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Reutersbrunn
Integration

Die Profis in Sachen Mittelalter

Beim gemeinsamen Zeltlager von Kreisjugendring und Lebenshilfe Haßberge drehte sich fast alles um eine Zeitreise in die Vergangenheit. Das Anliegen der Veranstalter ist allerdings höchst zeitgemäß.
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Leckereien und mehr: An ihrem Stand verkaufte Händlerin Franziska Helmert (links) zusammen mit Helferin Tamara allerhand Nützliches und Gutes, darunter auch Überraschungsboxen freischaffender Künstler. Foto: Ralf Naumann
Leckereien und mehr: An ihrem Stand verkaufte Händlerin Franziska Helmert (links) zusammen mit Helferin Tamara allerhand Nützliches und Gutes, darunter auch Überraschungsboxen freischaffender Künstler. Foto: Ralf Naumann
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Eine Hipp-Hopperin? Das ist doch längst nicht mehr ungewöhnlich. Auch nicht in einem kleinem Dorf wie Reutersbrunn bei Ebern. "Chantal Gold-Digger" - so der Name der Musikerin - aber schon. Zumindest für 38 Mädchen und Buben, die nun seit einer Woche auf dem bekannten Zeltplatz am Waldesrand ihre Ferien genießen, beim traditionellen Integrativen Zeltlager von Kreisjugendring (KJR) und Lebenshilfe Haßberge.

Aber was hat Chantal (Anna Ruß) bloß getan? Ganz einfach. Bei der Busanreise der Zeltlagerteilnehmer, die wieder aus dem ganzen Landkreis kommen, war sie die letzten Kilometer quasi als Anhalterin mit an Bord. Und auf dem Gelände angekommen, hatte sie nichts Besseres zu tun, als ein "Zeit-Artefakt" zu berühren, welches daraufhin eine Zeitreise ins Mittelalter auslöste. Eine Hexe (Nina Brech) klaute dann schließlich diesen Zeitreisegegenstand, der bei einer Wanderung wieder gefunden werden musste.


Wunderlampen statt Smartphone

Die Freude, doch wieder in das Jahr 2015 zurückkehren zu können, verflachte letztlich recht schnell: Die benötigte Antriebsflüssigkeit blieb verschwunden! Ob es wohl gelingt, bis zur Abschiedsdisco am Dienstagabend und zum geplanten Abreisetag am Mittwoch selbst eine geeignete "Mixtur" zu erstellen?

Fakt ist: Seit der unfreiwilligen Reise in die Vergangenheit stehen nicht mehr Smartphone oder Tablet im Mittelpunkt. Vielmehr geht es um Kettenhemden, Thorshammer, Holzschatullen oder Wunderlampen. Weil das Leben vom 6. bis zum 15. Jahrhundert oftmals kein Zuckerschlecken war, lernen alle, "wie man sich so durchschlägt", lacht Frank Kupfer-Mauder.

Der hauptamtliche Kreisjugendpfleger sowie KJR-Geschäftsführer hat nach zwölf Jahren zwar die Verantwortung vor Ort abgegeben. Im Hintergrund sowie bei der intensiven Vorbereitung des 1992 von seiner Vorgängerin Conny Perleth erstmals durchgeführten Zeltlagers war und ist der 42-Jährige aber weiter im Einsatz.


Drei Frauen haben das Kommando

Das Kommando übernahmen dennoch andere - und zwar ehrenamtlich: Drei junge Frauen sind für das Wohl und die Sicherheit der Teilnehmer in ihrem Mittelaltercamp zuständig. Während die gebürtige Haßfurterin Caroline Holzinger (28), die in München als Fachlehrerin arbeitet, den Part von Frank Kupfer-Mauder übernahm, teilen sich die 25-jährige Tatjana Ciszweski (Haßfurt) sowie die ebenfalls in München lebende Nina Brech (20), die Betreuung der zehn Kinder und Jugendlichen mit einem Handicap. Darum kümmerten sich in den Vorjahren die Lebenshilfebereiche "Schule" und "Tagesstätte", was nun von den "Offenen Hilfen" mit Leiterin Bettina Surkamp übernommen wurde.

Doch auch zu Dritt wäre ein solches Zeltlager nicht durchzuführen. Neben den Leitungskräften sind deshalb auch wieder zwei "Küchenprofis" (Sabine Schlegelmilch und Patrick Klingler), zwölf Betreuer sowie mehrere Teilzeithelfer dabei, um den Kindern in Reutersbrunn wieder eine gute Zeit zu bereiten. Ein echtes Großprojekt also.

"Das integrative Zeltlager ist nach wie vor ein hervorragendes Konzept, dass durch die personellen Wechsel natürlich nicht verändert wurde", betont Frank Kupfer-Mauder abschließend. "Es wurde vielmehr neu aufgefrischt." Stolz ist der Pädagoge dass die Haßberg´ler mit ihrem gemeinsamen Zeltlager von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen bayernweit immer noch mit führend sind. "Es ist nach wie vor also eine Art Modellprojekt, welches durchaus weitere Kreise ziehen könnte. Das ist für mich schon erstaunlich." Er bezeichnet dabei vor allem die tolle Verbindung zwischen Kreisjugendring und Lebenshilfe als "sehr hilfreich."


Viele Unternehmungen

Ach ja: die jungen Teilnehmer sind in den vergangenen Tagen längst zu echten Mittelalterprofis geworden. Verwunderlich ist dies aber nicht, schließlich hatten sie bei zahlreichen tollen und teils aufwendigen Aktionen beste Gelegenheit, in das Leben ihrer Vorvorvorvorvorvorvorfahren einzutauchen und es sich vor Augen zu führen.

Beim mittelalterlichen Jahrmarkt ebenso wie beim Ritterturnier oder einfach beim gemeinsamen Lagerleben.
Natürlich sorg(t)en bei der Integrativen Freizeit noch viele weitere jugendgerechte Aktivitäten für Unterhaltung und Kurzweil. Unternehmungen (Schwimmbadbesuche in Haßfurt und Bad Kissingen, Picknick), Aktionen (diverse Workshops, Waldstädtebauspiel, Lagerspiel, bunter Abend, Mitternachtskino, Nachtstationslauf und eine tolle Disco) oder einfach "Chill"-Zeit zum Genießen der freien Zeit, trugen jedenfalls maßgeblich zum bisherigen Erfolg bei.

Wer noch mehr von den Erlebnissen im Mittelalter sehen will, kann sich ins Internet einklicken. Unter www.reutersbrunn.degibt es auf der Zeltlagerhomepage zudem weitere wissenswerte Informationen rund um die Erfolgsgeschichte von Kreisjugendring und Lebenshilfe Haßberge.
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