Zeil am Main
Weinlese

Warum der 2018er in Franken ein Superwein wird

Winzer, die sich an ein Jahr wie 2018 erinnern wollen, müssen so um die 500 Jahre alt sein. Die wohl früheste und kürzeste Weinlese in Franken geht zu einer Zeit zu Ende, zu der sie sonst erst richtig startet. Es wird ein Spitzenjahrgang.
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Alle reden von der Digitalisierung. Aber Weinlese ist immer noch vor allem Handarbeit.
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Im Würzburger Juliusspital  ist es vor Kurzem gelungen, einen Blick in eine verschlossene "Schatzkiste" zu werfen. Das Auge eines Endoskops erspähte ein paar Papierschnipsel und ein Stück Schnur. Ein Schatz ganz anderer Art ruht im anderen Spital in Würzburg: Das Bürgerspital hütet den ältesten noch trinkbaren Wein wie seinen Augapfel, eine Flasche Steinwein von 1540.

Es könnte sein, dass die staubige Flasche im Keller bald schon nicht mehr so besonders ist. Denn der Jahrgang 2018 schickt sich an, dem Wein aus dem Mega-Sommer 1540 die Schau zu stehlen. Damals fiel in Franken monatelang kein Regen, die Ernte verdorrte, einzig der Wein gedieh im Dauer-Sommer. Die Winzer in Würzburg ernteten damals eine Super-Spätlese, der Wein aus den "Rosinen" dürfte unbegrenzt haltbar sein.

Normal - was ist das?

Selbst wenn er es nicht in die Schatzkammer schafft, ist der 2018er ein Wein,, über den die Winzer noch lange sprechen werden. Und das heißt was, denn Weinbauern wie Roger Nüßlein und sein Vater Anton aus Zeil haben schon lange kein "normales" Weinjahr mehr erlebt. "Aber 2018 stellt alles in den Schatten", sagt Nüßlein Junior - ein witziges Wortspiel. Schatten war 2018 Mangelware.

So müssen die Winzer überall in Franken wieder einmal mit dem Wetter um die Wette lesen - genau wie im Jahr davor, nur unter umgekehrten Vorzeichen. "2017 hat uns die Nässe in den Weinbergen zu schaffen gemacht. Die Trauben waren kaum reif und schon von Fäulnis bedroht", erinnert sich Roger Nüßlein. Heuer stehen die Weinstöcke unter Trocken- und Hitzestress, die Trauben bekommen Sonnenbrand, was sie ebenfalls anfällig für Krankheiten macht.

Im verrückten Weinjahr 2018 werden, so eine erste Zwischenbilanz des Deutschen Weininstituts, in vielen Regionen alle Rebsorten nahezu zeitgleich geerntet, hier und da sogar die späten Sorten früher als die frühen.

Tröpfchen für die Tröpfchen

"Der entscheidende Faktor ist das Wasser, und da gibt es aufgrund der seltenen und sehr unregelmäßig verteilten Niederschläge sogar innerhalb einzelner Weinlage große Unterschiede", so ein Sprecher des Instituts.

Nun stammen die Urahnen der fränkischen Weinreben aus dem Süden und stecken einen Sommer wie 2018 an sicher locker weg. Dem fränkischen Weinbau-Präsidenten Artur Steinmann schwant trotzdem nichts Gutes, sollten Extreme wie 2018 gehäuft auftreten. Dann wird man nach seiner Ansicht nicht umhin kommen, einen Großteil der Weinberge künstlich zu bewässern. Der Begriff "gutes Tröpfchen" ist dann doppeldeutig.

2018 aber erst einmal eindeutig: Steinmann, Nüßlein und Co. erwarten einen guten bis sehr guten, wenn nicht gar einen Spitzenjahrgang. Das Potenzial ist da für einen Jahrhundert-Wein, sagt der Präsident. Fünf-Jahrhundert-Wein sagt er nicht. Der Schatz in der Flasche in Würzburg bleibt wohl einzigartig.



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