Ebern
Rösler-Open-Air

Die Herzen in Ebern gehören Wincent

Wincent Weiss ließ die Mädels und die Frauen in Eyrichshof schmelzen. Er sang vor ausverkauftem Rund.
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Das Feuerwerk wurde eigentlich erst am Ende gezündet, doch es rumorte von der ersten Sekunde an: Großes Kino einer Pop-Produktion boten Wincent Weiss und seine vierköpfige (unterfränkische) Band am Samstagabend beim Gastspiel im komplett ausverkauften Schlosshof vor über 4500 meist jugendlichen Besuchern. Die kamen aus ganz Deutschland, aus dem Kreischen, Singen und Staunen nicht mehr heraus.

90 Minuten lang jagte ein Höhepunkt den nächsten. Das lange Warten hatte sich gelohnt, denn einige der Hardcore-Fans hatten das Schloss schon seit Freitagnacht belagert, wie die jungen Damen aus Ebrach, Kiel, Hannover und Braunschweig.

Mit vielen Hits seiner vergleichsweise jungen Karriere, allerlei Show-Effekten und souveräner Bühnenpräsenz verblüffte der 26-Jährige aus Bad Oldesloe. Das Tiefdruckgebiet gleichen Namens (Vincent) verschonte die Menge und es prasselten nur die Papierschlangen, die mehrfach aus Hochdruck-Kanonen abgefeuert wurden, auf die Köpfe, Flammen züngelten bis an die Bühnendecke, Riesenballons schwebten durch den Schlosshof und letztlich machte sich Wincent Weiss, ein Wunsch-Schwiegersohn par excellence, selbst zum Objekt der Begierde: Zwei Mal stieg er in die Schar der begeisternden Mädels direkt vor der Bühne hinab - einmal um ein Geburtstagsgeschenk zu überreichen und beim zweiten Mal, um sich beim Stagedive auf Händen tragen zu lassen. Mutig und sportlich der Junge.

Neben der Körpersprache beherrscht er auch die perfekte Kommunikation mit der Anhängerschaft und kommt dabei so ehrlich und aufrichtig daher. Ein netter Kerl halt. Ob aber der Autor des Transparents mit der Aufschrift "Werde mein Lieblings-Schwiegersohn" die Erzählungen von den One-night-stands (vor "Jemand vermissen") und der Sehnsucht nach der Ex ("Ein Jahr") wirklich so befruchtend fand? Mit dem post-pubertärem Gehabe und Gequatschte trifft der Jungstar den Stimmungsnerv der Jugend (und auch vieler Muttis). Die Angebote aus dem Auditorium waren eindeutig: Bier gegen Umarmung!

Einnehmend und inspirierend war auf jeden Fall die Musik seiner zwei bisher veröffentlichten Alben, weniger die zwei Medleys mit Gassenhauern wie "Ich und mein Holz", Pocahontas", "Cherry cherry lady" und "Kordula Grün", was einem Abstecher ins Bierzelt glich, oder den Anleihen bei Mark Forster und Max Giesinger (was auf Austauschbarkeit der ganzen Casting-Showteilnehmer schließen lässt).

Dabei sorgt doch das eigene Material für Euphorie, wie die Auftaktnummer "Kaum erwarten". Immerhin hatten die Fans den Chartstürmer den Tag über schon drei Mal im Radio gehört. Die weiteren Hits streute Weiss geschickt in den Verlauf des Programms ein: "Da müsste Musik sein", "Frische Luft" und zum Ende "Feuerwerk".

Mächtig unterstützt wird Weiss dabei von seinen Musikern. Die hat er 2016 übrigens das erste Mal in Haßfurt getroffen. Und so forderte er bei den Publikums-Chören dazu auf, dass "man Euch bis nach Haßfurt hören muss". Bei den Musikern handelt es sich allesamt um einstige Musikstudenten aus Würzburg, die sich in sich einer Band namens "Mamas Lieblinge" zusammengetan hatten.

Schlagzeuger Florian Kettler ist in Haßfurt gut bekannt durch die Reihe "Jazz mal anders". Er wurde in Schweinfurt geboren, wuchs in Obertheres auf, wo er im Musikverein spielte, ebenso wie in der Bigband des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt.

Jetzt lebt er in Sand und unterrichtet in der Bläserklasse der Grundschule Zeil.

Gitarrist Benni Freibott, der über eine vorzügliche Stimme verfügt und auch schon in Jesserndorf aufgetreten sein soll, stammt aus Röthlein und lebt nun in Würzburg (auch als Musikdirektor des Mainfranken-Theaters), ebenso wie Bassist Manfred Sauer, der im Landkreis Würzburg aufwuchs. Einzig Keyboarder Manuel Weber ist kein Unterfranke. Er stammt aus Weißenburg und wohnt nun in München.

"Wir sind vor drei Jahren zu unserer gemeinsamen Reise gestartet und spielen nun hier im Frankenland vor auskauften Häusern", wunderte sich Senkrechtstarter Wincent Weiss über den eigenen Erfolg - "Vor drei Jahren waren die Säle bei 120 Leuten schon voll, jetzt sind es 5000." Und ein Ende ist nicht absehbar....

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