Nein, es waren keine Schatzsucher unterwegs. Auch wenn die Rede von einem "Juwel auf dem Kraiberg" war. Aber der Staatsforst auf dem Höhenrücken zwischen Baunach- und Itzgrund weist schon Besonderheiten mit hoher Wertigkeit auf, die ihn von anderen Wäldern abheben. Das finden zumindest der Leiter des zuständigen Staatsforstbetriebs Forchheim, Stephan Keilholz, sein Revierförster Markus Wicklein und der Natura-2000-Beauftragte Klaus Stangl vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Bamberg, wie sich bei einer Exkursion des Bayerischen Forstvereins mit Waldexperten aus ganz Bayern zeigte.

"Wir sind dankbar, dass wir hier noch so viele Eichen vorfinden, wo doch überall der Trend zur Buche geht", sagte Keilholz an der ersten Station, dem "Würzburger Holz", einem Relik aus Zeiten, da Reckendorf noch zu Unterfranken gehörte.


Auf Generationenfolge ausgelegt

Dieser Anteil von 27 Prozent solle trotz des Klimawandels an nachfolgende Generation weitergegeben, gar ausgebaut werden, umrahmt von der Tanne als Nadelbaum. Das sei nur durch Jagd, Pflege und konsequente Lichtsteuerung möglich, wenn "wir möglichst viel Licht ohne Kahlhieb auf den Boden bringen". so Keilholz.

Die Abschusszahl dazu auf dem Kraiberg mit seinen 725 Hektar: 60 Stück Rehwild anno 2016, 73 Tiere im Jahr davor. Der Schnitt lag in den letzten Jahren bei 8,6 Stück/Rehwild je 100 Hektar. Meist realisiert über Drückjaden. "Dann ist auch die Naturverjüngung großflächig möglich."

823 Hektar groß ist das Natura-2000-Gebiet, einer FFH-Fläche im Daschendorfer Forst, die im Zusammenhang mit den Umgehungstrassen der B 279 immer wieder ins Gespräch kommt. Forstdirektor Klaus Stangl vom Amt für Landwirtschaft und Forsten schwärmte beim Ortstermin von "einem Top-Zustand" und plädierte dafür, die "üppigen Eichenflächen am Leben zu halten".


Hohe Artenvielfalt

Seine Argumente: Eichen sorgen für eine hohe Artenvielfalt. "Eichenwälder toppen die Buchen." Er zählte Fledermaus- und Moosarten auf, Hirschkäfer, seltene Pilze oder Seltenheiten, wie die schwarze Platterbse. Stangl: "Würden wir die Eichen nicht erhalten, ginge die Artenvielfalt hier den Bach hinunter. Deswegen muss man dauernd hinter sein. Zum Teil auch brachialen Methoden."


Alle drei Jahre Pflegedurchgang

Solche traut man Revierförster Wicklein von seinem zurückhaltenden Auftreten her eigentlich nicht zu. Aber: "Alle drei Jahre gehen wir hier zur Pflege mit einfachen Werkzeugen durch und zwicken die Hainbuchen zurück. Wenn wir den Buchenanteil zu hoch werden lassen, damit ich kaum Eichen aus der Verjüngungsschicht sehe, haben wir den Kampf verloren. Wir haben hier im Würzburger Holz 230 bis 270 Jahre alte Bestände, tolle Waldbilder und Stämme, die auch gute Erlöse erbringen. Die Buche kommt von allein und zwar schneller, die Eiche kämpft dagegen", so der Forstamtsrat. Betriebsleiter Stephan Keilholz: "Wir wollen der Eiche durch unsere Bewirtschaftung helfen."


Lob von Naturschutzbehörde

Das bedeute aber nicht, dass hie und da Buchen nicht stehen bleiben, wie Wicklein an einem Spechtbaum festmachte, dessen Höhlen auch die Hohltaube nutze, wie Bernhard Struck von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt in Bamberg lobend feststellte. "Solche Biotop-Bäume sind in einem FFH-Gebiet vorrangig und hier wird alles richtig gemacht." An der Bestandspflege hatte Struck "grundsätzlich nichts" zu mäkeln. Betriebsleiter Keilholz versjcherte für seine Mitarbeiter, dass " jeder Baum stehen bleibt, wenn der Förster eine Nisthöhle erkennt". Auch gebe es kein Jagd auf Vögel. "Meinem Empfinden nach nimmt die Hohltaube auch wieder zu."

Von Jägern, die an der Exkursion teilnahmen, wurde festgestellt, dass das Rehwild gute Bedingungen vorfinde und deswegen den Wald nicht mehr verlassen. "Die brauchen zum Fressen das Maul doch bloß aufzumachen." Deswegen auch die Drückjagden zur Winterszeit.

Weitere Waldbilder wurden am Burgstall begutachtet (Tannen-Verjüngung auf Keuperböden mit Lichtbaumarten) und im Bereich Hofwiese/Ludergraben, einem Naturwaldreservat, das seit 1978 quasi ein Schutzgebiet darstellt, wo die Buche mit 70 Prozent die Oberhand behält.