Ebern
Automobile

Die Liebe des Eberners Gotthard Schleicher gehört den Oldtimern

Die Passion von Gotthard Schleicher sind die historischen Fahrzeuge. Besonders die Italiener haben es dem Organisator der Oldtimertage in Ebern angetan.
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Alles original und pikobello in Schuss: Auf seinen Alfetta aus dem Jahr 1978 ist Gotthard Schleicher mächtig stolz. Er hat die seltene Limousine vor Jahren von einem 86-jährigen Italiener, einem Gastronom,  aus erster Hand erstanden. Fotos: Eckehard Kiesewetter
Alles original und pikobello in Schuss: Auf seinen Alfetta aus dem Jahr 1978 ist Gotthard Schleicher mächtig stolz. Er hat die seltene Limousine vor Jahren von einem 86-jährigen Italiener, einem Gastronom, aus erster Hand erstanden. Fotos: Eckehard Kiesewetter
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Er ist nicht der große Schrauber, und nicht derjenige, der stundenlang an glänzendem Blech herumpolieren würde. Auch geht es ihm nicht um die Wertanlage oder die bewundernden Blicke seiner Mitmenschen. Gotthard Schleichers Liebe fürs betagte Blech erklärt sich eher aus dem einmaligen puristischen Fahrerlebnis, das kein neuzeitliches Auto vermitteln könnte: das Gefühl, die Lenkung unmittelbar im Griff zu haben, das Zucken der Tachonadel, der Kraftaufwand beim Bremsen, das manuelle Einschalten des Lichts und das Vibrieren des gesamten Fahrzeugs bei höherem Tempo - all das will er nicht missen.

"Ich liebe das analoge Autofahren", sagt der 73-Jährige. Dort, wo nicht alles digital gesteuert ist, müsse man noch selber denken und vorausschauender fahren: "Es ist herrlich, so durch die Landschaft zu gondeln." Zudem kann selbst der Laie bei einem älteren Modell ausgefallene Scheinwerferbirnchen wechseln oder einfache Wartungsarbeiten erledigen. "Da hat man ein ganz anderes Verhältnis zum Auto", findet der sportlich fitte Senior, der "seit mindestens 25 Jahren" Oldtimer-Veranstaltungen für seinen Verein, den Automobilclub (AC) Ebern, organisiert - immer am Fronleichnamstag, was sich in die Köpfe vieler Automobilisten eingeprägt hat: "Fronleichnam = Oldtimertreffen in Ebern".

Großes Spektakel

Anfangs waren es die Gleichmäßigkeitsprüfungen am Anstieg zwischen Herbelsdorf und Lichtenstein, dann über viele Jahre hinweg die Oldtimertreffen im Schlosshof von Eyrichshof, die vor drei Jahren wegen Platzmangels in die Innenstadt von Ebern umgezogen sind. "Ein gigantisches Event, hinter dem ziemlich viel Aufwand steckt", sagt der gebürtige Memmelsdorfer (Ufr.), der seit Wochen organisatorische Dinge regelt. Als Oldtimerreferent des AC ist er bei zehn bis 15 Veranstaltungen pro Jahr im weiten Umfeld vertreten, um für das Spektakel in den Haßbergen zu trommeln. "Wer nicht wirbt, der stirbt", weiß der gelernte Kaufmann. Auf Kommunikation schwört er sowieso, denn Schleicher geht es nicht nur um Autos, sondern "um den Menschen hinter dem Lenkrad", um die meist positiven Geschichten, die Fahrer mit ihren Schnauferln verbinden, und um die gemeinsame Begeisterung für die motorisierte Mobilität.

Die Gespräche und Impulse bei den monatlichen AC-Fahrten und -Stammtischen, den Kontakt zu den Fachleuten in spezialisierten Werkstätten oder den Austausch mit Piloten zwei- oder vierrädriger Veteranen bei Classictreffen - all das will er nicht missen. Anders als bei vielen Sportarten gehe es nicht darum, anderen wehzutun, sie zu besiegen oder zu übertreffen. "Bei uns ist menschliches Miteinander gefragt," so der rastlose Unternehmer, "das ist fantastisch".

