Kirchlauter
Jubiläum

Der Tag, als Kirchlauter entstand

Vor 40 Jahren war die jetzige Gemeinde ein Ergebnis der Gemeinde-Gebietsreform. Altbürgermeister Peter Kirchner erinnert an die damaligen Ereignisse.
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Einen Blick zurück auf die Gemeindegebietsreform und ihre Folgen warfen (von links) Altbürgermeister Peter Kirchner, Rupert Göller, Heinz Stretz, Alfons Kirchner, Philipp Sebald, Bernhard Schlereth, Staatssekretär a.D. Albert Meyer und Winfried Schmitt. Günther Geiling
Einen Blick zurück auf die Gemeindegebietsreform und ihre Folgen warfen (von links) Altbürgermeister Peter Kirchner, Rupert Göller, Heinz Stretz, Alfons Kirchner, Philipp Sebald, Bernhard Schlereth, Staatssekretär a.D. Albert Meyer und Winfried Schmitt. Günther Geiling
"Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich auf den heutigen Tag gefreut habe. Vor 15 Jahren haben wir silberne Hochzeit gefeiert und heute ist es genau 40 Jahre her, dass die jetzige Gemeinde Kirchlauter ihren ersten Schritt machte. Das war die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates." Dies betonte Peter Kirchner bei einer einer "Nostalgie-Veranstaltung" zur Gemeinde-Gebietsreform im Sportheim von Kirchlauter.

Der langjährige Bürgermeister der neuen Gemeinde Kirchlauter hatte dazu eingeladen, um noch einmal an die Gebietsreform, aber auch die Auswirkungen dieser Gemeindezusammenlegung zu erinnern. Unter den damaligen Mitstreitern waren Dieter Iberl aus Pettstadt, Bernhard Schlereth aus Kirchlauter und Thomas Kempf vom Bauhof genauso wie die der ehemalige Zweite Bürgermeister Heinz Stretz aus Neubrunn und Alfons Kirchner, die schon eine Periode vorher, nämlich 1972, in den Gemeinderat eingezogen waren oder Philipp Sebald, der vor 40 Jahren vereidigt wurde.

Dabei war aber auch der ehemalige Finanzstaatssekretär Albert Meyer sowie Winfried Schmitt, ein ehemaliger Mitarbeiter der Flurbereinigungsdirektion aus Würzburg. "Ihm haben wir vor allem das Schmiedemuseum in Kirchlauter zu verdanken", betonte Peter Kirchner.


Der Landkreis stand auf dem Spiel

Erinnert wurde auch an Alfred Gengenbach, den Vater der "Heilig-Länder-Halle" in Neubrunn, an den "roten Bruder" Reinhold Kaiser von Kirchlauter oder an Rudolf Heiles von Pettstadt, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Ganz anders FT-Reporter Ralf Kestel, der mit seiner Betitelung der Flurbereinigungsbehörde als "Mehlpapp" in Würzburg für "Furore" gesorgt hatte.

"Manchmal habe ich viel Tadel einstecken müssen für etwas, für das ich nichts gekonnt habe. Aber es gab auch Lob für viele Sachen", meinte Peter Kirchner rückblickend. Meyer erinnerte daran, dass der Landtag schon 1966 beschlossen hatte, eine solche Reform durchzuführen. "Um eine Haaresbreite hätte es den Landkreis Haßberge nicht gegeben, weil er unter Umständen zwischen den Städten Schweinfurt, Bamberg und Coburg aufgeteilt werden sollte. Die Diskussion um die Stadtumlandkreise war ein echtes Problem und zum Glück ist die Reform trotzdem richtig verlaufen."


Ebelsbach-Nord und Ebelsbach-Spüd

Auch das Lamping-Gutachten kam dabei zur Sprache, dass ja im Bereich von Ebelsbach von einer Gemeinde Ebelsbach-Nord mit Breitbrunn, Lußberg, Kirchlauter und Neubrunn ausging und einer Gemeinde Ebelsbach-Süd mit Ebelsbach und Stettfeld. Hier habe auch der damalige Bürgermeister von Breitbrunn, Erhard Brünner, sich vehement dafür ausgesprochen, dass Ebelsbach-Nord keine Lösung werden dürfe.

Peter Kirchner ging dann auf die Folgezeit ein und nannte die Flurbereinigung mit Dorferneuerung einen Segen für die Gemeinde. "Du hast uns viel Gutes getan trotz Krisensitzungen. Die Dorferneuerung Neubrunn hat nämlich immerhin zwölf Millionen Mark", lobte er den damaligen Vorsitzenden Winfried Schmitt vom Amt für ländliche Entwicklung.

Dieser ging dann noch einmal auf den Presseartikel ein und sagte ganz offen "dieses Schlagwort vom Mehlpapp ist mir wirklich auf den Säckel gegangen. Ich habe meine Arbeit so gut wie möglich gemacht und manchmal dauert es halt etwas länger. Deswegen bin ich dann auch zum Abteilungsleiter gegangen, um dies zu besprechen. Im Laufe der Zeit ist der Mehlpapp lockerer geworden und der Bürgermeister wird gemerkt haben, dass man mit den Geldern der Dorferneuerung auch schöne Torten backen kann."


Von der Dorferneuerung profitiert

Dabei habe man ja in Neubrunn von der umfassenden und in Kirchlauter nur von der punktuellen Dorferneuerung profitiert, bemerkte Peter Kirchner. Trotzdem sei alles harmonisch gelaufen. Heinz Stretz ergänzte: "Was in Neubrunn gelaufen ist, ist einmalig und nachhaltig. Die Heilig-Länder-Halle ist zu einem Selbstläufer geworden, obwohl es um ihr so viele Diskussionen gegeben hat." Auch Peter Kirchner, der anfangs etwas skeptisch war, bekräftigte im Nachhinein: "Die Dorfgemeinschaft hat einen Vertrag unterschrieben, den es in ganz Unterfranken nicht gegeben hat. Das Dorf brauchte natürlich einen Kommunikationspunkt."

Aber auch das Engagement der Bürger sei enorm gewesen. Ebenso habe man auch in Kirchlauter ein Zeichen gesetzt und die mit 1,3 Millionen DM angesetzte Bachsanierung der Lauter mit 176 000 DM abgerechnet. Abschließend meinte Kirchner, über "40 Jahre Gemeinde Kirchlauter" brauche man zwar nicht stolz und überheblich sein, aber zumindest dankbar und ein wenig zufrieden. "Dazu können wir uns freuen, dass jeder Kirchlauterer derzeit ein Pro-Kopf-Guthaben von 772 Euro hat."


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