Ebern
Leidenschaft

Die Unterpreppacher Puten und ihr Günther

Ein Unikat in Unterpreppach ist Günther Schramm. Er liebt Tiere. Im Moment haben es ihm Puten angetan.
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Man sieht es schon: Er ist der "Chef" auf der Wiese, der Putenhahn. Helmut Will
Man sieht es schon: Er ist der "Chef" auf der Wiese, der Putenhahn. Helmut Will
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Puten sind derzeit seine Leidenschaft. Aber auch Kühe, Ziegen, Schafe, Gänse, Pferde und Hasen hatte er schon. Derzeit flattern auf seinem Hof Tauben und freilaufende Hühner bevölkern auf seinem Grundstück gewisse Flächen. Die meiste Arbeit hat Günther Schramm aus Unterpreppach derzeit mit seinen zehn Puten, die auf einer großen Wiese nahe seinem Anwesen ihr Reich haben. Hier muss er täglich drei- bis viermal nach dem Rechten schauen.

Die Natur gibt ihm Freude

Eines wird schnell klar wenn man sich mit dem 76 Jahre alten Rentner unterhält. Er ist ein natur- und tierliebender Mensch. "Die Natur, Wald und Flur und Tiere geben mir sehr viel", sagt Günther. Geboren ist er in Reutersbrunn und hat im Jahr 1972 seine Frau Klara geheiratet, deren Vater eine Landwirtschaft betrieb.

"Damals hatten wir noch Rinder im Stall, die wir vier Jahre später abgeschafft haben, weil es uns zu viel Arbeit war", erzählt der Senior. Er stand vor der Frage, was er mit verschiedenen Flächen, die landwirtschaftlich nur bedingt nutzbar waren, machen sollte. "Da fiel mir ein, Schafe zu halten. In Eichelberg gab es den Schäfer Kaffka, von dem ich mir 20 junge schwarzköpfige Schafe holte, die ich auf einem Ladewagen nach Unterpreppach transportierte", sagt Günther Schramm.

Das war in Unterpreppach 'was Neues. "Jetzt haben wir auch noch einen Schäfer, war im Dorf mancherorts zu hören", so Schramm. Von Schafzucht habe er damals keine Ahnung gehabt, aber mit den Tieren, gleich welcher Art, lerne man dazu. Günther ist erheitert, als er erzählt, dass es nicht leicht war, ohne Hütehund die Tiere vom Stall auf die Weide zu bringen.

Erst das Moped, dann der Hütehund

"Die büchsten da schon mal aus, sodass ich mit dem Moped hinterher fuhr, um sie wieder zurück zu holen." Insgesamt 40 Köpfe zählte seine Schafherde. Leichter wurde es, die Tiere auf die Weide zu bringen, als er sich einen Hütehund anschaffte. Aber das war schon wieder das nächste Problem, denn dieser musste erst ausgebildet werden.

Günther Schramm ist niemand, der sich allein mit der Haltung von Tieren zufrieden gibt. Der Zuchtgedanke war bei ihm stets präsent. "Deshalb habe ich mir Zuchtböcke auf Märkten in Bamberg und Dettelbach ersteigert, um neues Blut in die Herde zu bringen." Zeitweise hatte er dann um die 100 Schafe mit den Lämmern zusammen.

Allerdings hat er mit zunehmendem Alter seit gut fünf Jahren seine Schafzucht aufgegeben. Auch grasten Gänse und Ziegen auf der Wiese.

Vierbeiner haben dann auf seinem Grundstück an der "Preppach", dem kleinen Bach, der durch das Dorf fließt, Einzug gehalten. Zwei Ponys schaffte er sich an, die vor allem bei seinen Enkeln und den Kindern des Dorfes sehr gefragt waren, wenn sie mit flatternder Mähne über die Wiese galoppierten.

Mysteriöser Ausbruch

Das Gesicht von Günther verfinstert sich, als er erzählt, dass diese beiden Ponys überfahren und getötet wurden. "In der Regel waren meine Ponys hinter einem festen Zaun. Da sie die Wiesenfläche eines Nachbarn abgrasen sollten, habe ich einen Elektrozaun gebaut und sie dort weiden lassen", sagt der Rentner.

