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Haßfurt
Gericht

Dealer aus den Haßbergen kommt mit Bewährungsstrafe davon

Ein Drogenhändler aus den Haßbergen ist zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er wollte ein Kilo Amphetamin für 3500 Euro kaufen.
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Ein Kilogramm Amphetamin wollte ein 51-Jähriger kaufen. Obwohl der Deal platzte, musste sich der Mann jetzt vor dem Haßfurter Schöffengericht verantworten.  Symbolfoto: Thomas Frey/dpa
Ein Kilogramm Amphetamin wollte ein 51-Jähriger kaufen. Obwohl der Deal platzte, musste sich der Mann jetzt vor dem Haßfurter Schöffengericht verantworten. Symbolfoto: Thomas Frey/dpa

Das Schöffengericht Haßfurt hat sich mit einem "gewichtigen" Rauschgifthandel beschäftigt. Ein 51-jähriger gelernter Maler wollte für 3500 Euro ein Kilogramm Amphetamin - in einschlägigen Kreisen bekannt unter den Namen Speed oder Pep - erwerben und weiterverkaufen. Obwohl es nicht zu der geplanten Übergabe kam, lag ein Handeltreiben im Sinne des Gesetzes vor.

Für diese nach deutschem Recht als Verbrechen geltende Straftat sowie wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde der nicht vorbestrafte Angeklagte zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre.

Bald Frührentner?

Der Angeklagte passte so gar nicht in das gängige Bild eines ausgebufften Dealers. Auch sein beruflicher Werdegang ist eher untypisch. Nach seiner Ausbildung bildete sich der Handwerker weiter und arbeitete als Stuckateur und Restaurator. Seit einem Bandscheibenvorfall kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben und lebt nun von Hartz IV. Er hofft, bald Frührente zu erhalten.

Die Kriminalpolizei war im November 2017 auf die Spur des Angeschuldigten gestoßen. Drei Kriminalbeamte aus Schweinfurt und Würzburg schilderten dem Gericht die damaligen Ereignisse. Zwei Drogen-Großhändler aus Aschaffenburg unternahmen eine "Beschaffungstour" in den Raum Hanau und Offenbach. Die Ermittler wussten das, weil sie diese Dealer seit geraumer Zeit observiert und deren Telefonate überwacht hatten. Beliefern wollten die Aschaffenburger einen Abnehmer aus Würzburg.

Dieser wiederum hatte eine größere "Bestellung" des Angeklagten aus dem Maintal vorliegen. Über Preis und Menge war man sich schon handelseinig: ein Kilogramm Amphetamin für 3500 Euro.

Zu dem Geschäft selber kam es dann nicht mehr, weil die Kriminalpolizei Ende November 2017 zuschlug und die Drogen-Ankäufer aus Aschaffenburg und Würzburg festnahm. Durch die Auswertung von deren Handys und durch deren Angaben geriet nun der "Großabnehmer" aus den Haßbergen ins Visier der Fahnder.

Die Stunde der Wahrheit

Ende Mai 2018 schlug auch bei dem Mann im Maintal die Stunde der Wahrheit. Bei einer Hausdurchsuchung wurden die Beamten fündig. Sie beschlagnahmten zum einen LSD-Trips, Drogenanhaftungen, ein elektrisches Cannabis-Rauchgerät und eine Feinwaage, zum anderen jede Menge Waffen: zwei Macheten, eine Armbrust, einen Baseballschläger, eine Stielhandgranate, einen Schlagring, einen Schreckschussrevolver, Patronenschachteln sowie ein täuschend echt aussehendes AK-47-Sturmgewehr.

Bei der Auswertung des Handys zeigte sich, dass der gelernte Maler in Drogenkreisen kein Unbekannter war. Aus den Chat-Verläufen ließen sich zweifelsfrei Drogengeschäfte mit zwei Männern und einer Frau nachweisen. Das Rauschgift hatte er mit einschlägigen Szene-Ausdrücken angepriesen. "Zaziki" stand für Amphetamin, "Salat" für Marihuana und "Schokolade" für Haschisch. Das geplante Drogengeschäft räumte der Beschuldigte ein.

Von der Szene distanziert

Seit der damaligen Polizeiaktion habe sich sein Mandant von allen Leuten aus der Drogenszene distanziert, betonte Pflichtverteidiger Stefan Wagner. Zu dem umfangreichen Waffenarsenal erklärte der Angeschuldigte, dass sie allesamt nur der Dekoration gedient hätten. Als Sammler habe er nie vorgehabt, sie in irgendeiner Form einzusetzen.

Der Staatsanwalt wies in seinem Plädoyer insbesondere darauf hin, dass bei dem geplanten Rauschgiftgeschäft die vom Gesetzgeber definierte "nicht geringe Menge" an Betäubungsmitteln um das Sechsfache überschritten worden wäre. Er forderte deshalb eine zweijährige Bewährungsstrafe.

"Atypische Umstände"

Die Verteidigung hingegen sprach von einem "minder schweren Fall", weil die Umstände "atypisch" seien. Demzufolge betonte Rechtsanwalt Wagner die strafmildernden Fakten: So habe es sich nur um einen "Verbalhandel" gehandelt, zu dem eigentlichen Geschäft sei es gar nicht gekommen. Und wenn es dazu gekommen wäre, wäre sicherlich die Polizei eingeschritten, die alles unter Kontrolle hatte.

Zugunsten des Angeklagten spreche zudem die Tatsache, dass er eine "saubere Weste" habe und geständig sei. Der Verteidiger hielt daher eine zehnmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend.

Das Urteil des Schöffengerichts unter Vorsitz von Amtsrichterin Ilona Conver lag mit eineinhalb Jahren ungefähr in der Mitte. Während der vierjährigen Bewährungszeit muss der Verurteilte regelmäßigen Kontakt zu einem Bewährungshelfer halten. Außerdem muss er seine Drogenabstinenz durch vierteljährliche Screenings belegen. Dazu werden Haar- oder Urinproben ausgewertet. Da die beteiligten Parteien darauf verzichteten, Rechtsmittel einzulegen, wurde der Richterspruch sofort rechtskräftig.