Laden...
LKR Haßberge
Bundestagswahl

Dorothee Bär ist Favoritin im Landkreis Haßberge

Am kommenden Sonntag sind die Bürger im Landkreis Haßberge erneut zur Wahl aufgerufen. Sie bestimmen mit, wer künftig im Bundestag sitzt. Wahlkreisabgeordnete Dorothee Bär ist Favoritin fürs Direktmandat.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dorothee Bär. Foto: dpa
Dorothee Bär. Foto: dpa
Mit Sepp Herberger, dem legendären Trainer der Fußball-Weltmeister von 1954, würde man sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl. Nachdem am vergangenen Sonntag, 15. September, die Bürger über die Zusammensetzung des bayerischen Landtags und des unterfränkischen Bezirkstags befunden haben, dürfen sie am 22. September erneut zwei Kreuzchen setzen. Sie beantworten damit die Frage: Wer soll den Landkreis Haßberge, wer soll die Menschen in Deutschland im Parlament in Berlin vertreten.

Der Aufwand am kommenden Sonntag ist ungleich geringer als am vergangenen. Es gibt nur einen Stimmzettel. Am 15. September waren es fünf (zwei für die Landtagswahl, zwei für die Bezirkstagswahl und einer für fünf Volksentscheide).


Drei Landkreise
Mit dem Stimmzettel zur Bundestagswahl bestimmen die Wähler, wer den Wahlkreis vertritt (Erststimme) und welche Partei wie viele Mandate bekommt (Zweitstimme). Um das Direktmandat bewerben sich im Wahlkreis 248 Bad Kissingen acht Erststimmen-Kandidaten; um den Einzug in den Bundestag ringen 20 Parteien oder Wählergruppen per Zweitstimme.

Der Wahlkreis Bad Kissingen setzt sich aus den drei Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge zusammen. Er ist einer von 45 Wahlkreisen in Bayern mit weit über 200.000 Wahlberechtigten (davon rund 68.000 im Kreis Haßberge). In ganz Deutschland gibt es 299 Wahlkreise. Das bedeutet: 299 Bundestagsabgeordnete werden direkt gewählt. Die 299 Sieger in den Wahlkreisen ziehen in das Parlament in Berlin ein. Weitere 299 Abgeordnete werden über die Listen der Parteien und Wählergruppen bestimmt. 598 Abgeordnete werden es dann zusammen sein, die Sitz und Stimme im Bundestag haben (es können auch einige mehr sein, wenn sogenannte Überhangmandate zum Tragen kommen).


Zentrale in Bad Kissingen
Anders als bei der Landtags- und Bezirkstagswahl laufen die Fäden der Bundestagswahl am kommenden Sonntag im Landratsamt Bad Kissingen zusammen. Nicht in Haßfurt. In Bad Kissingen gehen am Wahlabend die Meldungen aus den 572 Stimmbezirken (Bereich eines Wahllokals) in den drei Landkreisen Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld ein.

Das Landratsamt Haßberge in Haßfurt, das die zentrale Stelle für den Stimmmkreis bei den Landtags- und Bezirkstagswahlen war, spielt beim Urnengang für den Bundestag nur eine Nebenrolle. Haßfurt ist quasi eine Durchlaufstelle. Das Wahlteam um Olaf Rückert und Michael Schor kümmert sich darum, dass alles planmäßig im Landkreis über die Bühne geht.

Das Ergebnis aus den 26 Kommunen ergibt das Gesamtergebnis für den Landkreis. Zusammen mit den Resultaten aus den Kreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld wird das Ergebnis für den Wahlkreis ermittelt. Und alle 299 Wahlkreise zusammen sind ausschlaggebend für die Zusammensetzung des neuen Bundestages.

Für die mit den Wahlen beschäftigten Mitarbeiter im Landratsamt sowie für die Wahlhelfer vor Ort bedeutet der zweite Urnengang innerhalb einer Woche eine Kraftanstrengung. Sie hatten in den vergangenen Tagen viel zu tun und haben weiterhin Vieles zu erledigen. "Das ist viel Arbeit", bestätigt Monika Göhr, Sprecherin des Landratsamts in Haßfurt, die am vergangenen Sonntag selbst zu der Wahlmannschaft gehörte.


