Nassach

Der letzte Glasbläser in den Haßbergen hört auf

Alfred Raspl aus Nassach in den Haßbergen hat 55 Jahre lang als Glasbläser gearbeitet. Seine filigranen Werke schmücken Wohnzimmer rund um den Globus . Schweren Herzens geht der Mann, bei dem 365 Tage im Jahr Weihnachten ist, jetzt in den Ruhestand.
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Maßarbeit: Jedes Stück aus Nassach ist ein präzise gefertigtes Unikat.
Maßarbeit: Jedes Stück aus Nassach ist ein präzise gefertigtes Unikat.
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Es duftet nicht nach Lebkuchen und Glühwein, es riecht nach Arbeit. Nach Lack und Propangas. So recht gemütlich ist die Stube auch nicht, in der Alfred Raspl sitzt. Aber warm ist es hier. Die Tür geht auf, und es weihnachtet sehr.

Der Weihnachtsprofi

Mehr Weihnachten geht eigentlich gar nicht, auch wenn anderswo viel mehr Lametta ist. Denn der fröhliche Mann mit den Handwerkerhänden und Künstleraugen ist so etwas wie ein Weihnachtsprofi. Seit 55 Jahren, an 365 Tagen im Jahr. Der Glasbläser aus dem lauschigen Nassach in den Haßbergen hat, grob geschätzt, gut und gerne 20 Millionen Christbaumkugeln, Glöckchen, Engelchen ... gefertigt, sein filigraner Festschmuck verschönert die Wohnstuben rund um den Globus.


"Die Amerikaner vor allem, die waren immer ganz wild auf meine Sachen", sagt er, und es klingt ein wenig Wehmut mit: Nach 55 Jahren hängt Alfred Raspl seinen Beruf jetzt an den Nagel. Nach mehr als einem halben Jahrhundert mit Feuer und Flamme. Hier passt das Bild. "Man merkt die Jährchen, wenn man den ganzen Tag am Arbeitsplatz sitzt", sagt er.

Der Onkel in Lauscha war sein Lehrmeister

Der Zuschauer freilich staunt. Mit der Erfahrung seiner vielen Jährchen zaubert Alfred Raspl, dessen Lehrmeister sein Onkel aus Lauscha in Thüringen war, aus einer simplen Glasröhre im Handumdrehen die schönsten Kunstwerke. In der 1000 Grad heißen Gasflamme wird das zerbrechliche Material butterweich, mit geschickten Drehungen und dem präzise dosierten Druck in der Glasröhre schafft der Meister alle denkbaren Formen.

Auch das Schaffen ist sehenswert. Das farbige Spiel der Flammen und die sicheren Bewegungen der Zaubererhände lassen den Gast wehmütig werden: Wenn in der kleinen Werkstatt 2014 die Flamme verlöscht, geht ein Stück Handwerkskunst verloren.

Schade. Alfred Raspl hat keinen Nachfolger. Aber man gönnt ihm nach so vielen Jahren endlich mal eine stille Nacht an Weihnachten. Mit viel Lametta, Lebkuchen und Glühwein und ohne Arbeit.

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