Haßfurt
Heimatgeschichte

Die Imkerei hat auch in den Haßbergen eine lange Tradition

Für Honig aus Zeil schickte der Kardinal seine Hirtenbriefe ins Pfarrhaus.
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In den frühen 80er Jahren war der Lehrer Erwin Windfelder Vorsitzender des Imkerverbandes Haßfurt. Rechts neben ihn Bürgermeister Rudi Handwerker.
In den frühen 80er Jahren war der Lehrer Erwin Windfelder Vorsitzender des Imkerverbandes Haßfurt. Rechts neben ihn Bürgermeister Rudi Handwerker.
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Die Bedeutung der Bienenhaltung liegt inzwischen weniger in der Produktion von Wachs und Honig als in der ökologischen Funktion der Bienenvölker, die bedroht ist von der abnehmenden Artenvielfalt sowie bienengefährlichen Pflanzenschutzmitteln.

In den drei früheren Landkreisen Haßfurt, Hofheim und Ebern wurden 1893 rund 3850 Bienenvölker gezählt. 1951 waren es im alten Landkreis Haßfurt allein schon 2739 gewesen. Zu diesem Zeitpunkt standen knapp 250 000 Obstbäume, eine Zahl die sich seit den 50er Jahren durch die intensive Bebauung in fast allen Gemeinden enorm verringert hat. Im vergangenen Jahr zählte man im Landkreis Haßberge nur noch 1800 Bienenvölker und 300 Imker.

In der Bibel ist von einem "Land, wo Milch und Honig fließen", die Rede. In Deutschland fließt zeitweise zu viel Milch, aber zu wenig Honig. Imker klagen über eine miserable Ernte. Neben Rind und Schwein zählt die Biene zu den drittwichtigsten Nutztieren. Ob es einheimisches Obst, Wildpflanzen oder verschiedene Gemüsearten sind: Sie können nur wachsen und gedeihen, wenn sie auch bestäubt werden.

Die Imkerei besitzt in Mitteleuropa eine lange Tradition: bis ins späte Mittelalter war Honig das einzige verfügbare Süßungsmittel und auch Naschwerk. Spätestens seit Einführung des Rübenzuckers hat die Bienenhaltung nicht mehr die große wirtschaftliche Bedeutung. Im 19. Jahrhundert, als die Coburger noch glaubten Wein anbauen zu können, versuchten sie den herben Geschmack des Weines durch Zusatz von Honig zu verbessern. Ihre "Versatzweine" konnten trotzdem keine Freunde bei den Weinliebhabern finden.

Neben ihrer wirtschaftlichen Nutzung durch den Imker faszinieren Bienen immer wieder durch ihre sozialen Fähigkeiten, die sie eine Ausnahmestellung im Tierreich einnehmen lassen. Interessant sind da die Ausführungen des Lehrers Strasser, der 1880 bei einer Wanderveranstaltung in Steinbach über die Bienenzucht referierte. Der Schulmann sah in ihr eine sittlich läuternde, Herz und Gemüt bildende Beschäftigung. Sie zwinge den Bienenzüchter zur Ablegung jedes erregbaren und aufbrausenden Wesens und zur Ruhe und Besonnenheit. Sie halte auch vom Wirtshausbesuch und Kartenspiel ab. Den Bienenstock verglich der Schulmeister mit einem streng monarchistischen Staat, in dem jeder einzelne Bürger sein Leben für seinen König einsetzt. So würden sich auch die Bienen verhalten, die, wenn Raubbienen anstürmen, ihr Leben für den Bienenstaat und dessen Königin einsetzen.

Vorbild für Staatsbürger

Von den Bienen könne man - so der Steinbacher Schullehrer - Königs- und Vaterlandsliebe lernen. Sie seien ein Vorbild für einen ordnungsliebenden Staatsbürger. Außerdem förderten sie die Befruchtung der Pflanzen und die hierdurch bedingte Körner- und Fruchtbildung. Daneben ist die Bienenzucht von volkswirtschaftlicher Bedeutung, welche den Imkern eine willkommene Einnahme verschaffe.

