Laden...
Breitbrunn
Funkmast

Debatte um Mobilfunkausbau: Breitbrunner wollen Funkmast der Deutschen Telekom nicht

Breitbrunn hat keinen Empfang, das will Bayern mit einem Antennenmast ändern. Einige Bürger rebellieren: Gemeinderatsveto, Unterschriftenaktion - doch ohne Erfolg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf den kleinen Anbau des blauen Hauses soll der Funkmast hin. Die Anwohner sind entsetzt.  Foto: Lucie Homann
Auf den kleinen Anbau des blauen Hauses soll der Funkmast hin. Die Anwohner sind entsetzt. Foto: Lucie Homann
+1 Bild

Weiße Flecken, so werden unerforschte Gebiete genannt, die nicht auf Landkarten verzeichnet sind. Vor Satellitenbildern und Google Maps war die Welt voller weißer Flecken. Mittlerweile gibt es sie nur noch im ländlichen Raum. Ein Örtchen mitten im Landkreis Haßberge hatte sich bisher vor Handynetzen und GPS-Erfassung versteckt: Breitbrunn.

"Wir haben uns für das Leben auf dem Land entschieden, damit wir weniger Einflüsse haben!", erzählt die Breitbrunnerin Daniella Kundmüller. In ein paar Wochen wird sie von ihrer Küche aus auf einen neuen Telekom-Funkmast direkt gegenüber blicken müssen.

"16 Meter soll der Funkmast werden, höher als unser Kirchturm und mitten im Wohngebiet." Auch Helene Kirchner ist entsetzt. Das Landratsamt Haßberge genehmigte aber den Bau des Antennenmasts im Altort von Breitbrunn, oberhalb ihres Hauses. Sie hat Angst vor Folgeschäden. "Man weiß ja noch nicht, wie gefährlich die Strahlen wirklich sind. Im Schreiben stand, dass der Funkmast nachts auf 60 Dezibel herabgesetzt wird. Wieso, wenn es nicht gefährlich ist?"

Wie kam es dazu?

Im Mai 2018 erhielt die Gemeinde Breitbrunn ein Schreiben der Deutschen Telekom. Darin wurden die Einwohner informiert, dass sie zu den 100 zu erschließenden Standorten in Bayern gehören. Im Rahmen des Bayerischen "Mobilfunkpaktes II" suche das Unternehmen einvernehmlich Standorte, die technisch geeignet sind, um die Mobilfunkversorgung für Sprach- und Datenübertragung zu gewährleisten.

Auf diesen Aufruf hin, meldeten sich drei private Interessenten, die ihr Grundstück für die Errichtung eines Funkmasten zur Verfügung stellen wollten. Die Aufstellungsorte im Gewerbegebiet Neubrunner Weg kamen aber nicht in Frage, da der Standort keine Flächenabdeckung des Dorfes erlaube, wie es hieß. Eine Platzierung außerhalb würde eine höhere "Strahlendosis" benötigen, um die gleiche Abdeckung wie ein innerörtlicher Mast zu erreichen, erklärte Gertrud Bühl, damalige Bürgermeisterin von Breitbrunn. Das nachträglich vorgeschlagene Grill-Gebäude des VfR Hermannsberg-Breitbrunn kam wegen schlechter Bausubstanz nicht in Frage.

Daher entschied sich das Unternehmen, ein privates Angebot anzunehmen und den Funkmast auf dem Schuppen neben einem Wohnhaus aufzustellen. Möglich, weil das Anwesen zwischen Wohn- und Mischgebiet steht.

Es geht nicht um Schuld

Der Grundstücksbesitzer solle "nicht der Sündenbock sein", möchte Kundmüller klarstellen. "Er war zumindest ehrlich zu uns. Im persönlichen Gespräch hat er uns immer gut informiert." Aber Landratsamt und Antennenbetreiber nicht, so der Vorwurf der Breitbrunner. Niemand habe ihre Gegenstimmen beachtet.

Bühl versteht die Sorge und Wut ihrer Bürger, weist aber Anschuldigungen über fehlende Informationen von eigener oder staatlicher Seite zurück: "Mir selber hat es mitten im Ort auch nicht gepasst.(...) Aber alles, was ich an Informationen in den Händen hatte, habe ich weitergegeben."

Bei Bekanntwerden des geplanten Vorhabens, riefen besorgte Anwohner sofort eine Unterschriftenaktion ins Leben. Knapp 250 Breitbrunner gaben darin ihren Unwillen gegen den Antennenmast kund. Bühl unterrichtete die Telekom von der Gegeninitiative und erzählte, dass auch ein Treffen zwischen Landrat Schneider und den Initiatoren der Unterschriftensammlung stattgefunden hätte. Das Problem: die Unterschriften spiegeln kaum ein Viertel der 1054 Einwohner des Dörfchens wider.

Der Gemeinderat stimmte dagegen

"Die Jungen wollen es vor allem", erzählt Thomas Bendner. Dreimal hatte er in seiner Funktion als Gemeinderat das Bauvorhaben auf dem Tisch. Dreimal stimmte er dagegen.

Zunächst gegen den Mast an sich, dann am 24. September 2019 mit 1:8 Stimmen gegen den Bauantrag der Deutschen Funkturm GmbH auf dem Privatgrundstück. Und ein letztes Mal auf die Rückmeldung des Landratsamtes Haßberge Anfang des Jahres, dass der Gemeinderat sein Veto überdenken solle. Grund: Der Gemeinderat dürfte den geplanten Mast nur aus baurechtlichen Gründen ablehnen.

Dennoch lehnte "der Gemeinderat mit 2:7 Stimmen die Baugenehmigung für den Antennenbauträger erneut ab", schreibt Bühl auf Anfrage. Mit der Begründung, "dass ein Antennenträger aufgrund einer evtl. ausgehenden Strahlung gesundheitsschädlich sei und nicht in ein Wohngebiet gehöre und sie zum Wohle der Bürger zu entscheiden sowie deren Interessen zu vertreten hätten.", heißt es weiter.

Der Funkmast kommt trotzdem

Das Landratsamt Haßberge ersetzte das Einvernehmen des Gemeinderates kurzerhand und machte somit den Weg für den Bau des Masten frei.

Aber auch dem Landratsamt sind bei dieser Entscheidung die Hände gebunden. Im Rahmen des bayerischen Mobilfunk-Förderprogramms hat der Freistaat Netzbetreibern beim sukzessiven Ausbau des Mobilfunknetzes Unterstützung zugesagt.

Wertminderung der Grundstücke

"Eine liebens- und lebenswerte Gemeinschaft heißt es doch über Breitbrunn. Das ist es jetzt nicht mehr", findet Bendner. Er geht davon aus, dass der Wert der Grundstücke in der Nähe des Funkmasten klar sinken wird.

Die Funkmast GmbH habe sich nur aus Kostengründen für das Privatgrundstück entschieden. Hier müssten kaum neue Kabel verlegt werden, glaubt Bender. Dem widerspricht Bühl nicht, doch "wäre in Breitbrunn kein Standort zu finden gewesen, dann hätte das Unternehmen woanders bauen müssen."

Kein Einspruch möglich

Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, das weiß Gemeinderat Christian Kirchner: "Die Gesetzeslage ist klar." Es gibt keine Möglichkeit, den Bau des Funkmasten noch aufzuhalten, den Unmut über die Situation wollen die Breitbrunner dennoch kundtun: "Wir wollen das nicht stillschweigend hinnehmen."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren