Die Konzernzentrale von Laing O'Rourke in England hat den Bericht auf infranken.de offiziell bestätigt: Das Steinwerk Vetter in Eltmann, seit der Insolvenz 2001 Teil der O'Rourke-Gruppe, soll geschlossen werden. Damit verliert wohl noch im Lauf des Jahres 2012 ein Großteil der 62 Mitarbeiter in Eltmann seinen Arbeitsplatz.

Das Gerücht macht in Eltmann und Umgebung schon seit einigen Wochen die Runde, genährt nicht zuletzt durch die Tatsache, dass wiederholt Kunden, die bei Vetter Steine kaufen wollten, weggeschickt wurden.
Seit Anfang März nimmt Vetter keine neuen Aufträge mehr an.


Nur eine Gnadenfrist



Das ist der "Super-Gau" für die 62 Mitarbeiter in Eltmann, die zwar noch eine Zeitlang damit beschäftigt sein werden, den Auftragsbestand abzuarbeiten, dann aber vor dem Aus stehen. Der Prokurist und Vertriebsleiter Oliver Fröba geht davon aus, dass "ein Großteil der Mitarbeiter" bereits in den nächsten Wochen entlassen wird, sobald der Sozialplan steht. "Dann kann es vielleicht noch ein gutes Jahr weiter gehen, mit zehn Leuten, schätze ich", sagt Fröba.

Und dann? Die Aussagen dazu aus England klingen zunächst einmal nicht wie ein "Todesurteil" für das 1865 gegründete Traditionsunternehmen in Eltmann. Ein Sprecher von Laing O'Rourke , der nicht namentlich zitiert werden will, bestätigt unserer Zeitung, "dass Vetter ... momentan überprüft wird. Das Unternehmen ist nicht länger Kernstück unserer Geschäftsstrategie. Deshalb wurde unser Betriebsrat in Deutschland über diese Situation informiert und damit verbunden unsere Absicht, die Firma im Laufe des Jahres zu schließen."

Ein Hintertürchen lässt der Sprecher des internationalen Bauriesen mit dem Sitz im englischen Dartfort (25 Kilometer südöstlich von London) offen: Die Schließung sei die Option "für den Fall, dass kein Käufer für das Unternehmen gefunden werden sollte".


Management wurde nicht gefragt



Die Suche nach einem potenziellen Käufer treibt O'Rourke aber nach Meinung des Betriebsratsvorsitzenden in Eltmann, Artur Sperber, und des Managements vor Ort "nicht gerade eben mit großem Nachdruck voran", wie Fröba sagt. So gebe es durchaus das Interesse einiger leitender Angestellter in Eltmann, das Werk in Eigenregie fortzuführen (Management Buy Out), "doch wir wurden gar nicht gefragt."

Nach dem Auftragsstopp, den O'Rourke vor zwei Wochen verkündet und der den guten Ruf Vetters in der Branche demontiert hat, stellt sich aber die Frage eines Verkaufs nach Meinung von Fröba und Sperber gar nicht mehr. "Man kann eine Firma verkaufen, so lange noch Leben in ihr ist. Aber jetzt ist Vetter tot", meint der Prokurist.


Kein Kommentar



Offen bleibt die Frage, warum O'Rourke diesen Weg gewählt hat, das Werk "loszuwerden", was aufgrund der Abfindungen für die teils langjährig Beschäftigten teurer wird als ein Verkauf oder eine geregelte Insolvenz. Fröba geht davon aus, dass die Entscheidung gegen Vetter in England "blauäugig und ohne genaue Kenntnis des deutschen Marktes ad hoc", also sehr kurzfristig, getroffen wurde.

Dafür ist in England keinerlei Bestätigung zu erhalten. "Die finanzielle Lage werden wir nicht kommentieren", blockt der Sprecher von O'Rourke alle Fragen ab - unter anderem die, ob den deutschen Ableger nach der Insolvenz 2001 noch immer finanzielle Altlasten drücken.


Milliardenumsatz



Von einem zweistelligen Millionenbetrag ist im Umfeld von Vetter die Rede, der in den zehn Jahren unter englischer Führung nicht nur nicht abgebaut wurde, sondern angeblich sogar noch größer geworden sein soll. Ob dies den Ausschlag gab für die Entscheidung des Konzerns in England? Eher unwahrscheinlich bei einem Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Pfund (umgerechnet vier Milliarden Euro).