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Haßfurt
Solidarität

Die Welt im Kreis Haßberge wurde "ein bisschen besser"

Rund 300 junge Leute beteiligten sich an der 72-Stunden-Aktion des BDKJ im Kreis Haßberge und setzten sich für die Gemeindeschaft ein.
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Mit der Unterstützung eines Baggers waren die Sander Nachwuchsrothelme bei der Arbeit. Ihr Ziel: Errichtung eines Barfußpfades in der Form eines Bocksbeutels.  Ralf Naumann
Mit der Unterstützung eines Baggers waren die Sander Nachwuchsrothelme bei der Arbeit. Ihr Ziel: Errichtung eines Barfußpfades in der Form eines Bocksbeutels. Ralf Naumann
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"Die Idee, über einen abgegrenzten Zeitraum etwas zu schaffen, die Gemeinschaft, der Tatendrang, die Kreativität und ein Teil von einer bundesweiten Aktion zu sein, begeistert uns sehr. Deshalb war es sehr schnell für uns klar, dass wir in diesem Jahr dabei sein wollen." Julia Dinkel kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn sie auf die 72-Stunden-Aktion angesprochen wird.

Dass sich die Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Pfarrweisach an der großen Sozialaktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) beteiligt, war deshalb keine Frage. Im Einsatz war die 36-Jährige Sozialpädagogin freilich nicht alleine. Zusammen mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Carolin trug sie die Verantwortung für eine 15-köpfige Kinder- und Jugendgruppe aus Kraisdorf, Lohr und Pfarrweisach und für das Projekt "Aufpeppen des Freibades in Kraisdorf". Konkret sollten sie an drei Tagen zusammen mit dem Förderverein eine "Chillecke einrichten" sowie "Spielzeug bauen". So lautete jedenfalls der Auftrag, den sie bei der großen Eröffnung am Donnerstagabend in Knetzgau erhalten hatten.

Die bunt zusammengewürfelte Gruppe mit Mädchen und Jungen, die laut Dinkel "alle Lust dazu hatten, in 72 Stunden etwas Gutes zu tun und was zu bewegen", war nämlich eine von nur zwei sogenannten "Get-it"-Teams, die lediglich ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellten. Mit viel Engagement und noch mehr Spaß haben sie sich aber der "besonderen Herausforderung" gestellt und diese in der Gemeinschaft erfolgreich bewältigt. Schon vor zwölf Jahren beteiligten sich die Dinkel-Schwestern an der damaligen "Drei Tage Zeit für Helden"-Aktion des Kreisjugendrings (KJR).

Außerdem war Julia Dinkel als Bildungsreferentin in der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) bei der letzten bundesweiten 72-Stunden-Aktion in der Steuerungsgruppe im Bistum Mainz aktiv und übernahm die Planung. Nun also in ihrer Heimatgemeinde. Nachdem Aufrufe in Pfarrbrief und Mitteilungsblatt nicht den gewünschten Erfolg hatten, sprach sie mögliche Teilnehmer selbst an. "Die meisten waren sofort begeistert von der Idee", sagte sie, bevor sie sich wieder an die Arbeit machte.

Auch in Sand wurde geschaufelt, gepflastert und fest mit angepackt. "Dort, wo Hilfe benötigt wird", lachte Frank Winkler (34). Und das war in diesem Fall auf der Grünfläche neben dem Allwetterplatz, wo der Jugendleiter der freiwilligen Feuerwehr zusammen mit mehr als 30 fleißigen Nachwuchs-Rothelmen einen Barfußweg gestaltete und errichtete. Nicht irgendeinen. Er sollte die Form eines Bocksbeutels haben und dann für die Schulen, Kindergärten sowie die gesamte Bevölkerung nutzbar sein. Die Begeisterung und der Einsatzwille der jungen Teilnehmer waren förmlich zu spüren. Für Winkler war das von vorneherein klar, denn es war am Wochenende bereits seine vierte 72-Stunden-Aktion. Er hält derartige Einsätze nach wie vor für "sehr sinnvoll. Ich finde die Aktion einfach super. Es stärkt den Gruppenzusammenhalt und man kann gemeinsam viel erreichen", sprach er aus Erfahrung. Ein Motivationsproblem für die benötigten Helfer hatte er ebenso nicht. "Es waren alle Jugendliche sofort von dieser Aktion überzeugt", bekam er fast ausschließlich ein "Wir sind dabei" zu hören. "Natürlich auch von Eltern und anderen Erwachsenen bis 45 Jahren, die genauso ihre Erfahrungen und Ideen einbringen."

