Haßfurt
Strafprozess

Dicker Fisch in der Drogenszene ging ins Netz

Das Landgericht Bamberg verurteilte einen Dealer aus dem Kreis Haßberge zu einer dreijährigen Jugendstrafe.
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Im großen Stil mit Marihuana hat der Verurteilte gedealt. Symbolfoto: Christopher Schulz
Im großen Stil mit Marihuana hat der Verurteilte gedealt. Symbolfoto: Christopher Schulz

Ein dicker Fisch in der Drogenszene ging Beamten der Kriminalpolizei Schweinfurt am 14. November vergangenen Jahres ins Netz. Sie nahmen einen 20-jährigen Drogendealer in Haßfurt in der Wohnung seiner Lebensgefährtin fest.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hat der Heranwachsende zwischen dem 12. Januar 2018 bis zur seiner Festnahme im November in 14 Fällen rund 15 Kilogramm Marihuana teilweise zusammen mit einem Komplizen gekauft und an Konsumenten im Landkreis Haßberge und Schweinfurt weiterverkauft. Außerdem hat der 20-Jährige laut Anklage mehr als 2,5 Kilogramm Kokain gekauft, das er großteils für seinen Eigenkonsum verbrauchte, sowie 600 Gramm Haschisch und 200 Gramm Amphetamin besessen und verkauft.

Jetzt musste sich der Dealer am Jugendschöffengericht des Landgerichts Bamberg verantworten, das ihn nach Jugendrecht zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilte. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der Angeklagte gab vor Gericht die Vorwürfe im Wesentlichen zu. Er habe bis zur seiner Festnahme täglich zwei bis drei Gramm Kokain konsumiert sowie ein bis zwei Gramm "Gras" am Tag und gelegentlich Haschisch geraucht.

Laut dem ermittelnden Kripo-Beamten kam man dem Angeklagten durch ein anderes Verfahren auf die Schliche. Bei einer Telefonüberwachung eines anderen Verdächtigen wurde der Name des Angeklagten als Dealer benannt. Eine Telefonüberwachung des Handys des Angeklagten überführte ihn. Dessen Hauptlieferant war ein Dealer aus Fulda, der mittlerweile gestorben ist. Ihm hatte der Angeklagte 30 000 Euro in bar übergeben, wofür ihm der Lieferant aus Fulda fünf Kilogramm Marihuana liefern sollte. Doch dazu kam es aufgrund des Ablebens des Lieferanten nicht mehr, so dass das Geld verloren war.

Die Festnahme sei, so der Polizist, für den Angeklagten ein peinlicher Moment gewesen, da dessen Lebensgefährtin völlig von der Polizeiaktion überrascht war, da sie wohl von den Rauschgiftgeschäften ihres Freundes nichts wusste. Der Festgenommene sei sofort geständig gewesen und habe Namen von Hintermännern und Abnehmern genannt, sagte der Polizeibeamte im Zeugenstand. Drogen habe man jedoch weder in der Wohnung der Freundin noch in der Wohnung des Angeklagten gefunden, der damals noch bei seinen Eltern in einem Dorf im Maintal wohnte. Bei der Festnahme wurden das Auto des Angeklagten sowie knapp 500 Euro in bar, ein Navigationssystem und ein Handy beschlagnahmt.

Laut dem Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich stammt der Angeklagte aus einem gesunden familiären und sozialen Umfeld. Er hat eine Ausbildung abgeschlossen. Er habe Drogen aus Euphorie konsumiert, gemäß dem Motto: "Was kostet die Welt!" Durch den Drogenhandel habe der Angeklagte auf großem Fuß leben können. Er habe 2500 bis 3000 Euro für Kokain im Monat verbraucht und Geld für teure Urlaube, Klamotten und anderes ausgegeben. Seinen Eltern habe er seinen Reichtum mit einem "Zusatzverdienst" erklärt. Mit zwölf Jahren habe er erstmals Cannabis geraucht und sei dann auf härtere Drogen bis hin zu Kokain und Speed umgestiegen.

Ein Psychiater bescheinigte dem 20-Jährigen vor Gericht eine psychische Abhängigkeit von Kokain und Amphetamin sowie eine narzistische Persönlichkeitsstruktur. Der Angeklagte glaube, einzigartig zu sein. Er habe ein hohes Anspruchsdenken und einen Mangel an Empathie - typische Merkmale eines exzessiven Kokaingenusses. Die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten sei beeinträchtigt, die Schuldfähigkeit eingeschränkt, seine Einsichtsfähigkeit jedoch vorhanden. Der Psychiater sah eine zweijährige Therapie als notwendig an.

Die Staatsanwältin verzichtete auf die "Einziehung von Wertersatz". Dies hat zur Folge, dass der Angeklagte nach der Verbüßung der Haftstrafe keine Regressforderungen in Höhe von 50 000 bis 80 000 Euro zu befürchten hat. Diese Großzügigkeit seitens der Staatsanwaltschaft ist vor allem im Paragrafen 31 des Betäubungsmittelgesetzes begründet, der dem Angeklagten erhebliche mildernde Umstände in Aussicht stellt, wenn er Namen von Hintermännern nennt (Kronzeugenregelung). Die Anklagevertreterin forderte in ihrem Plädoyer daher auch nur milde drei Jahre Jugendhaft plus Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, die das Gericht so übernahm.

Richter Markus Reznik sagte dem Verurteilten, dass er in dreifacher Hinsicht Glück gehabt habe: Erstens sei er noch ein Heranwachsender, zweitens habe ihm der Psychiater verminderte Schuldfähigkeit attestiert und drittens habe er vor allem "bei der Polizei die Hosen heruntergelassen", so dass bereits ein Mittäter zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt werden konnte. Einem weiteren Verdächtigen werde demnächst der Prozess gemacht. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Verteidiger Christian Merkel bat abschließend aus verständlichen Gründen darum, dass sein Mandant nicht in dieselbe Entziehungsanstalt kommt wie der verurteilte Mittäter. Die Angst vor Rache wird der 20-Jährige wohl so schnell nicht los.



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