Weniger Briefwähler
Zahlreiche Bürger haben bereits im Vorfeld ihre beiden Kreuzchen gesetzt. Sie haben die Möglichkeit der Briefwahl genutzt. Es sind wieder viele, die per Briefwahl ihre Entscheidung treffen, im Landkreis laut Göhr auf jeden Fall mehr als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren. Allerdings ist der Ansturm auf die "Wahl daheim" für den Bundestag in Berlin nicht so groß wie bei den Wahlen am vergangenen Sonntag.

Wer vertritt zukünftig den Wahlkreis Bad Kissingen in Berlin? Wer bekommt das Direktmandat? Eindeutige Favoritin ist die CSU-Politikerin Dorothee Bär aus Ebelsbach. Die 35-Jährige hat seit 2002 Sitz und Stimme im Parlament. Sie ist damals völlig überraschend über die Liste (direkt war der Münnerstadter Eduard Lintner gewählt worden) in den Bundestag berufen worden. Bär profitierte damals von dem überragenden Ergebnis, das die CSU mit ihrem Spitzenkandidaten und Bundeskanzler-Anwärter Edmund Stoiber in Bayern holte.

2005 wurde es für Dorothee Bär knapp. Bei der Wahl, erneut über die Liste, reichte es zuerst nicht. Weil aber Edmund Stoiber und Günther Beckstein, die die Listenplätze vor der Ebelsbacherin hatten, auf ihr Mandat verzichteten, kam die 35-Jährige zum Zug - und blieb in Berlin.


Haushoch gewonnen
Bei der Wahl 2009 trat Dorothee Bär erstmals als Erststimmen-Kandidatin an. Sie wurde Nachfolgerin von Eduard Lintner, der sich aus dem Bundestag zurückzog. Haushoch gewann Bär das Direktmandat.

Die junge Ebelsbacherin setzte sich damals auch gegen Susanne Kastner (SPD) aus Maroldsweisach durch, die seit 1989 dem Bundestag angehört, jetzt aber aus dem Parlament ausscheidet.

Als ihre Nachfolgerin möchte Kastner, die mehrere Jahre Bundestagsvizepräsidentin war, die Ärztin Sabine Dittmar aus Maßbach (Kreis Bad Kissingen) sehen. Dittmar, die bislang dem bayerischen Landtag angehört, hat zwar gegen Bär nur eine kleine Chance, aber über die Landesliste ihrer Partei, der SPD, dürfte Sabine Dittmar den Einzug in den Bundestag schaffen. Die Ärztin, die als ausgewiesene Gesundheitsexpertin gilt, steht auf Platz zwölf der Sozialdemokraten in Bayern. Bislang hat die bayerische SPD 16 Abgeordnete im Bundestag. Der zwölfte Rang müsste für Dittmar reichen. Wenn es keine erdrutschartigen Verschiebungen gibt. Womit indes nicht zu rechnen ist.

Zittern muss der Grünen-Direktbewerber um sein Mandat. Hans-Josef Fell aus Hammelburg, der dem Bundestag seit 1998 angehört, dürfte ebenso wie Dittmar über die Erststimme (Direktmandat) nicht zum Zug kommen, und ob es über die Landesliste seiner Partei langt, ist fraglich. Fell, ehemals Lehrer an einem Gymnasium, steht auf Rang zwölf seiner Partei. Bislang haben die Grünen aus Bayern zehn Abgeordnete in Berlin. Wenn die Wahl am kommenden Sonntag so ausgeht wie vor vier Jahren, dann wäre Fell draußen.

Schwer bis unmöglich wird es für die übrigen fünf Direktbewerber aus dem Wahlkreis auf einen Sitz im neuen Bundestag. Neben Bär, Dittmar und Fell treten an: der Arzt Erhard Stubenrauch aus Hofheim (FDP), der Werkzeugmacher Stefan Bannert aus Münnerstadt (Linke), der Einzelhandelskaufmann Benjamin Wildenauer aus Bad Brückenau (Piraten), Schreiner-Rentner Horst Fuchs aus Burgpreppach (NPD) und die Künstlerin Christine Wehe aus Bad Königshofen (Freie Wähler). Die Freien Wähler sind erstmals bei einer Bundestagswahl dabei.

