eigentlich vor. Jedoch birgt der neue Vertrag der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD die Gefahr, dass der Windkraft große Steine in den Weg gelegt werden: Sollte die sogenannte 10h-Regelung eingeführt werden (Windräder müssen die zehnfache Entfernung der Höhe des Windrades von der nächsten Bebauung weg sein), wie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sie gefordert hat, wäre das fatal. Auch wenn die bereits gebauten Windräder bei Gädheim trotz ihrer Nähe von 801 Metern zur nächsten Siedlung davon nicht betroffen wären - künftige Projekte im Landkreis Haßberge könnten wohl kaum verwirklicht werden. "Für Bayern wäre das das Aus des Windkraft-Ausbaus", sagt Jochen Bals. Denn nur in Höhen von 150 bis 200 Metern lässt sich in Bayern, anders als etwa an der Nordsee, genügend Wind ernten, um eine solche Anlage wirtschaftlich betreiben zu können. Aber sowohl er als auch Eck bleiben gelassen, weil in Bezug auf 10h das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Beide glauben, dass es von Seiten der Kommunen, die auf erneuerbare Energien setzen, viel Gegenwehr geben wird.

Stück für Stück

In Gädheim lassen sich die 150 Meter hohen Raupenkräne des Typs Terex Demag CC, die wegen ihrer enormen Größe vor Ort montiert werden müssen, derweil nicht beirren. Sie hieven Betonring für Betonring aufeinander, 22 Stück an der Zahl. Weiter oben werden drei längere Teile aus Stahl draufgesetzt, dann wird die Gondel mitsamt Rotorblättern montiert, allein der Turm wiegt fast 1500 Tonnen.

20 Jahre sollen die Windräder laufen, nach 15 Jahren ist laut Finanzierungsplan der Bankkredit abgelöst, auf die gesamte Lebenszeit der Anlagen wird mit einer Rendite von vier bis fünf Prozent für das Bürgerkapital gerechnet. Damit das aufgeht, müssen nach 20 Jahren insgesamt 200 Prozent der Investitionskosten erwirtschaftet worden sein.
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