Er kann sich bis heute nicht erklären, warum die Tiere in der Nacht ausgebrochen sind. "Pferde sind in der Regel sehr schreckhaft, vielleicht wurden sie durch irgendeinen Umstand erschreckt und sind deshalb ausgebrochen."

Durch die Polizei musste er erfahren, dass die beiden Vierbeiner überfahren und dabei zu Tode kamen. "Das hat mich schon sehr mitgenommen, um die war es mir schon sehr schade", sinniert Günther. "Hans" und "Susi", wieder Ponys, wurden angeschafft. "Mein Traum war es, einmal für die Ponys eine Kutsche zu kaufen, um mit ihnen über Land zu fahren. Das hätte mir viel Spaß gemacht, aber es hat sich dann immer wieder zerschlagen", plaudert der Tierliebhaber. Geschirre und Sättel hatte er schon, sagt der Senior.

Die Wiese war wieder leer, nichts regte sich dort. "Da kam mir die Idee, Puten anzuschaffen, die ich dann in Jesserndorf kaufte. Von diesen "Alten" hat er heute noch drei Hennen und einen Hahn. "Der heißt Johann", sagt Schramm. Vor allem eine Henne sei ganz zahm. Günther genießt es, wenn er an seiner Wiese auf seinem "Bänkla hockt" und die Tiere beobachten kann.

Er will Natur auch auf der Wiese haben, die er zum großen Teil sich selber überlässt. "So gepflegte Sachen gefallen mir nicht, ich liebe Natur pur", sagt der Naturmensch aus Leidenschaft. Vor allem seit er in Rente ist, genießt er Tiere und Natur in vollen Zügen. Puten will er nicht nur zum Schlachten, sondern auch für die Zucht haben. "Das wollte ich bei allen Tierarten die ich habe und hatte, auch wenn das mitunter ein ganz schöner Aufwand ist."

Etwa drei- bis viermal täglich führt ihn sein Weg entlang der "Preppach" zu seinen Puten. Früh lässt er sie raus, füttert und beobachtet und am Abend sperrt er sei wieder ein. "Das muss sein, denn schon einmal hat ein Fuchs eine Pute geholt." Puten hätten die Eigenart ihre Nester im hohen Gras zu verstecken. Wenn er hin käme, würden sie nicht auf ihren Nestern sitzen bleiben, sondern ablenken und wenn eine drauf sitzt kuschelt sie sich tief ins Gras.

Er freut sich, dass er schon acht junge Puten nachziehen konnte, was nicht einfach sei, da die Tiere sehr empfindlich sind. Auch die Eier der Tiere, bei der die Eidotter sehr groß sind, verwerten er und seine Frau Klara. Puten würden von sich aus ziemlich alles fressen. "Gibst du ihnen etwas, was sie nicht kennen, sind sie äußerst skeptisch und wagen sich erst nach einiger Zeit ran" sagt Günther. Er weiß auch, dass der Hahn immer der Chef sein will und auch bei den jungen Tieren sei festzustellen, dass es um Machtkämpfe geht. "Das ist aber typisch bei den Puten."

Zurzeit hat Schramm zehn junge und vier alte Puten und drei Taubenpaare. Von einem seiner "Beobachtungspunkte" musste er mitansehen, wie ein Habicht eines der Tiere vom Himmel holte.

Auf seinem Hof fühlen sich auch Schwalben wohl, von denen sich 15 Paare nieder gelassen haben. "Wenn die jedes Jahr von ihrer Reise zurück kommen, freue ich mich jedes Mal", sagt Günther. "Auch der Wald ist meine Leidenschaft, da muss ich in der Woche mindestens einmal hin, ob es was zu tun gibt oder nicht." Im Wald hat er auf einem Baumstumpf einen Lieblingsplatz, den er aufsucht. Der Rentner bedauert die Schäden, die in den letzten Jahren im Wald durch Käferfraß und Trockenheit entstanden sind. "Wald, Felder und Wiesen und Tiere gehören für mich zu Orten, an denen ich mich wohl fühle" sagt Günter Schramm.

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