Haßfurt
Prozess

Der Spiegel flog davon, und die Probleme begannen

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 83-Jährigen wegen Unfallflucht zu einer Geldstrafe und einem Fahrverbot. Dabei hatte der Rentner noch Glück.
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82 Jahre lang hat ein heute 83-jähriger Rentner aus dem nördlichen Landkreis Haßberge ein straffreies Leben geführt. Weder im Bundeszentralregister noch im Verkehrszentralregister ist sein Name jemals aufgetaucht. Nie ließ er sich etwas zu Schulden kommen - bis zum 11. Dezember vergangenen Jahres, als der Senior nachmittags gegen 16.15 Uhr mit seinem VW Golf in der Industriestraße in Haßfurt unterwegs war. An einer engen Stelle berührte er mit seinem Außenspiegel den elektrischen Außenspiegel eines dort geparkten Audi, der daraufhin abfiel. Es entstand ein Schaden von 1970,97 Euro am Audi.

Doch anstatt anzuhalten und die Polizei zu rufen, fuhr der Rentner weiter - jedoch nicht unbemerkt. Ein Zeuge hatte den Knall beim Unfall gehört und sich das Kennzeichen am Auto des Unfallflüchtigen gemerkt und sofort die Polizei informiert. In der Folge erhielt der Rentner einen Strafbefehl über 1600 Euro und - was ihn noch viel mehr schmerzte - eine Fahrsperre von vier Monaten. Er legte Einspruch ein, so dass er am Freitag zum ersten Mal in seinem Leben auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt Platz nehmen musste.

Dort beteuerte er dem Gericht, dass er auf seinen Führerschein dringend angewiesen sei, weil er seine Frau regelmäßig zum Psychiater fahren müsse. Seit dem Tod des gemeinsamen Sohnes habe sie Depressionen und Schwindelanfälle. Seit 65 Jahren sei er Verkehrsteilnehmer und sei auch elf Jahre lang Lastwagen gefahren.

Anklagevertreter Ilker Özalp hatte ein Einsehen. Er beließ es in seinem Plädoyer zwar bei der Geldstrafe von 1600 Euro, beantragte aber nur ein viermonatiges Fahrverbot anstatt der Fahrsperre.

Verteidiger Alexander Wessel hielt die Geldstrafe von 1600 Euro für angemessen, sah aber ein Fahrverbot von zwei Monaten als ausreichend an, da damit die "Denkzettelfunktion" erfüllt sei. Die Kinder seines Mandanten wohnten weit weg, so dass sie ihre Mutter nicht fahren könnten.

Richterin Ilona Conver ließ aufgrund der blütenreinen Weste des Angeklagten Milde walten. Sie blieb zwischen den Forderungen des Anklagevertreters und des Rechtsanwalts. Sie beließ es bei der Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen zu je 40 Euro und verhängte ein dreimonatiges Fahrverbot. Dies hat zur Folge, dass der 83-Jährige nach Ablauf der Dreimonatsfrist seinen Führerschein zurückerhält und nicht neu machen muss, was einem 83-jährigen Mann wohl nicht leicht fallen würde.

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