Maroldsweisach
"Zeilberg-Whiskey" 

Der erste Whiskey ist gereift

Werner Wunderlich in Maroldsweisach und sein Sohn Frank stellen Whiskey her. Nach vier Jahren ist der erste Brand der "Wunderlich & Son Distillery" fertig.
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Gewöhnungsbedürftig, da nicht alltäglich: Das Ambiente der Brennerei von Werner und Frank Wunderlich (von rechts) in der Vorstadtstraße 56 in Maroldsweisach.Helmut Will
Gewöhnungsbedürftig, da nicht alltäglich: Das Ambiente der Brennerei von Werner und Frank Wunderlich (von rechts) in der Vorstadtstraße 56 in Maroldsweisach.Helmut Will
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Viele Landwirte brennen eigene Schnäpse oder Liköre. Solche, die Whiskey brennen, sind eher selten. Werner Wunderlich kam dazu "wie die Jungfrau zum Kind". Schuld daran war der Chemiker Konrad Richter, Ehemann seiner Cousine. "Dieser hatte eine Brennerei, die er mir anbot. Ich überlegte nicht lange und kaufte das Brennrecht und die Brennerei. Ein ,normaler Schnapsbrenner‘ wollte ich aber nicht sein, und auch meine Brennerei sollte sich von anderen abheben", erläutert Werner. Behilflich war ihm hier seine Schwiegertochter Yvonne. Mit ihr entwickelte er die Idee, die Brennerei nach Ideen des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser einzurichten.
Mit "ins Boot", beziehungsweise in die Brennerei, nahm Werner seinen Sohn Frank, einen Betriebswirt. "Ich selbst hätte zu wenig Zeit, das Whiskeybrennen auszuführen", sagt Werner. Der Raum für die Brennerei sollte so bleiben, wie er ist, nichts sollte begradigt werden. Also wurden bunte Fliesen an Wänden und auf dem Boden angebracht.
"Eigentlich wollte der Mann meiner Cousine bei mir verschiedene Schnäpse und Liköre herstellen", erinnert sich Werner. "Normale Schnäpse wollte ich aber nicht, ich hatte Whiskey im Kopf." Im Jahr 2012 wurde erstmals auf dem Hof Wunderlich Whiskey gebrannt.
Bei der grünen Woche in Berlin hatte Werner Wunderlich einen Fassmacher kennengelernt, von dem er sich sein erstes Fünfzigliterfass (ihm wurde amerikanische Eiche empfohlen) kaufte. Später habe er sich mehrere Fünfliterfässer zugelegt. Eines kostet 180 Euro. "Der Fassmacher erzählte mir, dass Whiskey in kleinen Fässern schneller reifen würde", erzählt Werner Wunderlich.
Besagter Fassmacher richtet alte Fässer her, in denen schon mal Bourbon Whiskey, Cognac und Sherry lagerten. "Das gibt dem Whiskey eine besondere Nuance", sagt Frank Wunderlich. Wichtig war es für die Wunderlichs, dass es ein Whiskey aus




ihrer Region werden sollte. "Da wir am Fuße des vulkansteinigen Zeilbergs wohnen, entschieden wir uns dafür, unseren Brand ,Zeilberg-Whiskey‘ zu nennen, sagt Frank.
Für jeden Brand, erläutert Frank, nehme er etwa 25 Liter besten reinen Alkohol. "Da kommen etwa 30 bis 40 Liter Whiskey heraus. Eine Verkostung mit Whiskeykennern haben die Wunderlichs auch schon hinter sich. "Schließlich wollten wir eine ehrliche Meinung über unser Erzeugnis haben", sagt Frank und freut sich: "Diese Kunden waren zufrieden und lobten unseren Zeilberg-Whiskey. Uns gab das ein gutes Gefühl und ein Stück Sicherheit."


Der Weg des Brennens

"Chefbrenner" Frank erklärt den Weg des Brennens: "Etwa 115 Kilogramm Malz wird zwischen den Steinen unserer alten Steinschrotmühle zermahlen." Das Mehl werde in 400 bis 500 Liter heißes Wasser eingerührt. Dann bleibe das Ganze 20 Minuten stehen, was sich "Eiweißrast" nenne. Malz werde hinzugegeben, wobei auf den pH-Wert, die Enzyme zur Verzuckerung und auf gleichbleibende Temperatur von 65 Grad zu achten sei. In dieser Zeit werde die Stärkekette des Malzes durch zugeführte Enzyme aufgebrochen und in Zucker umgewandelt. Jetzt werde die Temperatur mit einer Kühlspirale bis auf 27 Grad heruntergekühlt und Hefemilch zugegeben, die aus Zucker Alkohol mache.
"Für das Einmaischen, Vergären und Abbrennen der vergorenen Maische nehmen wir uns fünf Tage Zeit", sagt Frank Wunderlich.Früh um sechs Uhr gehe es los. Die Brennblase werde mit der Maische gefüllt, das Erhitzen dauere bis zu drei Stunden, bis der Roh- oder Raubrand herauskommt, erklärt Frank. Dieser Vorgang wiederhole sich in drei bis vier Brenndurchgängen, bis alle Maische verbraucht ist.
Der "Feinbrand" finde am darauffolgenden Tag statt. Die Brennblase werde mit dem Raubrand gefüllt, und beim Füllen müsse stets auf die Temperatur geachtet werden. Seinen Feinbrand sammelt Frank literweise ein, um das Ergebnis gleich probieren und gegebenenfalls korrigieren zu können: "In dieser Phase kann ich schon bestimmen, wie mein Rohwhiskey schmecken soll."
Hat das Probieren Folgen? Frank lacht und sagt: "Obwohl man ja nur tröpfchenweise kostest, merkt man den Alkohol schon. An das Steuer deines Autos solltest du dich jedenfalls nicht mehr setzen." Aber ständig probieren und vergleichen gehöre beim Brenner dazu.
Ist der Brennvorgang vorüber, sei der "Getreidebrand" fertig, der so schnell wie möglich in die Fässer komme. "Je nachdem welche Geschmacksrichtung du haben möchtest, füllst du den Brand in die entsprechenden Fässer ab", erklärt Frank Wunderlich. Dann müsse dieser ruhen. "Erst nach frühestens drei Jahren darf man sein Erzeugnis Whiskey nennen."


Den Brand weiter reifen lassen

Vier Jahre alt ist nun der "Zeilberg-Whiskey" aus der "Wunderlich & Son Distillery" in Maroldsweisach. Werner und Frank Wunderlich zeigen ihren kleinen Felsenkeller, in dem die Whiskeyfässer bei gleichbleibender Temperatur mit den Geschmacksrichtungen Bourbon, Cognac und Sherry lagern. "Wer möchte, dass der Whiskey noch weiter reift, kann sich ein Fünfliterfass mit nach Hause nehmen und den Brand weiter reifen lassen, solange er möchte", sagt Werner Wunderlich. Whiskeyproben sind bei den Wunderlichs nach Voranmeldung möglich. "So bis zehn Personen", sagt Werner Wunderlich.


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