Haßfurt
Strafprozess

Dilettantische Gaunereien bringen 57-jährigen Mann hinter Gitter

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen erheblich vorbelasteten Betrüger zu einer elfmonatigen Haftstrafe.
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Die Flaute auf seinem Bankkonto wollte ein 57-jähriger Mann aus dem nördlichen Landkreis in den Jahren 2017 und 2018 mit einer ganzen Reihe von Vermögensdelikten beenden. Doch dabei ging er teilweise so dilettantisch vor, dass seine Fehltritte schnell ans Licht kamen. Am Freitag verurteilte ihn das Amtsgericht Haßfurt am vierten Verhandlungstag wegen Unterschlagung und Betrug zu einer elfmonatigen Haftstrafe - ohne Bewährung. Denn der Angeklagte hat bereits 14 Einträge in seinem Bundeszentralregisterauszug, allesamt einschlägig wegen Vermögensdelikten. Mehrmals saß er deswegen bereits hinter Gittern. Zudem stand er im Tatzeitraum unter offener Bewährung.

Der 57-Jährige hatte bereits am ersten Verhandlungstag im September über seine Pflichtverteidigerin Mareen Basler versucht, sich für verhandlungsunfähig erklären zu lassen. Denn er leide unter Depressionen, habe mehrere Medikamente eingenommen und könne sich nur schwerlich konzentrieren, führte die Verteidigerin ins Feld, ohne jedoch damit das Gericht beeindrucken zu können. Sowohl die Vorsitzende als auch die Staatsanwältin lehnten den Antrag damals ab, zumal Zeugen aus Berlin geladen waren, die eine weite Anreise hatten.

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten drei Punkte vor: 2017 arbeitete er an einer Tankstelle in Bamberg als Kassierer. Dabei griff er laut Anklage 17 Mal in die Kasse oder veruntreute auf andere Weise Geld. Dabei entstand laut der Tankstelleninhaberin ein Schaden von über 2000 Euro. Auf die Schliche kam man dem Angeklagten, als einmal eine komplette Stange Zigaretten fehlte, die laut Inventur eigentlich vorhanden sein musste, wie die Tankstelleninhaberin im Zeugenstand sagte. Daraufhin habe sie die Videoaufzeichnungen überprüft. Darauf war zu sehen, dass ein Stammkunde die Zigaretten bar bezahlte und der Angeklagte das Geld in die eigene Tasche steckte. Sechs bis sieben weitere derartige Fälle konnten auf diese Weise aufgedeckt werden.

Als sie den Angeklagten daraufhin ansprach, stritt er zunächst seine Taten ab, räumte sie aber aufgrund der offensichtlichen Beweise dann ein. Er bat seine damalige Chefin darum, ihn nicht anzuzeigen. Er unterschrieb ein Schuldeingeständnis und gelobte, den Schaden in Raten zurückzuzahlen. Als dies unterblieb und er aggressiv wurde, habe sie ihn dann doch angezeigt, sagte die Tankstelleninhaberin.

Noch ein weiterer Versuch, an Geld zu kommen, ging schief: 2017 fälschte der Angeklagte zwei Überweisungsträger, indem er sich als Begünstigter eintrug und als zu belastendes Konto die Kontonummer eines Bekannten angab. Insgesamt trug er über 2800 Euro als Überweisungssumme ein und reichte die Überweisungen bei zwei verschiedenen Banken ein. Doch die Banken erkannten die gefälschten Dokumente und erstatteten Anzeige.

Im dritten Fall bot der Angeklagte bei einer Internetplattform Altgold für 900 Euro zum Verkauf an. Der Abnehmer überwies das Geld per Vorkasse, auf die Lieferung wartet er bis heute.

Am Ende der vier Verhandlungstage blieben aufgrund eines fehlenden Geständnisses des Angeklagten nur zwei Tatvorwürfe übrig, die ihm das Gericht hieb- und stichfest nachweisen konnte: Dies war einmal die Unterschlagung von knapp 50 Euro, die der Angeklagte in die eigene Tasche steckte, was eine Videokamera in der Tankstelle dokumentierte. Der zweite Fall war der Ebay-Betrug, den der Angeklagte zumindest teilweise einräumte. Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die Verteidigerin plädierte auf Freispruch, da ein "Tatnachweis nicht zu führen" sei.

Der Angeklagte gab sich bei seinem Schlusswort zwar freundlich, aber uneinsichtig. Er habe sich "in der Ebay-Sache dumm verhalten", gab er zu. Der Tankstelleninhaberin habe ihm 600 Euro Lohn einbehalten, so dass ihr kein Schaden entstanden sei.

Richterin Ilona Conver nannte die hohen Anforderungen des Bundesgerichtshofs an einen Tatnachweis als Grund dafür, dass von den vielen Anklagepunkten nur zwei übrig geblieben sind. Es sei "wohl noch viel mehr gelaufen", vermutete sie. Das Verhalten des Angeklagten sei "unbegreiflich, wenn man mehrere Verfahren am Hals hat." Er sei von Anfang an beim Ebay-Betrug auf das Geld aus gewesen. Der Bundeszentralregisterauszug sei eine "Katastrophe", weshalb eine Bewährungsstrafe nicht infrage komme.

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