1928 ist im Haßfurter Amtsblatt zu lesen, dass der Rückgang der Bienenzucht in der Hauptsache auf mangelnde ungenügende Schulung der Imker zurückzuführen sei. Wegen der Bedeutung der Bienenzucht für die Landwirtschaft sollte diese wieder zur früheren Blüte kommen.

Die Bevölkerung und insbesondere die Jugend wurden ständig darüber belehrt, dass die Weidenkätzchen zur Ernährung der Bienen außerordentlich wichtig und notwendig seien und das Abschneiden daher in größeren Mengen strafbar ist. Für den Bedarf an den Palmsonntagen drückten die Behörden jedoch jedes Jahr ausdrücklich ein Auge zu.

Bienenzucht in Erntedankfeiern einbezogen

Förderer der Bienenzucht waren neben Schullehrern auch einige Pfarrer. So der Dechant Johann Dümler in Zeil, der nach dem Ersten Weltkrieg im Bezirksamt Haßfurt als Vorsitzender der Bienenzuchtvereine fungierte. Der Pfarrer war seit seinem Studium mit dem Münchner Kardinal Michael Faulhaber befreundet. In den frühen 20er Jahren war der geistige Würdenträger immer dankbar, wenn aus dem Zeiler Pfarrhaus ein Paket mit Honig ankam. Und so bedankte sich 1924 der hohe Herr überschwänglich "für den überaus reichhaltigen und kostbaren Beitrag, den die Honigbüchse für meinen Haushalt bedeutet". Nach den Worten Dümlers sandte der dankbare Kardinal dem Freund in Zeil seine "so inhaltsreichen und zeitgemäßen" Hirtenbriefe, die Dümler stets Stoff für einige Predigten lieferten. Da wundert es nicht, dass bei den Erntedankfeiern in Zeil stets auch unter Darbietung von Honig und Wachs, die Bienenzucht einbezogen wurde.

Heilig-Länder-Pfarrer als Bienenstock gestaltet

Der früheren Beschäftigung vieler Pfarrer mit der Bienenzucht, hat man jetzt am Lehrbienenstand in Kirchlauter auf originelle Art ein Denkmal gesetzt. Die geschnitzte Figur des legendären Heilig-Länder-Pfarrers Karl Josef Glockner (1874-1949) ist so gestaltet worden, dass darin ein ganzes Bienenvolk leben und Honig produzieren kann. In manchen Landesteilen gab es früher sogenannte Bienenmänner in der Gestalt von Mönchen. Man hoffte nämlich, dass Diebe davor zurückschrecken würden, sich am Honig zu vergreifen.

In dem Lehrmittelschrank der Zeiler Schule befanden sich schon 1822 zwei Lehr- und 21 Schulbücher über die Bienenzucht. Jahrzehnte lang widmeten sich Schullehrer diesem Hobby. In Hainert bezog der späterer Schulrat Leo Maag 1960 seine Schüler mit ein. Für ihre praktische Bienenpflege erhielten rund 60 Kinder einen "süßen Lohn". Mit Gläsern, Schüsseln und Töpfchen waren die Buben und Mädchen erschienen um je ein halbes Pfund Honig in Empfang zu nehmen. Maag verstand es, seine Schüler für die Betreuung des "Schulbienenvolkes" zu begeistern. Sie kümmerten sich auch um die abschließende Winterfütterung am Bienenstand. Die Lehrer Erwin Windfelder aus Ottendorf und Franz Schnaus aus Zeil engagierten sich sogar an vorderster Stelle in den Imkervereinen. Ein Bienenhäuschen neben der Zeiler Schule welches dem Hausmeister gehörte, wurde 1946 entfernt, nachdem die Bienenvölker eingegangen waren.

Akazienbäume für Bienen gepflanzt

1830 kaufte die Stadt Zeil vier Akazienbäumchen für den Kirchhof vor dem Gotteshaus. Für Bienen sind Akazien - die in Wirklichkeit fast immer Robinien bzw. Scheinakazien sind - wichtige Nektarquellen. Der "Seerangen" am Stadtsee wurde kultiviert und mit Akazienbäumen bepflanzt, die es dort bis heute noch reichlich gibt. 1876 wurden vier veredelte Akazien "auf dem freien Platz vor dem Rathaus" gesetzt.

