Untermerzbach
Kontrollen

"Die meisten Motorradfahrer sind vernünftig"

Am Sonntag waren viele Motorradfahrer unterwegs. Die Polizei-Inspektion Ebern hatte gleich ein Auge auf das Treiben im Hambach.
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Solche Szenen wie auf diesem Archivfoto vom 25. Mai 2017 wurden bei der Kontrolle am Sonntag eher nicht festgestellt.Helmut Will
Solche Szenen wie auf diesem Archivfoto vom 25. Mai 2017 wurden bei der Kontrolle am Sonntag eher nicht festgestellt.Helmut Will
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Die Motorradsaison hat begonnen. "Drei Tote zum Start der Motorradsaison" war am Montag in den Tageszeitungen zu lesen. Schönes Wetter lockt die Biker in den Sattel und auf die Straße, auch wieder in den Hambach, zwischen Ebern und Untermerzbach. Da stört es offensichtlich auch nicht, dass in einer der Spitzkehren eine Baustelle und die Straße halbseitig gesperrt ist, weil die Fahrbahn teilweise abgesunken ist.
Aus Richtung Untermerzbach nähert sich eine schwere Maschine, deren Fahrer von POK Werner Seifert in die Kontrollstelle gelotst wird. Im Sattel der Maschine, einer BMW 1200 GS, sitzt Stefan Schunke aus Rödental. Der 54-Jährige nimmt seinen Helm ab. PHM Markus Walter von der Polizei-Inspektion (PI) Ebern tritt an ihn heran und bittet Schunke um seinen Führer- und Kraftfahrzeugschein.
Schunke ist relativ locker, wohl weil er weiß, dass bei ihm alles in Ordnung ist. Dies bestätigt sich dann auch. Nach einem kurzen netten Gespräch wünscht ihm PHM Walter gute Fahrt und lässt ihn weiterfahren. "Es ist wirklich das erste Mal, dass ich als Motorradfahrer von der Polizei kontrolliert werde", sagt Schunke zuvor. Dass die Polizei kontrolliert, ob am Motorrad unzulässige Veränderungen vorgenommen wurden, hält er für "nicht verkehrt." Allerdings: "Was ich insgesamt problematisch sehe, ist, dass Motorradfahrer insgesamt von vielen Verkehrsteilnehmern geächtet werden. Das ist absolut nicht in Ordnung, denn die meisten Motorradfahrer sind vernünftige Fahrer. Das ist meine Erfahrung, die ich in zehn Jahren, in denen ich Motorrad fahre, gemacht habe. Keiner der Motorradfahrer ist lebensmüde."
Stefan Schunke kann auch verstehen, dass die Bevölkerung sich aufregt, wenn es am Hambach durch Motorradlärm zu laut wird. "Das kommt aber meistens von Maschinen, die getunt sind, und da finde ich es in Ordnung, wenn die aus dem Verkehr gezogen werden." Er schränkt allerdings ein, dass auch andere Fahrzeuge Lärm machen, weshalb man nicht unbedingt immer auf Motorradfahrer schimpfen sollte. Kontrollen seien auch bei anderen Verkehrsteilnehmern angebracht: "Ich bin heute von Untermerzbach rübergefahren, als ich zu fünf Fahrradfahrern aufschloss, die zu dritt nebeneinander fuhren. Das ist ein Risiko für Verkehrsteilnehmer und auch für Motorradfahrer." Stefan Schunke ist der Meinung, dass man seine Maschine nicht ausreizen und man sich nicht wegen eines Kicks in Gefahr begeben sollte. "Sich oder andere gefährden, geht nicht", sagt der 54-Jährige.
Polizei-Oberkommissar Tobias Kern, seine Kollegin POMin Julia Holzheid und PHM Markus Walter von der PI Ebern und die Zweiradspezialisten von der Verkehrspolizei-Inspektion (VPI) Würzburg-Biebelried, POK Werner Seifert, PHM Tobias Freibott und POK Michael Gerhart, die mit ihren Polizeimotorrädern gekommen sind, bilden das Team, das sich am Sonntag von 11 bis 15.30 Uhr den Zweiradkontrollen im Hambach widmet. "Wir haben in dieser Zeit 85 Motorräder kontrolliert", sagt Kern.
