Ebern
Faschingstreiben

Der Pfarrer reimt, der Gaudiwurm (k)ringelt

In der Eberner Kirche wurde am Faschingssonntag fest gelacht. Beim Umzug mit 16 Motivwagen genauso. Gottesdienst und Gaudiwurm - wie passt denn das zusammen? Es funktioniert bei einem volkstümlichen und humorvollen Pfarrer, der das Ohr ganz nah an seinen "Schäfchen" hat, und mit dem Faschings-Obernarr gut befreundet ist, auch wenn der einer anderen Konfession angehört.
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Die Zugspitze mit dem Oberschaffner Eberhard Wohl.
Die Zugspitze mit dem Oberschaffner Eberhard Wohl.
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Dies ist der Fall Stadtpfarrer Rudolf Theiler und Kulturringsvorsitzendem Eberhard Wohl. Und so marschierte der Elferrat am Faschingssonntag im vollen Ornat zur Messe am Vormittag in der Stadtpfarrkirche ein, ehe er am Nachmittag an der Spitze von fast 70 Gruppen durch die Stadt zog.

Vorher hatten sie aber den Spott des Geistlichen über sich ergehen lassen müssen, der die Pappnase und Narrenkappe aufzog und sich den Faschingsorden umhängte.

Der Pfarrer lästerte in Versform, dass die Elferräte bei der Kollekte sicher Scheine geben. "Das muss ja fürs ganz Jahr reichen", spielte er auf seltene Anwesenheit an. Auch ließ er die bunten Abende nochmals Revue passieren und ermunterte seinen Freund, der sich mit Rückzugsgedanken trägt: "Eberhard, ich sag's Dir gleich, so schnell darfst nicht aus dem Amte weich'" Auch die beiden Bürgermeister-Kandidaten bekamen einen Seitenhieb ab.

Auch sonst gab Pater Theiler
den Wahlkämpfer. Er erzählte von einer Oma, die sich darüber freute, dass es bei der SPD Bratwörtscht und Bier gibt, bei der CSU Kaffee und Kuchen. "Nur bei den Freien Wählern gibt's nix. Denen werd' ich 's in der Wahlkabine zeigen. Dena ihrn Kreis streich ich fest durch."

Auch das Beichtgeheimnis lüftete der Stadtpfarrer, der trotz seines umgänglichen Naturells so gestreng dreinschauen kann: "Kam eine Frau in den Beichtstuhl. Herr Pfarrer, ich habe gesündigt, es ist meine Eitelkeit. Jeden Morgen schaue ich in den Spiegel und sage mir, Du bis die Schönste." Der Pfarrer schaut sich die Frau genauer an und spricht sie frei: "Das ist keine Sünde und keine keine Eitelkeit. Das ist ein Irrtum."

Selten wird in einer Kirche so viel gelacht wie am Faschingssonntag in St.Laurentius.

Nicht weniger lustig ging's beim Faschingszug zu. 69 Programmnummern, sechs Musikkapellen, 16 Motivwagen, sieben Prinzenpaare, viele Garden und Fußgruppen versetzten tausende Besucher unter Volldampf, wie das Motto lautete . Und Volldampf gaben auch alle Akteure, die für einen zweistündigen Rekordumzug und einen Massenauflauf in der Innenstadt sorgten, wie man sich ihn häufiger wünscht.

"Unter Dampf" waren nicht nur die vielen Zuschauer, die begeistert mitgingen, sondern auch Wagen wie der der Fleisch- und Wurstfreunde Heubach oder der Feuerwehr. Es waren aber auch viele Gruppen aus den Stadtteilen und umliegenden Gemeinden vertreten.

Konfetti und Luftschlangen ließen sich übrigens schnell und leicht entsorgen: Am Rosenmontag ist Papiermüllabfuhr. Dann kommt der Müll-Laster.
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