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Schonungen
Transplantation

Ein plötzlicher Anruf nach zehn Jahren rettete diesem Unterfranken das Leben

Eine Frau starb, ein Mann bekam ein neues Leben geschenkt: Gerhard Schröck berichtet, was Organspende für ihn persönlich bedeutet.
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Gerhard Schröck Foto: Barbara Herbst
Gerhard Schröck Foto: Barbara Herbst
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Fast zehn Jahre hatte Gerhard Schröck auf den Anruf gewartet. "Donnerstagfrüh um acht klingelte das Telefon: Wir haben eine Niere für Sie", teilte die Mitarbeiterin des Transplantationszentrums Würzburg mit. Wenn er das Angebot annehme, dürfe er ab sofort nichts mehr essen und trinken und müsse so schnell wie möglich in die Klinik kommen. "Ich hatte gerade Kaffee gekocht." Der 62-Jährige klopft neben der Glasvase mit Sonnenblumen auf die sandfarbene Plastiktischdecke seines Küchentisches. "Hier hatte ich das Frühstück hingestellt."

Nach der Transplantation - das neue Leben

Im Familienhaus in Schonungen (Kreis Schweinfurt) erinnert er sich an die Stunden im Jahr 2014, die sein Leben veränderten. Zu Essen bekam er erst am nächsten Tag wieder. Da hatte er sie schon: die Niere, die ihm eine fremde Frau gespendet hat. Gerhard Schröck weiß weder wo und wie sie lebte noch, woran sie starb. "Man soll das nicht wissen", erklärt er. Dankesbriefe werden über die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) weitergeleitet. "Aber mit dem Tod sollte sich jeder auseinandersetzen und das in der Familie diskutieren. Der Tod kann Leben retten."

Organspendeausweis? Selbstverständlich!

Ob er selbst einen Organspendeausweis hat? "Selbstverständlich", sagt er und zieht das blau-orangefarbene Papier aus seiner Geldbörse. "Ältere Menschen denken oft: Meine Organe sind so alt, verbraucht. Das ist Quatsch. Das Organ eines 70-Jährigen kann besser sein als das eines 30-Jährigen. Ich kann alles spenden - außer der kranken Niere." Mitte der 90er Jahre hatte sich herausgestellt, dass Schröck unter Zystennieren leidet. Bei dieser erblichen Krankheit wachsen mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen in der Niere. Langsam zerstören sie das Gewebe.

"Wenn ich mit meiner Frau Rad gefahren bin, hatte ich Schmerzen. Die Muskeln übersäuerten - aber ich wusste die Ursache nicht." Die Symptome sind anfangs nicht drastisch: Nierenerkrankungen werden meist durch Zufall erkannt, oder wenn es zu spät ist. Bei Schröck ging es gerade noch: Die Nierenfunktion lag bei 35 Prozent. Er beschäftigte sich intensiv mit seiner Krankheit, stellte die Ernährung um, bekam Medikamente, die das Wachstum der Zysten hemmten. Er konnte die Dialyse lange herauszögern.

Warum die Niere vorne eingebaut wird

Ein wichtiger Indikator für die Nierenfunktion ist der Kreatininwert. Normalerweise wird Kreatin über die Niere ausgeschieden, der Wert liegt etwa bei 1. "Heute habe ich 0,9. Meine Niere arbeitet gut ", sagt Gerhard Schröck und greift sich seitlich an den Bauch. Aber die Niere sitzt doch eigentlich hinten? "Bei uns Transplantierten wird sie vorn in der Leistengegend eingebaut. Hinten, wo sie eigentlich hingehört, ist kein Platz. Da sind die Gefäße - und bei mir die Zystennieren."

Die waren bis 2004 so gewachsen, dass die Nierenleistung nur noch bei bei 17 Prozent lag. Der Kreatininwert war auf 4 gestiegen. Schröck zeigt eine Erhebung in der Haut seines Unterarms: Da sitzt der "Shunt" für die Dialyse. "Ab Oktober 2004 war ich drei Mal pro Woche in Schweinfurt." Fünf Stunden hing er jedes Mal an der Maschine. "Das sind 15 Stunden pro Woche. Ihre Niere arbeitet 24 Stunden pro Tag", sagt Schröck. Dialyse sei keine richtige Therapie, nur ein Ersatz.

Janis Joplin und Rosenkranz

Eine Nebenwirkung waren bei ihm starke Kopfschmerzen. Viele Dialysepatienten klagen auch über schrecklichen Durst, denn sie sollen so wenig wie möglich trinken. Wenn die Nieren nicht arbeiten, wird kaum Flüssigkeit ausgeschieden. Sie muss in der Dialyse ausgefiltert werden. Schröck fand dafür eine eigene Methode: Er rannte auf dem Laufband im Fitnesstudio, verausgabte sich auf dem Crosstrainer, ging vor der Dialyse in die Sauna: Er schwitzte die Flüssigkeit einfach heraus. "Das geht, wenn man ansonsten gesund ist."

Der Rentner erzählt von den vielen Stunden, die er am Dialysegerät hing, während er über Kopfhörer Pink Floyd und Janis Joplin hörte. Oder religiöse Lieder. Oft betete er den Rosenkranz. "Man soll nicht jammern", sagt er. Dank Dialyse können die Patienten lange überleben. "Wenn einer herzkrank ist, muss es schnell gehen." Nieren werden am häufigsten transplantiert, weil die Patienten die beste Chance haben, die Wartezeit zu überleben. Sogar, wenn es zehn Jahre sind.

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