In sechs Fällen mussten Motorräder mit abgefahrenen Reifen beanstandet werden. Deren Fahrzeugführer erwartet, wenn sie selbst Halter der Motorräder sind, ein Bußgeld von 75 Euro, wenn sie nur Fahrer waren, kostet es 60 Euro. Dazu kommen 28,50 Euro Gebühren und jeweils ein Punkt in der Verkehrssünderkartei in Flensburg.
Außerdem wurden laut Kern weitere neun Fahrzeugmängel festgestellt, deren Beseitigung die Biker nachweisen müssen. "Einmal wurde eine kostenpflichtige Verwarnung ausgesprochen und zehn mündliche Verwarnungen wegen Kleinigkeiten erteilt", sagt Kern.
Enrico Alsleben aus Kaltenbrunn wurde mit seiner Kawasaki ZR7 an der Kontrollstelle angehalten. Er hatte seinen Führerschein vergessen und wartet, bis ihm dieser aus seinem nahe gelegenen Wohnort gebracht wird. "Ja, der Hambach ist schon ein Problem, weil er kurvenreich ist und deshalb einen Reiz auf Motorradfahrer ausübt. Kontrollen sind für mich deshalb in Ordnung, damit habe ich kein Problem.
Alsleben wird deutlich: "Für mich sind Motorradfahrer, die bewusst rasen, bis ans Limit gehen und so sich und andere gefährden, potenzielle Organspender, die mitunter ihre Fahrkünste überschätzen und die Strecke rauf- und runterfahren."
Reizt es ihn nicht, wie der spanische Motorradweltmeister Marc Márquez durch die Kurven zu jagen? "Nein, auf keinen Fall, sonst hätte ich meine Sportmaschine behalten und würde nicht ein relativ langsames Motorrad fahren", sagt Enrico Alsleben, der von Beruf Lkw-Fahrer ist und wohl schon manches auf den Straßen erlebt hat. Motorrad fährt er gerne. "Das ist ein Stück Freiheit, aber man sollte nicht übertreiben."
An seiner Maschine wurde nichts beanstandet, sagt er stolz, und seinen Führerschein vergisst jeder einmal. Wenn die Polizei ein Auge auf Umbauten hat, die nicht zulässig sind, findet er es in Ordnung, da manche Veränderungen auch nicht ganz ungefährlich seien. Enrico weiß, dass auch an anderen Motorradstrecken kontrolliert wird, um das unsinnige Rasen einzudämmen.
Wie bewertet die Polizei den Erfolg der Kontrollaktion am Sonntag? Dazu POK Tobias Kern: "Insgesamt lief der Motorradverkehr an diesem Sonntag sehr geordnet ab. Es waren viele Tourenfahrer und auffallend viel Wieder- und Neueinsteiger unterwegs, die sich auch schon mal gerne mit uns über einige an Motorrädern typische unzulässige Veränderungen unterhalten haben. Wir konnten so einige präventive Gespräche führen, was, so denke ich, beide Seiten gut fanden." Typische Raser, die man schon von weitem hört, waren an diesem Tag nicht festzustellen.
Von den Bürgermeistern aus Ebern, Jürgen Hennemann, und Untermerzbach, Helmut Dietz, war in zurückliegenden Bürgerversammlungen zu hören, dass sich die Situation am Hambach mit den Motorradfahrern gebessert habe. Dies sei sicherlich eine Folge der intensiven Kontrolltätigkeiten der Polizei, sind sich die Bürgermeister einig.
Der Leiter der PI Ebern, PHK Siegbert Weinkauf, sagt, dass er die Entwicklung mit dem Motorradverkehr am Hambach positiv sehe: "Bei uns sind in letzter Zeit keine Beschwerden wegen Lärms durch Motorradfahrer mehr eingetroffen. Das freut uns natürlich." Der Dienststellenleiter weiß aber auch, dass, sollten die Kontrollen abgesetzt werden, sich eventuell frühere Zustände wieder einschleichen. "Deshalb werden wir dienststellenintern ein Auge auf das dortige Geschehen haben, aber auch weiterhin Kontrollen mit den Zweiradspezialisten der VPI Biebelried vornehmen", sagt Weinkauf.
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