Ihre 72-Stunden-Premiere hatten dagegen knapp 50 Ministranten aus sechs Ortschaften der Pfarreiengemeinschaft Aidhausen/Riedbach. "Nach einiger Erklärung ließen sich unsere Minis schnell begeistern und sind jetzt voller Tatendrang", freute sich Stefanie Geyer. Mit zirka zehn weiteren Ministranten-Verantwortlichen sowie in Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde und vielen ehrenamtlichen Helfern aus den Ortschaften kümmerte sich die 21-Jährige um die Organisation und hatte natürlich alle Hände voll zu tun - in erster Linie am Friedhof in Kleinmünster. "Unser Ziel ist es, einen Teil des Zauns fertigzustellen und noch weitere Arbeiten im näheren Umfeld zu erledigen", sagte sie und fügte einen weiteren wichtigen Aspekt der Aktion hinzu: "Hierbei sollen die Ministranten der Pfarreiengemeinschaft näher zusammenwachsen." Man habe sich für dieses Bauprojekt entschlossen, um "gemeinsam etwas erreichen. " Zudem liege der Friedhof in der Gemeinde und biete vor allem genügend Platz für die neun bis 16 Jahre alten Mädchen und Jungen zum Arbeiten. "Ich finde solche Aktionen sowohl für die Gruppen selbst als auch für die Allgemeinheit sehr wichtig", meinte Stefanie Geyer. "Oft werden gerade Jugendliche in Gemeinden nicht als vollwertiges Mitglied wahrgenommen." Die 72-Stunden-Aktion biete "die Möglichkeit, dass auch diese Gruppe ihr Können zeigen kann." Zudem bringe sie sich in das Leben ein, "ohne für alles selbst verantwortlich zu sein."

In Gädheim und Ottendorf bereiteten über 70 "Hobby-Handwerker" unter der Leitung von Bürgermeister Peter Kraus einen Spielnachmittag für Senioren vor und verschönerten mit einigen Projekten die Ortschaft. Etwa einen Zaun an der Kirche und am Spielplatz, eine Terrasse im Hof der alten Schule und Hydranten. Dank der "Mini-Firm-Worker" (Rosalie Hartmann) stehen im Wonfurter Pfarrzentrum neue Bänke, die Kinder- und Jugendfeuerwehr in Steinsfeld (Mathias Henneberger) tauschte in ihrer Ortschaft unter anderem den Sand am Spielplatz aus und sammelte fleißig gedankenlos in die Umwelt geworfenen Müll ein. Die "Macher-Kids", die Haßfurter Kommunionkinder (Leitung Bernadette Schega-Schmitt), bauten am Spielplatz "Im Sauerländig " mehrere Insektenhotels sowie Blumensamenbomben und sammelten ebenfalls Unrat in der Umgebung. Die Auszubildenden der Sparkasse Schweinfurt/Haßberge (Luisa Deuerling) organisierten einen "Digitalen Tag" für Senioren (ein Thema war unter anderem Onlinebanking) und strichen das Bistro im Mehrgenerationenhaus. Und: Die Knetzgauer Pilgerjugend (Cornelia Vogt) pflasterte im Schlossgarten in Oberschwappach ein Labyrinth. Die Bucher (die Leitung hatte Kerstin Mantel) peppten den Dorfplatz und die Bushaltestelle auf, restaurierten das Gemeindewappen, betrieben Heckenpflege und schufen mehr Sitzgelegenheiten. Fachkräftemangel war dank der überaus gelungenen 72-Stunden-Aktion im Haßbergekreis zumindest für drei Tage kein Thema. Insgesamt machten rund 300 junge Leute mit.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen des Koordinationskreises sowie des BDKJ-Dekanatsvorstandes voll des Lobes waren. "Durch euch ist diese Aktion einfach überwältigend geworden", bedankte sich Sherry Zipperer stellvertretend für ihre Mitstreiter. Die Teilnehmer hätten mit Einsatz, Engagement und Motivation unheimlich viel geleistet, was "sehr beeindruckend" sei. "Wir sind dankbar, dass wir euch bei dieser Aktion begleiten durften. Euch schickt der Himmel".

"Sehr zufrieden mit der Resonanz" zeigte sich auch Regionaljugendseelsorger Matthias Vetter. "Ich finde es prima, dass sich so viele Gruppen für die gute Sache engagiert und viele kreative Projekte umgesetzt haben, um die Welt ein kleines Stück besser zu machen", bedankte er sich bei allen Teilnehmern und fügte hinzu: "Die Energie, mit der die Gruppen die Aufgaben angegangen sind, steckt einfach an." Nach ein paar Tagen Pause werde dann schon überlegt, wie und vor allem wann es erneut möglich ist, "die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

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