In Augsfeld bepflanzten Imker den Gänseanger mit Buchen und Linden und schafften den heute noch vorhandenen Lindenhain. 1926 ließen die Städte Haßfurt und Zeil im Interesse der Bienenzucht Akazienbäume und Linden pflanzen. Vor allem die Akazien gelten als genügsam weil sie auf den schlechtesten Böden wachsen. Sie zählen zu den Bäumen, welche von den Bienen am häufigsten angeflogen werden, da sie hervorragende Nektarspender sind.

Der Zeiler Pfarrer Dümler konnte nicht nur schöne Predigten über den lieben Gott, sondern auch Vorträge über Bienen und Honig halten. Er plädierte dafür, möglichst viel Raps anzubauen und Akazien zu setzen. Von der Anpflanzung von Linden riet er dagegen ab, da diese nur unter besonderen Bedingungen honigen würden. Wie Peter Krichner, der bekannteste Imker im Landkreis weiß, müssen Linden "nasse Füße" haben, um Nektar produzieren zu können.

In seinem Testament vererbte Pfarrer Dümler später seine Honigvorräte alten Leuten im Caritas-Altenheim, ferner Ordensschwestern, Verwandten und Bekannten. Die Bienen und Waben sollten seine Neffen und Nichten erhalten. Zwei Bienenvölker und sein Bienenhaus vermachte er an seinen Nachfolger. Der war Bernhard Rüdenauer, welcher 1936 nach Zeil kam.

Bienenkörbe am Schützenanger

Alte Leute erinnern sich noch, dass die Imker früher im Bereich des Zeiler Schützenberges Bienenkörbe aufgestellt haben. Neben den dort befindlichen Akazien und anderen Sträuchern boten damals auch die blumengeschmückten Gräber im alten Friedhof viele Pollen und Nektar. Es gibt zahlreiche Städte, wo Bienenstöcke auf den Friedhöfen üblich sind. Ein geflügeltes Wort lautet: Friedhöfe: Den Menschen ein Trost, den Bienen gute Kost.

Emil Schurig, der Pionier der Zeiler Naturfreunde, erinnert sich noch, dass in den 50er Jahren Wanderfreunde entlang des Brühlbaches eine Akazien bzw. Lindenallee pflanzten. Die Bäume verströmen heute noch im Frühling ihren Duft und sind eine Einladung für die Bienen.

Nur wenige Monate nach Beginn des Zweiten Weltkrieges war für die Machthaber Schmieröl für die Kriegsmaschinerie wichtiger als Honig. Dem Zeiler Ortsbauernführer Hans Kremer teilte 1939 der Bauernverband in Hofheim mit, wie wichtig die Bienen für die angebauten Ölpflanzen Raps und Rübsen sind. Der Fruchtansatz dieser als kriegswichtig angesehenen Pflanzen könnte durch Bienenbeflug wesentlich erhöht werden. Notfalls sollte man aus anderen Gemeinden Bienenvölker heranziehen, um einen Beflug aller Raps- und Rübsenflächen zu gewährleisten.

Die Bienen sind als Bestäuber maßgeblich für den Erhalt und das Fortbestehen der Pflanzenwelt verantwortlich. Derzeit hofft man, dass Mittel und Wege gefunden werden, das Bienensterben einzudämmen.

1958 trug sich der Zeiler Obst- und Gartenbauverein mit dem Gedanken, aus dem Landesverband auszutreten. In einem sogenannten wilden Verein hätte der Vorstand jedoch mit seinem Privatvermögen haften müssen, wenn es im Zusammenhang mit dem Baumspritzen zu einem Bienensterben gekommen wäre.

