Ebern
Jubiläum

Die Marienkapelle in Ebern ist auch nach 500 Jahren schön und jung geblieben

Vor 500 Jahren wurde die Marienkapelle in Ebern geweiht. Mit einem Gottesdienst, einer Kirchenparade und einem Festakt feierte man das Jubiläum.
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In einer Kirchenparade, angeführt von der Blaskapelle Ebern, Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Jürgen Hennemann und vielen weiteren Ehrengästen zogen zahlreiche Fahnenabordnungen von der Marienkapelle zum Rathaus.Klemens Albert
In einer Kirchenparade, angeführt von der Blaskapelle Ebern, Landrat Wilhelm Schneider, Bürgermeister Jürgen Hennemann und vielen weiteren Ehrengästen zogen zahlreiche Fahnenabordnungen von der Marienkapelle zum Rathaus.Klemens Albert
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"Alt bist du geworden, aber schön und jung geblieben." Mit diesen wertschätzenden Worten leitete Pfarrer Rudolf Theiler die Festlichkeiten 500 Jahre Marienkapelle ein. Ein Gottesdienst mit anschließender Kirchenparade zum Rathaus und ein Festakt in der Rathaushalle von Ebern stellten am Samstag die Höhepunkte des Jubiläums dar.


Trost und Hilfe gefunden


Viele Menschen hätten, so der Geistliche, hier Glauben bezeugt sowie Trost und Hilfe gefunden. Seit langer Zeit diene das Gotteshaus als von beiden Konfessionen genutzte Friedhofskapelle. So wohnte dem Gottesdienst auch der evangelische Pfarrer Bernd Grosser bei.

Den Gottesdienst hielt Domkapitular Jürgen Lensen aus Würzburg in Konzelebration mit den ehemaligen Eberner Pfarrern Heinrich Knauer und Manfred Badum, dazu Dekan Stefan Gessner und Pater Richard Pfletschinger.

Lensen, langjähriger Kunstreferent der Diözese Würzburg, nahm kurz Stellung zu Ausgestaltungsmerkmalen der Kirche. Ursprünglich erhalten seien der Chorraum mit seinem Kreuzgewölbe, darin der Hochaltar und eine Pieta, die als Wallfahrtsbild diente. Das Langhaus wurde einmal höher gebaut.

Drei Personen, die in engem Bezug zur Marienkapelle stehen, könnten für uns eine besondere Bedeutung haben, meinte Jürgen Lensen in seiner Predigt. Es seien dies Johannes der Täufer, an dessen Festtag die Jubiläumsfeier stattfinde, dazu die Gottesmutter Maria und die heilige Barbara, der ein Seitenaltar gewidmet sei. Ihre Geradlinigkeit und Glaubwürdigkeit hätten sie ausgezeichnet und damit auf Jesus Christus verwiesen.


Laurentiuschor sang


Heute habe es den Eindruck, als seien Politik, Gesellschaft und Kirche "weit entfernt von den Lebensvollzügen und Leitlinien, wie sie Jesus vorgelebt und den Menschen gepredigt hat.
Demnach sollten Menschlichkeit und Barmherzigkeit das gegenseitige menschliche Zusammenleben prägen, mahnte der Geistliche.

Den Gottesdienst gestaltete musikalisch der Laurentiuschor Ebern unter Leitung von Kantor Wolfgang Schneider aus.

Bezugnehmend zu der Gründungszeit der Kirche sang der Chor auch ein Kyrie von Josquin des Pres, das eben vor 500 Jahren, also zur gleichen Zeit komponiert wurde.


Kirchenparade zum Rathaus


Von der Marienkapelle zog anschließend unter den Klängen des Blasorchesters Ebern die gesamte Festgemeinde in einer Kirchenparade ins Rathaus. Bei der Ankunft dort läutete die Rathausglocke, die 1510 eigens für die Marienkapelle gegossen worden war und irgendwann einmal den Nutzungsort gewechselt hatte.

