Burgpreppach
Gedenkveranstaltung

Die Macht der Liebe bricht den Hass

75 Jahre nach der Pogromnacht wurde bei einer Veranstaltung des Kirchenkreises Bayreuth in Burgpreppach an die Opfer der Pogromnacht und der Judenverfolgung erinnert. Zivilcourage und Offenheit für die Mitmenschen wurden gefordert.
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Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner aus Bayreuth hielt am Samstag in der Burgpreppacher Kirche eine eindrucksvolle Predigt zum Gedenktag des Juden-Pogroms vor 75 Jahren. Foto: Gerhard Schmidt
Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner aus Bayreuth hielt am Samstag in der Burgpreppacher Kirche eine eindrucksvolle Predigt zum Gedenktag des Juden-Pogroms vor 75 Jahren. Foto: Gerhard Schmidt
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Auf den Tag genau 75 Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen des Jahres 1938 versammelten sich am Samstag zahlreiche Menschen in Burgpreppach, um der gequälten und ermordeten Juden zu gedenken. Es ging um einstige Mitbürger, die in der Pogromnacht, der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938, endgültig zum "Freiwild im eigenen Land" wurden.

Daraus entwickelte sich, wie die Geschichte zeigt, einer der größten Völkermorde seit Menschengedenken, der Holocaust. Bis 1945 war es tödlich, als Jude im Machtbereich der Nationalsozialisten zu leben.
Der schlimmen Ereignisse vor 75 Jahren wurde am Samstag in der Marktgemeinde Burgpreppach mit einer Gedenkfeier des Kirchenkreises Bayreuth gedacht. Burgpreppach war bis zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung ein Zentrum des jüdischen Glaubens im Haßgau gewesen.

Synagoge ging in Flammen auf

Die Teilnehmer trafen sich in der Dorfmitte am Ehrenmal, der Stätte, an der früher die Burgpreppacher Synagoge stand. Sie ging in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Flammen auf. Heute sieht der Ort mit seinem Schlosssee idyllisch aus und kaum einer der Nachgeborenen würde vermuten, dass sich dort in den 1930er Jahren so Schreckliches abspielte. Heute erinnert nur noch ein kleiner Gedenkstein daran, wie es hiervor 1938 aussah.

Dekan Jürgen Blechschmidt forderte dazu auf, sich "heute an die jüdischen Familien zu erinnern, die hier gelebt haben, ihr Schicksal in Erinnerung zu rufen und den Spuren jüdischer Vergangenheit in dieser Region nachzugehen". Deshalb hätten der Kirchenvorstand in Burgpreppach mit Pfarrer Peter Bauer, das Vorbereitungsteam des Dekanats Rügheim und der Kirchenkreis Bayreuth den Gedenktag organisiert.

Pfarrer Bauer ließ im Gedanken das Leben der Juden in Burgpreppach nochmals aufleben. Damals wurde etwas abgebrochen, das nicht mehr geheilt werden kann, erklärte der Ortsgeistliche. Materialistisch betrachtet, sei ein Scherbenhaufen entstanden, aber noch viele Häuser in Burgpreppach würden auf jüdische Bewohner hinweisen. Der ganze Bereich der "Neustadt", wie man damals die heutige Hauptstraße nannte, wurde von Juden bewohnt.

Die Macht der Liebe

Nach diesem Auftakt ging es zur evangelischen Kirche, wo ein Gedenkgottesdienst abgehalten wurde. Regionalbischöfin Dorothea Greiner war gekommen, um die Predigt zu halten. Eindeutig wandte sie sich gegen Gewalt und forderte zur Liebe auf, auch wenn es manchmal schwer falle. Wer das Thema Juden und Muslime behandelt, gerate sofort ins Fadenkreuz der Rechten, wie Greiner feststellen musste. Auch ihr persönlich würden die Rechten zurzeit im Internet "Scheinheiligkeit" vorwerfen. Es gehe um "wachsende Überfremdungs-Fantasien" und darum, dass sie angeblich dazu aufforderte, den Koran in Krankenhäuser und Gefängnissen zu verteilen. "Nicht wegschauen und weghören, sondern hinschauen und hinhören ist gefragt," mahnte Greiner. Dem Ungeist solcher Gruppen sollten Christen den Geist Gottes entgegenhalten, denn Judenfeindlichkeit sei leider bis in die heutige Zeit spürbar und erlebbar.

Rechtsordnung ist wichtig

"Ob ich damals Widerstand geleistet hätte, bezweifele ich", so Regionalbischöfin Greiner ehrlich. Viele, darunter die Kinder, wären auch verführt worden und so zu Opfern des Nationalsozialismus geworden. Ohne Zweifel wären heute staatliche Rechtsordnungen nötig, um Gewalttaten zu verhindern. Dorothea Greiner glaubt an die Macht der Liebe, weil sie einen Weg gegen den Hass aufzeichne. Sie forderte in ihrer Predigt dazu auf, das Kreuz dem Hakenkreuz entgegen zu setzen, denn "wo wir die Liebe verlassen, verlassen wir auch Christus".

Nach dem Gottesdienst, in dem Hans Schott an der Orgel saß, traf man sich im katholischen Pfarrsaal, wo eine Bilderausstellung auf den Anlass des Gedenktages hinwies. Bürgermeister Karlheinz Denninger (Liste Gemeinwohl) meinte, das Gedenken würde den ehemaligen Mitbürgern jüdischen Glaubens wieder ihre Namen, Geschichte und ihren Platz in der Erinnerung zurückgeben. Dem Andenken würde man am ehesten gerecht, wenn man im eigenen Verantwortungsbereich für Freiheit, Frieden und Menschlichkeit eintreten würde, um die schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit für immer auszuschließen. Die Gedenkfeier bezeichnete Bürgermeister Denninger als ein "Licht der Hoffnung auf dem Weg in eine friedliche Zukunft".

Für die katholische Kirche sprach Dekan Stefan Geßner, Mürsbach, der Grüße von Bischof Friedhelm Hofmann übermittelte. Er bat die Anwesenden, die Augen offen zu halten, wo menschliches Leben in Gefahr sei. Über alle Konfessionsgrenzen hinweg müsse man als Verpflichtung aus der gesellschaftlichen Verantwortung und christlicher Botschaft heraus für Menschen eintreten, die aufgrund ihres Glaubens oder wegen anderer Gründe verfolgt und mit dem Tod bedroht werden. Die vielen Zeugnisse jüdischen Lebens in der Region würden dies bestätigen.

Judentum prägt Region

Regionalbischöfin Dr. Greiner berichtete, dass sie im Sommer mit ihrem Mann durch die Haßberge geradelt sei und dabei jüdische Friedhöfe besucht habe, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was die hiesigen Dörfer prägt. Die Menschen würden hier mit dem Thema Juden behutsam umgehen, meinte sie. Die Region sei von der Tradition des Judentums stark geprägt.

Pfarrer und Historiker Axel Töllner von der Augustana-Hochschule in Neuendettelsau stellte das Projekt "Synagogen-Gedenkband Bayern" vor, das er mit Kollegen aus verschiedenen Einrichtungen erstellen will. Kommendes Jahr soll das hiesige Gebiet zur Bestandsaufnahme besucht werden.

Anhand des Beispiels zweier jüdischer Familien aus Maroldsweisach zeichnete Pfarrer Martin Popp-Posekardt die Schrecken auf, die jüdische Familien in der Nazi-Zeit erlebten. Zeitzeugen aus Oberlauringen und Kleinsteinach vertieften mit ihren Berichten die Eindrücke vom Geschehen vor 75 Jahren.

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