Kommentar
Die Demokratie lebt - in Bayern vielleicht ein bisschen mehr als im Bund

Das ist ein gutes Gefühl: Die beiden 18 und 20 Jahre alten Brüder aus einer Stadt im Maintal halten ihre Wahlbenachrichtigung in der Hand. Erstmals dürfen sie wählen, und damit sie alles richtig machen, fragen sie ihren Vater, worauf sie beim Setzen der Kreuzchen achten müssen. Schließlich sollen die Stimmzettel gültig sein.
Der Senior ist in seinem Element. Er erklärt und doziert, was Erststimmen und Zweitstimmen sind, was es mit den Direktmandaten und den Listen auf sich hat, welche Personen für welche Parteien oder Wählergruppen antreten. Und, hebt der Vater den Zeigefinger: Wählen sei wichtig, weil es die direkteste Form der Demokratie ist und Wählen das demokratische Gemeinwesen sichert. Alles verstanden?

Wählen, Demokratie, Mitbestimmung, die parlamentarische Arbeit und Gesetzgebungsverfahren sind keine leichte Materie. Jedes Detail muss man jedoch nicht kennen. Wichtig ist das Grundsätzliche. Die Gesellschaft und der Staat leben vom Mitwirken. Alles klar. Verstanden.

Szenenwechsel. Journalisten sind ein neugieriges Völkchen. Natürlich. Und sie sind ungeduldig. Sehr ungeduldig. Am Montag und Dienstag wurde ihre Geduld in Bayern auf eine harte Probe gestellt. Wann liegt endlich das Ergebnis vor, welcher Kandidat gewählt worden ist und welcher nicht?

Die Erststimmen-Besten und Gewinner der Direktmandate waren ja schnell bekannt. Aber wer wissen wollte, welcher Bewerber über die Listen in den Landtag oder in den Bezirkstag berufen worden ist, der musste warten. Lange warten. Erst am Dienstag nach 16 Uhr zum Beispiel wurde bekanntgeben, wer die weiteren zehn Bezirksräte in Unterfranken sind, nachdem die anderen zehn Sieger in den 90 Stimmkreisen (Direktmandate) schon am Montag veröffentlicht worden sind.

Die Geduldsprobe hat ihre Ursachen. Der Grund ist das Wahlsystem in Bayern. Für die Sitzverteilung im Landtag und in den sieben Bezirkstagen ist nämlich jede Stimme entscheidend. Die Gesamtsumme aus Erst- und Zweitstimmen gibt den Ausschlag, welche Partei wie viele Abgeordnete stellen kann. Dazu kommt noch: Die Reihenfolge der Kandidaten auf den Parteienlisten können die Wähler verändern. Wer die meisten Stimmen bekommt, ist gewählt. Nicht der- oder diejenige, der/die den besseren Rang auf der Liste hat.


Jede Stimme zählt
Das heißt: Jede Stimme ist wichtig, keine verloren. Der Wählerwille kommt bei diesem System deutlich zum Ausdruck. Da kann jeder - auch jeder Journalist - in Kauf nehmen, dass die Auszählung länger dauert. Akzeptiert.

Bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag ist der Wahlmodus anders. Ausschlaggebend für die Zusammensetzung des Parlaments in Berlin ist nur die Zweitstimme. Die Erststimme fließt in diese Entscheidung nicht ein. Sie entscheidet nur über das Direktmandat, das der Gewinner des Wahlkreises bekommt. Und die Reihenfolge der Parteienlisten kann per Wählervotum nicht verändert werden. Je weiter oben, desto besser. Die Listen sind starr.

Wenn eine Partei zum Beispiel zehn Abgeordnete über die Liste bekommt, dann sind es die Bewerber auf den Plätzen eins bis zehn.

Was lernen die 18 und 20 Jahre alten Brüder, die am Sonntag zum zweiten Mal zur Wahl gehen dürfen, daraus? Bayerns Wahlsystem ist aufwendiger, aber gerechter, weil näher am Wählerwillen. Wählen sollte man am kommenden Sonntag aber dennoch. Auf jeden Fall.

Ergebnisse der Direktkandidaten und Parteien in den fränkischen Stimmkreisen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Direktkandidaten finden Sie auf dieser Seite.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren