Haßfurt

Das Mofa fuhr schneller als angegeben

Das Amtsgericht Haßfurt stellte ein Strafverfahren gegen eine 40-Jährige ein, deren Sohn sich das flotte Zweirad geschnappt hatte und damit gefahren war.
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Nach deutschem Recht wird nicht nur diejenige Person bestraft, die ohne die entsprechende Fahrerlaubnis ein Fahrzeug führt. Auch der- oder diejenige, die das Fahrzeug einem Unberechtigten "zugänglich" macht, ist dran. Die Staatsanwaltschaft hatte einer Mutter (40 Jahre) genau diesen Vorwurf gemacht und ihr einen 800-Euro-Strafbefehl geschickt. Weil die Frau dagegen Einspruch eingelegt hatte, kam es nun zu der Verhandlung vor dem Haßfurter Amtsgericht. Das Verfahren wurde ohne Verurteilung mit einer kleinen 250-Euro-Zahlung an die Kreisverkehrswacht eingestellt. Wird diese Geldauflage bezahlt, ist die Angelegenheit aus der Welt.

Die ganze Sache hatte sich folgendermaßen abgespielt: Am Freitagnachmittag des 13. September 2019 lieferte eine Spedition das Zweirad bei der Mutter im Maintal ab. Die Frau machte an dem darauffolgenden Wochenende eine Probefahrt; gedacht war das Kleinkraftrad für ihren 15-jährigen Sohn. Der setzte sich am Nachmittag des 16. September auf sein neues Gefährt. Wahrscheinlich wusste er bereits nach kurzer Zeit, dass das Mofa schneller lief als die erlaubten 25 Stundenkilometer.

Als er nämlich einer Polizeistreife begegnete, verhielt er sich sehr merkwürdig. Nachdem der Junge den Streifenwagen bemerkt hatte, bog er unvermittelt in eine Seitenstraße ab. Danach hat er sich laut Polizeibericht mehrmals auffällig umgedreht, offenbar um sich zu vergewissern, ob die Polizei noch hinter ihm herfährt. Da dies der Fall war, bog er nach 200 Metern nochmals abrupt in eine Seitengasse ab.

Schließlich war ihm klar, dass er nicht entkommen konnte. Bei der anschließenden Kontrolle zeigte er den Beamten die Mofa-Prüfbescheinigung und Betriebserlaubnis vor. Er gab auch zu, dass er schneller als erlaubt gefahren sei. Außerdem gab er an, dass seine Mutter als Halterin des Mofas wisse, dass das Zweirad 45 Stundenkilometer schnell sei. Nachdem die Polizisten vergeblich versucht hatten, die Mutter telefonisch zu erreichen, wurde das Fahrzeug verkehrssicher abgestellt und die Ordnungshüter nahmen den Zündschlüssel in Verwahrung.

Am selben Abend gegen 19 Uhr kamen dann Mutter und Sohn gemeinsam zur Dienststelle der Polizei. Die 40-Jährige gab damals zu Protokoll, dass sie den Zündschlüssel zu Hause ans Schlüsselbrett gehängt habe und sich später um eine Drosselung des Rollers habe kümmern wollen. Nochmals schärfte der zuständige Ermittler ihr ein, dass ihr Sohn das Zweirad nur benutzen dürfe, wenn es entsprechend gedrosselt sei. Dann erhielt sie die Zündschlüssel zurück.

Vor Gericht legte die Angeklagte den damaligen Lieferschein vor. Darauf ist tatsächlich vermerkt, dass die Höchstgeschwindigkeit des Mofas 25 Stundenkilometer beträgt. Mit Blick auf diese falsche Angabe des Lieferanten sprach Ilker Özalp von der Staatsanwaltschaft von einer strafrechtlichen "Bagatelle." Er zeigte sich damit einverstanden, dass auf eine Verurteilung verzichtet und das Verfahren mit einer kleinen Geldauflage eingestellt wird. Die Frau gilt damit als nicht vorbestraft.

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