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Hofheim i. UFr.
Natur

Der Wald der Zukunft soll stabil sein

Das Forstamt Schweinfurt und die Forstbetriebsgemeinschaft Haßberge wollen enger zusammenarbeiten und schlossen eine Vereinbarung ab.
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Forstoberrat Jürgen Hahn und FBG-Vorsitzender Wolfgang Borst (vorne von links) unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung. Hinten von links: Forstliche Berater Jürgen Schaffhauser und Till Zimmmermann, Landtagsabgeordneter Steffen Vogel, die Geschäftsführerin der FBG, Birgitt Ulrich,, Forstlicher Berater Patrick Valtenmeier und Landrat Wilhelm Schneider. Martin Schweiger
Forstoberrat Jürgen Hahn und FBG-Vorsitzender Wolfgang Borst (vorne von links) unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung. Hinten von links: Forstliche Berater Jürgen Schaffhauser und Till Zimmmermann, Landtagsabgeordneter Steffen Vogel, die Geschäftsführerin der FBG, Birgitt Ulrich,, Forstlicher Berater Patrick Valtenmeier und Landrat Wilhelm Schneider. Martin Schweiger

Die Worte von Forstoberrat Jürgen Hahn klangen am Montag im Bürgerzentrum Hofheim dramatisch. Die Wälder in den Landkreisen Schweinfurt und Haßberge sind sein zweites Wohnzimmer. Der Wald habe in den letzten zwei Jahren gewaltig gelitten, sagte Hahn. Im Kreis Schweinfurt sei es schon immer trocken gewesen. Aber die Wälder in Kreis Haßberge habe es "mit voller Wucht getroffen". Nicht nur der Klimawandel, sondern auch die demografische Entwicklung bei den im Schnitt immer älter werdenden Waldbesitzern stellen die Forstwirtschaft nach Hahns Darstellung vor große Herausforderungen. Um diesen zu begegnen, schlossen die Forstbetriebsgemeinschaft Haßberge (FBG) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt (mit Außenstelle in Hofheim) am Montag eine Kooperationsvereinbarung, mit der ein wesentliches Element des Waldpaktes aus dem Jahr 2018 zwischen der bayerischen Staatsregierung und den forstlichen Zusammenschlüssen der Waldbesitzer auf lokaler Ebene umgesetzt wird.

Der Schwerpunkt der künftigen Zusammenarbeit liegt in der Unterstützung der Waldbesitzer beim Waldumbau sowie in gemeinsamen Fortbildungsangeboten. Dazu zählen Informationsabende, forstpraktische Schulungen sowie Lehrfahrten. Die Waldbesitzer sollen in dieser schwierigen Zeit bestmöglich unterstützt werden, damit der Wald auch in Zukunft seine wichtigen Funktionen "Ökologie, Ökonomie und Soziales" für die Gesellschaft erbringen kann, heißt es in einer Presseerklärung der FBG.

Finanzielle Unterstützung erhalten die Waldbesitzer dabei aus München. Mit einem millionenschweren Förderprogramm will Staatsministerin Michaela Kaniber (CSU) den Aufbau klimafester und artenreicher Wälder im Freistaat vorantreiben, heißt es in der Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Die Ministerin hat dazu die Zuschüsse für private Waldbesitzer und Kommunen, die zukunftsfähige Mischwälder pflanzen, pflegen und erhalten, nahezu verdoppelt. Der Freistaat übernimmt damit künftig bis zu 90 Prozent der entstehenden Kosten. "Unsere Wälder leiden sehr unter dem Klimawandel. Wir müssen sie stärken und für die Zukunft rüsten, damit wir sie für unsere Kinder und Enkel erhalten können", sagte Kaniber in München.

Weil klimafeste Zukunftswälder allen Bürgern zugute kommen, lasse der Freistaat die Waldbesitzer bei dieser Riesenaufgabe nicht allein. Bis zu 80 Millionen Euro, davon 30 Millionen Euro Bundesmittel, will die Ministerin allein in diesem Jahr bereitstellen. Sie erwartet sich davon kräftigen Rückenwind für den Umbau labiler Nadelwälder und eine rasche Wiederaufforstung der durch Stürme, Dürre oder Schädlinge entstandenen Kahlflächen. Eine besondere Herausforderung sind dabei laut Kaniber die in Bayern oft geringen Besitzgrößen: 56 Prozent des Waldes, der Bayern auf rund 1,5 Millionen Hektar bedeckt, sind auf 700 000 private Waldbesitzer verteilt. Zwölf Prozent der Wälder gehören den Kommunen, 30 Prozent dem Staat und zwei Prozent dem Bund. Im Bereich der FBG Haßberge sind von den rund 800 Mitgliedern etwa 80 Prozent Besitzer von Privatwäldern.

Ministerin Kaniber zufolge ist der Wald nicht nur Betroffener des Klimawandels, sondern auch wichtiger Teil der Lösung. Wälder seien als Klimaspeicher von unschätzbarem Wert. "Wenn Bäume wachsen, entziehen sie der Atmosphäre Kohlendioxid und speichern es als Kohlenstoff im Holz - allein in Bayern rund 27 Millionen Tonnen pro Jahr", so Kaniber. Weil aber sterbende Bäume das Klimagas wieder freisetzen, sei es entscheidend, die Wälder auf Dauer intakt, stabil und vital zu halten. Dafür brauche es Baumarten, die dem Klima der Zukunft standhalten können. Zudem seien die Waldbesitzer gut beraten, in ihren Wäldern künftig auf drei oder mehr unterschiedliche Baumarten zu setzen, um klimabedingte Risiken zu streuen.

Weil es hier an Erfahrung oft fehlt, hat die Ministerin jetzt von einer Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Praktikern Leitlinien für die Praxis erarbeiten lassen. Sie zeigen Chancen und Risiken für bereits etablierte sowie alternative Baumarten und sollen die Auswahl geeigneter Baumarten für stabile Zukunftswälder erleichtern.

Laut Aussage des Landtagsabgeordneten Steffen Vogel ist es das Ziel der Regierung, den Waldbesitzern finanzielle Anreize zur Anpflanzung bereitzustellen. Landrat Wilhelm Schneider betonte, jeder Waldbesitzer werde gebraucht, um den Wald für die Zukunft aufzustellen. Der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst, der Vorsitzender der FBG Haßberge ist, will im Mai mit Waldbesitzern und Jägern zusammen ein Gespräch führen. Nach seiner Ansicht bietet die Naturverjüngung dem Wald die besten Überlebenschancen.

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