Zeil am Main
Rundreise

Die Bürger sollen mit den Bauern reden

Der unterfränkische Regierungspräsident Eugen Ehmann besuchte vier landwirtschaftliche Betriebe im Kreis Haßberge.
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Landwirt Daniel Diehm und sein GbR-Partner Mathias Rippstein zeigten auf einem Dinkelfeld zwischen Zeil und Sand die eingesetzten Maschinen. Im Vordergrund ist gut zu erkennen, welchen Schaden die Wildgänse auf dem Feld angerichtet haben.  Christian Licha
Landwirt Daniel Diehm und sein GbR-Partner Mathias Rippstein zeigten auf einem Dinkelfeld zwischen Zeil und Sand die eingesetzten Maschinen. Im Vordergrund ist gut zu erkennen, welchen Schaden die Wildgänse auf dem Feld angerichtet haben. Christian Licha
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"Wir dürfen nicht nur übereinander, sondern müssen auch miteinander reden", ist der Leitspruch des unterfränkischen Regierungspräsidenten Eugen Ehmann. Er kam bei seiner landwirtschaftlichen Informationsfahrt dieser Tage durch den Landkreis Haßberge. An vier Stationen in Zeil, Unfinden, Jesserndorf und Losbergsgereuth erhielt Ehmann einen Einblick in die unterschiedlichen Betriebsarten und machte sich so ein Bild, wo die Landwirtschaft der Schuh drückt. "Alle, die aktiv an Naturschutz interessiert sind, sollten sich die Belange der Landwirtschaft anhören", forderte der Regierungspräsident und ermutigte die Bürger, auf Landwirte zu zugehen und sich deren Arbeitsbereich zeigen zu lassen.

Die Rundreise startete in Zeil bei Franz und Daniel Diehm, die rund 240 Hektar Ackerland bewirtschaften. Waren die Wurzeln des Betriebes bis vor 40 Jahren noch von Milchkuhhaltung und Zuckerrübenanbau geprägt, spezialisiere sich der Hof heute auf die Saatgutvermehrung von Weizen, Dinkel, Erbse, Feinsämereien und Klee, erklärte Daniel Diehm. Zusätzlich habe man einen Probeanbau von zwei Hektar Bio-Zuckerrüben. Im vergangenen Jahr wurde schließlich auch eine GbR zusammen mit dem Sander Winzer Mathias Rippstein gegründet.

Auf einem Feld zwischen Zeil und Sand wurde eindrucksvoll gezeigt, welche Schäden die Wildgänse regelmäßig hinterlassen. "Wenn mehrere hundert Wildgänse die Kulturfrucht abgegrast haben, kommt nur noch Unkraut nach", sagte Matthias Rippstein und erläuterte gleichzeitig, dass das Bejagen schwierig sei. Die Gänse seien nämlich sehr schlaue Tiere, die den Jäger schon von weitem wahrnehmen. Regierungspräsident Ehmann zeigte sich erstaunt, dass das Ausmaß der Schäden so groß sei: "Ich habe es zuerst für Trockenschäden gehalten, aber es ist schon massiv, was die Wildgans hinterlässt."

Den Wandel der Zeit zeigte die Familie Kettler in Unfinden dem Regierungspräsidenten und seinen mitgereisten Fachleuten auf. Habe man sich bis 2008 noch auf Ferkelhaltung im Althof konzentriert, erforderte damals der Markt eine Umstellung. Zusammen mit seinem Sohn Jan, einem gelernten Agrarbetriebswirt, entschloss sich Landwirtschaftsmeister Edgar Kettler zusätzlich zur Aussiedlung von 1200 Mastschweineplätzen vor den Toren des Dorfes. Im Stammgehöft werden mit 200 Muttersauen zwar immer noch Ferkel gezüchtet, zwei Drittel davon kommen jedoch in die eigene Mastanlage. Edgar Kettler kritisierte die neue Nutztierverordnung, die die Zucht erschwere und die Chancen auf eine Wertschöpfung zunichte mache. Jan Kettler formulierte es noch drastischer: "Die drei K-Themen werden über die Zukunft der Schweinehaltung entscheiden." Gemeint damit sind die Kastration, die Kastenhaltung und der Kupierverzicht.

Ab 2021 sollen neue Regeln für die Kastration eingeführt werden. Unter anderem soll diese dann entweder unter Vollnarkose durch einen Tierarzt vorgenommen werden oder die Narkose durch Isoflorangas durch den Landwirt selber anwendbar sein. Nach Kettlers Ausführungen haben beide Methoden erhebliche Nachteile der bisherigen Praxis gegenüber. Der Landwirt fordere deshalb eine Lösung wie in Schweden, wo die Schweinehalter selber eine örtliche Betäubung vornehmen dürfen.

Stefan Thierfelder, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Schweinfurt, führte die Teilnehmer der Rundreise in den Eberner Stadtwald in der Gemarkung Jesserndorf, an den auch ein Privatwald angrenzt. Letztes Jahr sei man noch optimistisch gewesen, dass sich die Buche nach dem Trockenjahr 2018 erholen werde. Die Erwartungen seien jetzt jedoch gedämpft, so Thierfelder, denn es seien spürbare Folgeschäden zu erkennen. "Wir haben noch überwiegend Trockenschäden, aber der Käfer holt auf", fasste Jürgen Hahn, Abteilungsleiter beim AELF, zusammen. Bäume, die durch Käferbefall geschädigt seien, müssen unverzüglich aus dem Wald geholt werden. Hierzu müssen Lagerplätze gefunden werden, die mindestens 500 Meter vom nächsten Fichtenbestand entfernt sind, um nicht andere Bäume zu gefährden. In der Zukunft werde die Eiche gebraucht als tragendes Gerüst, die zusammen mit anderen Mischbäumen die zukünftigen Wälder prägen soll, erfuhren die Besucher.

Als Vorzeigebetrieb in der Milchkuhhaltung darf der Erlebnisbauernhof Leyh im Rentweinsdorfer Ortsteil Losbergsgereuth gelten. Markus und Ute Leyh bewirtschaften hier 240 Hektar Ackerfläche, wobei 75 Hektar Grünland sind. Neben rund 120 Kälbern und weiblichem Jungvieh wird ein Laufstall mit 140 schwarzbunten Milchkühen betrieben. Hier hat bereits seit neun Jahren die moderne Technik Einzug gehalten. Bei zwei Melkrobotern, die in Kürze durch neue Modelle ausgetauscht werden, können die Kühe eigenständig zum Melkstand gehen. Sollte die Kuh bereits gemolken sein, wird sie wieder hinausgeleitet, während bei den anderen Tieren, das Melken vollautomatisch geht. Der Roboter erkennt hierbei mittels Laser die Euter und pumpt die Mich ab. So werden rund 4000 Liter Milch am Tag erzeugt. Auch ist der Bauernhof als Lernort bekannt. Ute Leyh macht jährlich rund 100 Führungen und bringt Kindern das Thema Landwirtschaft näher.

In der Abschlussdiskussion war Regierungspräsident Ehmann positiv überrascht, dass viele jüngere Landwirte ihren Betrieb sehr kundig in die Zukunft führen. Jedoch fühlten sich die Landwirte in der Öffentlichkeit zu wenig gewürdigt, was Verunsicherungen auslöse. Stefan Köhler, der Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbandes, ergänzte: "Veränderungen sind da, wir brauchen Mittel und Wege und keine Vorschriften, die nicht umsetzbar sind."

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