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Mode

Die Haßberge-Tracht geht online: DIY-Näher können Schnittmuster herunterladen

Bei einer Modenschau auf Schloss Oberschwappach hatte die Haßberge-Tracht 2016 ihren ersten Auftritt. Nun soll das historische Kleidungsstück ganz modern vermarktet werden - denn die Schnittmuster gibt es demnächst als Download.
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Der Maßstab passt schon mal: Renate Ortloff feilt noch an den Schnittmustern, damit die Trachten am Ende perfekt sitzen. Foto: Teresa Hirschberg
Der Maßstab passt schon mal: Renate Ortloff feilt noch an den Schnittmustern, damit die Trachten am Ende perfekt sitzen. Foto: Teresa Hirschberg
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Ein Stück Haßberge im Kleiderschrank - und das mit nur ein paar Klicks! Das neue Projekt des Kulturraums macht es möglich: Vor vier Jahren schneiderten Frauen aus dem Landkreis ihre eigene Haßberge-Tracht, nun sollen die dazugehörigen Schnittmuster online zum Download angeboten werden. Eingefädelt hat das Ganze die scheidende Kulturbeauftragte des Landkreises, Renate Ortloff. Doch bis die Haßberge-Tracht 2.0 Realität wird, muss ihr Team noch ein paar Anpassungen vornehmen.

In einer noch unfertigen Prototyp-Tracht und mit piksenden Stecknadeln im Mieder präsentierte Ortloff im November 2015 erstmals die Idee zur Haßberge-Tracht. 44 Frauen meldeten sich daraufhin für den Nähkurs an, trafen sich vier Monate lang jede Woche und ließen unter Anleitung von Schneiderin Anni Ernst die Nähmaschinen rattern.

Wie alles begann: Möge die Tracht mit euch sein!

"Man hat einen ganz anderen Bezug dazu, wenn man weiß, wie aufwendig die Stickereien sind", sagt Ortloff heute. "Da sitzt man wirklich stundenlang dran." Die finale Kollektion führte die Gruppe bei einer Modenschau im Schloss Oberschwappach vor.

Schnittmuster für jeden zugänglich

Damit die Schnittmuster nun nicht im Archiv verstauben, hat sich Ortloff etwas einfallen lassen: "Die werden ins Internet gestellt und da kann sie sich jeder runterladen!" Denn nach der Modenschau meldeten sich immer wieder Frauen bei ihr, die anfragten, ob sie ein Exemplar ausleihen oder die Tracht gleich selbst nachschneidern könnten. "Wir haben zwar den Schnittmusterbogen im Haus, aber nur einmal im Original", erzählt die 62-Jährige. "Dann standen die Frauen da und haben das Muster abgemalt. Das war eine Zumutung!"

Designerin Peggy Hasselmann sitzt in ihrem Atelier im niedersächsischen Kirchgellersen gerade am Feinschliff der Schnittmuster: Bluse und Mieder bestehen aus mehreren Vorlagen, darunter Seiten- und Rückenteile sowie ein Innenfutter. Die Kundinnen können sich anhand verschiedener Farben orientieren, welcher Umriss ihrer Konfektionsgröße entspricht - 36 bis 46 stehen zur Auswahl. Eine entsprechende Größentabelle soll es ebenfalls auf der Homepage geben.

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"Die Kundinnen können auch wählen, ob sie ein Futter ins Mieder nähen möchten oder nur Belege, wenn das für den Sommer zu warm ist", erklärt Ortloff. "Das alles sieht der Schnittmusterbogen vor." Der gestickte Rautenkranz, der vom Ausschnitt des Mieders über die Träger verläuft, wurde vom Landkreis-Wappen inspiriert. Auch dafür will der Kulturraum eine Vorlage onlinestellen. Für Schürze und Rock samt Volants gibt es dagegen kein Muster, sondern eine Anleitung mit Angaben zu passenden Stoffarten, -mengen und -maßen.

Im Januar sollen alle Schnittmuster auf der Homepage des Kulturraums Haßberge als PDF-Version und kostenlos zur Verfügung stehen. "Die Kunden bekommen den Schnitt auf Papier und können ihn entweder im DIN A4-Format daheim ausdrucken oder als A0 an eine Druckerei schicken, falten und einpacken lassen", erklärt Designerin Hasselmann die Technik hinter der Online-Tracht. Die insgesamt 16 A4-Seiten müssen anschließend aneinander geklebt werden, um mit dem kompletten Schnittmuster arbeiten zu können.

Zufrieden mit Testversion der Tracht

Um sicherzugehen, dass die Muster auch dem richtigen Maßstab entsprechen, hat die Rügheimerin Ilse Weiß den Schnittbogen getestet. "Wir haben das Muster in Größe 38 nachgenäht und es passt perfekt", freut sich Ortloff. Die Stoffe dürfen Hobby-Näherinnen selbst wählen, für die Werktagstracht eignen sich beispielsweise Baumwolle oder Leinen, für die Festtagsvariante edlere Materialien wie Seide. Auch bei der farblichen Gestaltung will Ortloff keine Vorgaben machen. "Aber perfekt wäre es natürlich, wenn man sich an den Landkreis-Farben rot, grün, schwarz und gelb orientiert. Wenn man die Feinheiten des Schnitts kennt, erkennt man die Haßberge-Tracht aber auch, wenn sie komplett blau wäre."

Unsere Redakteurin Brigitte Krause war beim Trachten-Nähkurs dabei - so erging es ihr zwischen Nähmaschine, Stecknadel und Co.!

Den Schwierigkeitsgrad beim Nachnähen schätzt Ortloff als mittelschwer ein. "Wenn man ein bisschen Übung hat, geht das schon. Ein Kunstwerk ist es nicht, aber Arbeit. Handarbeit eben." Die 62-Jährige hofft, dass die Haßberge-Tracht dank der Online-Schnittbögen vermehrt auf den Kleiderbügeln im Landkreis hängen wird. "Denn man ist immer im Gespräch mit so einem Kleidungsstück. Das ist schon cool."

4 Teile gehören zur Haßberge-Tracht: Bluse, Mieder, Rock und Schürze. Wer es lässiger mag, kann auch T-Shirt und Turnschuhe dazu tragen.

Per Mausklick zur Tracht:

Homepage Ab Mitte Januar sollen die Schnittmuster auf www.kulturraum.hassberge.de unter dem Reiter "Unsere Haßberge-Tracht" zum Download bereitstehen.

Kennzeichen Die Bluse ist hoch geschlossen, der Arm gebunden, das Mieder ist eng und glatt, die Schürze schmal, wird seitlich geknöpft und hat einen Volant. Der Rock ist gestiftelt und hat ein Kittelblech.