Bürgermeister Jürgen Hennemann zeigte beim Jubiläum der Marienkapelle auf, wie man nach Recherchen von Kreisheimatpfleger Günter Lipp die Rathausglocke eigens für diesen Tag wieder in Gang gesetzt habe. Die Stadt Ebern sei stolz auf die Marienkapelle, ein Schmuckstück, dessen Erhalt man stets unterstützt habe.

Das Gebäude zeige, dass in Ebern auch heute noch christliche Werte gelebt würden. Damals, so das Stadtoberhaupt, seien entscheidende Sponsoren die Familien von Altenstein und von Rotenhan gewesen. Stellvertretend für sie trug sich Hermann von Rotenhan aus Eyrichshof in das goldene Buch der Stadt Ebern ein, daneben auch Pfarrer Rudolf Theiler und Domkapitular Dr. Jürgen Lensen.


Ein "ökumenisches" Grußwort


Eberns evangelischer Pfarrer Bernd Grosser sprach ein, wie er es mit einem Augenzwinkern nannte, "ökumenisches" Grußwort. Seit etwa 150 Jahren werde die Marienkapelle von beiden Konfessionen genutzt, in der Gegenwart bei bestens laufender Ökumene. Angesichts einer nachlassenden Wertschätzung für die Beerdigungskultur wünschte er der Kapelle eine neue Wertschätzung bei künftigen Generationen.

Landrat Wilhelm Schneider wertete die Marienkapelle als Zeugnis einer wertvollen Baukultur, die auch für den Landkreis ihre Bedeutung habe. Sie stelle eine Kraftquelle und einen Erfahrungsort für den Glauben der Menschen dar. Als Friedhofskapelle sei sie ein Ort der Stille, der Trauer, des Erinnerns, des lebendigen Glaubens. Sein Wunsch lautete, dass dies so bleiben möge.

Die Historikerin Dr. Elvira Fischenich richtete in ihrer Ansprache beim Festakt zur 500-Jahr-Feier der Marienkapelle den Blick auf die bewegte Geschichtsepoche, in der die Kirche erbaut worden war. Bezugnehmend zur Predigt zuvor verwies sie auf die Glaubwürdigkeitsprobleme der Kirche, aus der damals die Reformation entstanden sei.


Kaum gesicherte Quellen


Aus einer tiefen Volksfrömmigkeit heraus sei die Kirche als Wallfahrtskapelle erbaut worden, ansonsten könne man sich aber kaum auf gesicherte Quellen beziehen.

Eine solche stelle der Schlussstein mit der Aufschrift 1518 dar, so Fischenich. Außerdem könne man aus verschiedenen Wappen die Stifter von Rotenhan und von Altenstein identifizieren und die Stadt Ebern.

Nicht gesichert sei die Herkunft des Gnadenbildes. Einer Sage nach sei es bei einem starken Regen angeschwemmt worden. Am Fundort habe man dann zum Schutz der Stadt die Kapelle errichtet.
Diese werde heute noch sehr geschätzt und stelle keineswegs ein Relikt der Vergangenheit dar. Als Friedhofskirche biete sie einen würdigen Rahmen für das christliche Totengedenken. Sie sei Zeugnis für die kulturelle Tradition und die Stadtgeschichte von Ebern, ein "steinernes Zeugnis einer Epoche, deren Schatten uns heute noch berühren in den Auswirkungen der Reformation".


Dank an viele Helfer


Abschließend richtete Pater Rudolf Theiler herzliche Dankensworte an alle, die in der Vorbereitung und Ausgestaltung der Festlichkeiten mitgewirkt hatten, allen voran an den Gesamtkoordinator Karl-Heinz Krebs.

Die Feier in der Rathaushalle umrahmte der Jugendchor unter Leitung von Wolfgang Schneider mit wunderschön vorgetragenen englischen Songs.


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