Am Scheideweg

Heutigen Automobilen, mit ihrem Einheitsdesign kann er wenig abgewinnen. Zudem sieht er die Branche in einer schwierigen Lage. Sie wisse nicht, wie es in Zukunft weitergehen, und welche Antriebsart sich durchsetzen wird. Für ihn steht fest, dass es den Verbrennungsmotor noch sehr lange geben wird und dass Visionen wie das selbst fahrende Auto noch auf lange Zeit ein Traum bleiben werden. All diese Fragen stellen sich ihm als Oldtimerfahrer nicht. Manches, so ist Schleicher überzeugt, war früher besser - nicht nur die Optik und das Fahrerlebnis.

In jungen Jahren infiziert

Gotthard Schleicher spricht von einem Kick, einem traumhaften Hobby. Aus dem Spaß an ersten "Fuchsjagden" beim ADAC und bei Club-Rallyes (vorwiegend auf dem Beifahrersitz) entwickelte der Eberner die Liebe zum alten Blech. Für ihn steckt dahinter ein Lebensgefühl, das er mit einer Vorliebe fürs Design italienischer Autos verbindet.

Sein erster Wagen, ein"Triumph TR 5", den er ohne Sachkenntnis erwarb, "war eine Ratte", bekennt Schleicher, offenkundig froh, dass der TÜV die unglückliche Liaison rasch beendete. Den Nachfolger, einen MG Midget, ein kleines knuffiges Auto dagegen, mit dem er bereits Rallyes fuhr, behält er in guter Erinnerung. Auf Langstrecken allerdings wurde die fehlende Federung zur Qual: "Wenn Du da nach 200 oder 300 Kilometern raus bist, hast Du nicht mehr gewusst, ob Du Männchen oder Weibchen bist." So tauschte er den Wagen nach zwei bis drei Jahren gegen sein erstes italienisches Fahrzeug ein: einen blauen 1300er Alfa Romeo Spider mit 87 PS. "Ein tolles Auto", schwärmt Schleicher, der seine Passion fürs alte Blech sonst eher als "pragmatisch, rustikal" einschätzt. "Sinn des Oldtimerfahrens ist die Fortbewegung" sagt er, und für ein Auto ist es wichtig, dass man es bewegt."

Dolce Vita hinterm Steuer

Seit seinem Spider blieb er den Italienern mit ihrem eleganten Design, dem Gefühl des Dolce Vita am Steuer und ihrer "teilweise kapriziösen Technik" treu. Bei der Frage nach seinem Lieblingsauto fallen ihm sofort das Pferdchen des Ferrari, der Dreizack des Maserati oder das Scudetto des Alfa Romeo ein. Ein Alfa GT ist heute sein Alltagsauto. Mit seinem Alfetta (Baujahr 78) und einem 1970er Bertone nennt er zwei weitere "Azzurri" sein eigen. Zu dessen 50. Geburtstag will Schleicher seinem Bertone (und natürlich sich selbst) im kommenden Jahr ein besonderes Ereignis gönnen: einen Start bei der "Mille Miglia", einem Kult-Autorennen über öffentliche Straßen auf einem Dreieckkurs im Norden Italiens. Dann ist das Liebhaber-Glück vollkommen.

Oldtimer in Ebern unter sich

Mindestens 35 Jahre alt müssen die Fahrzeuge sein, die am Fronleichnamstag (Donnerstag, 20. Juni) zum Oldtimertag nach Ebern rollen. Schauplatz sind der Marktplatz und die Altstadt, wo Organisator Gotthard Schleicher vom AC Ebern ab 12 Uhr rund 700 zwei- und vierrädrige Veteranen erwartet. Lkw, Busse und Traktoren bleiben diesmal aus Platzgründen ausgesperrt. Dafür dürfen sich die Besucher auf ein spektakuläres Defilee historischer Autos und Motorräder freuen.ekiGotthard Schleicher mit einem seiner Alfas auf dem Rundkurs in Schleiz privat

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