Sailershausen
Naturschutz

Die Saat geht auf für den Bienenhüter

Der Obst- und Gartenbauverein Sailershausen engagiert sich intensiv für den Naturschutz und gegen das Bienensterben.
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Der Sailershäuser Günter Vogel, dritter Vorsitzender vom Obst- und Gartenbauverein, begutachtet die Samen der Heilpflanze Mariendistel. Foto: René Ruprecht
Der Sailershäuser Günter Vogel, dritter Vorsitzender vom Obst- und Gartenbauverein, begutachtet die Samen der Heilpflanze Mariendistel. Foto: René Ruprecht
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"Ich will den Kindern eine anständige Natur für die Zukunft hinterlassen", sagt Günter Vogel, Dritter Vorsitzender des Sailershäuser Obst- und Gartenbauvereins: " Früher habe ich nichts gesagt, weil ich gedacht habe, dass die Menschen es schon merken werden. Aber es gibt immer noch zu viele Leute, die gar nichts merken und deswegen handel ich jetzt nach dem Motto ,Tue Gutes und rede darüber'!"

Der in Wonfurt aufgewachsene Schreiner zog vor fast 40 Jahren nach Sailershausen und lernte schnell die Imkerberufung seines Nachbars kennen: "Es fasziniert mich einfach, in den Bienenkasten reinzuschauen", so Vogel, der sich selbst als "Bienenhüter" bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten hat Vogel die Entwicklung des Bienensterbens miterlebt und wurde deswegen vor fünf Jahren mit seinem Obst- und Gartenbauverein (OGV) aktiv.


Verein spendet Saaten

Bereits drei Mal in Folge hat der Gartenbauverein Sailershausen Saatgut für circa einen Hektar Ackerfläche (unmittelbar vor der Ortschaft) gespendet, der beteiligte Landwirt hat es kostenlos eingesät, was einem Wert von 600 Euro entspricht. In der Regel bleibt die Fläche zwei Jahre stehen und bietet ein reichhaltiges Angebot an Nektar und Pollen im Zeitraum von April bis November. Das verwendete Saatgut "Veitshöchheimer Bienenweide" wurde von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) besonders für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge mit niedrigwüchsigen Wild- und Kulturarten entwickelt und zusammengestellt.

Über 50 Sorten an Blumen, Gewürz- und Heilkräuter gedeihen nun auf der Sailershäuser Bienenweide. Neben den einjährigen Arten um Klatschmohn, Koriander, Schwarzkümmel, Borretsch, Mariendistel, Dill, Ringel- und Sonnenblume gibt es auch zweijährige Arten (Natternkopf, Nachtkerze, Wilde Möhre, Gelbe Resede, Nickende Distel) und mehrjährige Arten bis zu fünf Jahren (Bergklee, Wiesensalbei, Johanniskraut, Flockenblume).
Das massive Sterben der Honigbienen ist schon seit vielen Jahren kein Geheimnis mehr. Der Naturkreislauf wird immer mehr beeinträchtigt. Die Ursachen sind bekannt und wissenschaftliche Studien bewiesen die negativen Auswirkungen beispielsweise von Pflanzenschutzmittel wie den Neonikotinoiden auf die Bienengesundheit.


Pollen und Nektar sind wichtig

Die Grundvoraussetzungen für eine gesunde und überlebensfähige Bienenpopulation sind Pollen und Nektar. Eine bienenfreundliche Gestaltung unserer Hausgärten kann häufig die regionale Pollenarmut der Agrarflächen ausgleichen.

Weil viele landwirtschaftliche Produktionsflächen Wildtieren, insbesondere den Honigbienen und Insekten, heute kaum mehr ausreichend Nahrung bieten können, hat die LWG das spezielle Saatgut entwickelt.
Der Sailershäuser "Bienenhüter" ist von der "Spezialmischung" und dem LWG-Motto "Blühende Landschaften säen, pflanzliche Vielfalt und Honig ernten" mehr als begeistert. Es ist für Stilllegungs- und Brachflächen, Ackerränder und Wegraine geeignet. Auch in Hausgärten lassen sich ökologisch wertvolle Lebensräume für Mensch, Flora und Fauna schaffen. Neben dem abwechslungsreichen und bunten Landschaftsbild, dem Ökologischen Ausgleich an Rändern und Flächen wird auch die Bodenfruchtbarkeit pflegeleicht erhalten.


Praktizierter Naturschutz

Ein einziges Bienenvolk benötigt zur Ernährung von Larven und jungen Bienen im Lauf eines Jahres etwa 35 Kilogramm Blütenstaub. Und weil die Nahrung immer seltener wird, entschied sich Vogel mit seinem OGV vor fünf Jahren mit einer blühenden Landschaft für praktizierten Naturschutz zu sorgen.
Für den besseren und "neuen" Lebensraum zahlen die Bienen reichlich zurück. Als Gegenleistung, die für die gesamte Natur und damit auch für die Menschheit notwendig ist, werden Obstbäume, Beerensträucher und bunt blühende Nutz- und Wildpflanzen bestäubt. Und als besonderes Schmankerl bedanken sich die Bienen mit der Honigernte.

Nicht zu vergessen ist die "Bienenweide" außerdem ein hervorragender Lebensraum für Bodenbrüter wie Rebhuhn und Feldlerche. Für die unterschiedlichen Vögel wie Feldsperling und Distelfink bietet die Blumenweide Samen für die Nahrung.
Höhepunkt des Engagements des Gartenbauvereins in diesem Jahr war die Veranstaltung "Sailershausen summt" am Sonntag vor knapp zwei Wochen mit Honigprodukten, Naturinformationen und Bienenbasteln. Die Imker erklärten den kleinen und großen Forschern in Schutzanzügen mithilfe von drei Bienenkästen alles rund um die Bienenwelt . Für Vogel war der "Bienentag echt hyggelig" (,hyggelig' ist ein im Dänischen und Norwegischen häufig verwendetes Adjektiv, das wörtlich "gemütlich", "angenehm", "nett" und "gut" bedeutet; Anm. d.Red.). Informationen zum bunten Saatgut gibt Günter Vogel unter der Nummer 0171/8719496.
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