Schutzpatron der Imker

In der Zeiler Stadtpfarrkirche ist in einer Hohlkehle der heilige Ambrosius, Schutzpatron der Imker zu sehen. Als Attribut steht neben ihm ein Bienenkorb. Während seiner Kindheit soll sich ein Bienenschwarm auf sein Gesicht niedergelassen haben. Die Bienen seien in den Mund des Kindes gekrochen und hätten es mit Honig genährt. Dies wurde als Zeichen Gottes und als ein Hinweis auf eine große Zukunft des Knaben gedeutet.

Bienen im Krieg

Als noch Wurf- und Schleudermaschinen bei der Belagerung von Burgen und befestigten Städten üblich waren, verwendeten die Belagerer statt der Steine manchmal auch Bienenkörbe, die hinter den Mauern geborsten waren. Die gereizten Bienen stachen dann solange auf die Belagerten ein, bis diese in keine Rüstungen mehr passten.

Dass das auch umgekehrt funktioniert, bewies im 30jährigen Krieg der Kissinger Bürger Peter Heil. Nachdem die Munition verschossen war, ließ er alle in der Stadt befindlichen Bienenkörbe einsammeln und auf der Stadtmauer verteilen. Von hier aus sollten sie auf die angreifenden Schweden geschleudert werden. Als die Belagerer zum erneuten Angriff ansetzten, wurden die Bienenkörbe hinabgestoßen. Sie zerschellten auf dem Boden mitten unter den Angreifern. Die Bienen umschwirrten und stachen die Schweden schließlich im wahrsten Sinne des Wortes in die Flucht. Ein Denkmal in der Kurstadt erinnert noch heute an dieses geschichtsträchtige Ereignis.

Flug eingestellt

Bei der Sonnenfinsternis am 17. April 1912 beobachtete der Gleisenauer Pfarrer Medicus, wie in der gesamten Umgebung die Bienen ihre Flüge einstellten und sich die Vögel verkrochen haben.

Listiger Ottendorfer

1796 lagerte zwischen Ottendorf und Greßhausen französisches Militär. Beim Nahen des Feindes ergriffen die Ottendorfer die Flucht in den nahen Wald. Lediglich der Bauer Eck blieb zurück um die Franzosen zu überlisten. In seinem Haus warf er den gesamten Hausrat durcheinander um so eine schon stattgehabte Plünderung vorzugaukeln. Aufgeschlitzte Betten und zerbrochenes Geschirr täuschten eine Verwüstung vor. Schließlich platzierte er unter dem Zimmertisch noch einen voll bewohnten Bienenkorb. Diese Inszenierung hatte tatsächlich Erfolg: Sein Haus wurde nicht behelligt.

Honig für das Pferd

1813 musste die Stadt Zeil für ein einquartiertes krankes Pferd Honig auftreiben. Es gehörte dem in französischen Diensten stehenden niederländischen General Dedem. Honig für Pferde ist heute noch ein uraltes Heilmittel welches die Wundheilung beschleunigt und das Wohlbefinden positiv beeinflusst.

Bienen als Wächter

Der 1934 verstorbene Prälat Ignaz Hergenröther, der von 1863 bis 1876 Kaplan in Haßfurt war, betätigte sich auch als eifriger Imker. Und nicht nur das: Er fungierte von seiner Pfarrstelle in Aschaffenburg aus auch als Redakteur der bayerischen Imkerzeitung. Berühmt wurde er, als 1919 für den ermordeten Ministerpräsidenten Kurt Eisner die Glocken geläutet werden sollten. Eisner hatte 1918 den heute 100 Jahre bestehenden Freistaat Bayern ausgerufen, was bei monarchistischen Kreisen auf wenig Gegenliebe stieß. Als revolutionsgesinnte Aschaffenburger nach einer zweitägigen Belagerung des Pfarrhauses sich anschickten den Turm der Stiftskirche zu besteigen um selbst die Glocken für Eisner zu läuten, versteckte Hergenröther den Schlüssel in seinen Bienenstöcken. Selbst eine zweitägige Belagerung des Pfarrhauses und die ernste Bedrohung seines Lebens konnten ihn nicht zur Aufgabe bewegen. Für seine Standfestigkeit zollten seine Anhänger dem greisen "Helden im Priesterrock" Hochachtung.



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