Zeil am Main
Interview

"Das Konzept aus der Schublade": Interview mit Stand-up-Comedian Markus Barth

Köln, Berlin, München: Markus Barth steht als Comedian auf vielen Bühnen, darunter vergangenen Freitag auf einer sehr kleinen in seiner Heimatstadt Zeil. Im Interview erzählt er über seine Auftritte und seine eigene Show "Soweit dazu".
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Kabarettist Markus Barth wohnt in Köln, steht aber manchmal in seiner Heimatstadt Zeil auf der Bühne, wie am vergangenen Freitag. Viel zu lachen gab es auch im Frühjahr, als er in der ausverkauften Rathaushalle in Haßfurt aufgetreten ist.  Foto: Archiv/Ulrike Langer
Der Kabarettist Markus Barth wohnt in Köln, steht aber manchmal in seiner Heimatstadt Zeil auf der Bühne, wie am vergangenen Freitag. Viel zu lachen gab es auch im Frühjahr, als er in der ausverkauften Rathaushalle in Haßfurt aufgetreten ist. Foto: Archiv/Ulrike Langer

Der Zeiler Markus Barth zog 1999 nach Köln. Dort arbeitete er als Autor und Handwriter für Fernsehsendungen wie "Ladykracher", und "Die Wochenshow". Seit 2007 steht er selbst auf der Bühne als Stand-up-Comedian. Nun hat er im Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) seine eigene Satiresendung "Soweit dazu" erhalten. Die erste Folge wurde am 13. September ausgestrahlt.

Wie kamen Sie zur ersten eigenen Show im WDR?

Markus Barth: Letztes Jahr hat mich der Produzent Wolfgang Link angesprochen, weil er gerne was fürs Fernsehen mit mir machen wollte. Einen Tag vor dem Meeting habe ich meine Agentin gefragt, was wir ihm denn eigentlich vorschlagen sollen. Da wir beide ein bisschen ratlos waren, habe ich das einzige Konzept aus der Schublade gezogen, das ich vor drei Jahren mal für mich selbst geschrieben hatte. Das habe ich ihm dann gezeigt und er meinte relativ unprätentiös: "Machen wir". Dann haben wir eine Pilotfolge produziert und sind damit zum WDR marschiert. Tja, und der hat dann zu unserer großen Freude vier Folgen bestellt.

Und wie schaut dieses Konzept aus, das Sie da vor drei Jahren aus dem Ärmel geschüttelt haben?

Das Konzept ist wirklich sehr einfach: Ein Moderator, ein Thema, eine halbe Stunde. Soll heißen: Mein Team und ich schnappen uns ein Thema, das wir für wichtig empfinden (in der ersten Folge war es die Verkehrswende, jetzt ist es "30 Jahre Mauerfall"), recherchieren wie die Wilden und schreiben dann ein Sendebuch, das ich vortrage. Wichtig ist mir dabei vor allem, die Themen von möglichst vielen Seiten zu beleuchten und nicht nur auf ein paar Schlagworte zu reduzieren, wie das oft bei Twitter und Facebook der Fall ist. Mein Traum ist eher so ne Art "Monitor" mit Witzen.

Sie stehen ja nicht nur vor der Kamera, sondern treten auch live vor Publikum auf. Welche Themen kommen da zur Sprache?

Ich hab da ne ganz einfache Regel: Ich rede auf der Bühne nur über Dinge, die mich wirklich interessieren. Das kann eine Fernsehsendung sein, das kann aber auch die Klimapolitik sein, oder eine Geschichte von meinem Hund. Ich bin fest überzeugt: Wenn ich es witzig finde, kann ich es auch lustig präsentieren. Und wenn doch mal Schweigen im Wald ist, muss ich das eben aushalten und kichere ganz allein in mich hinein.

Worum geht es dann in Ihrem aktuellen Bühnenprogramm? Es geht um eine große Reise, die ich mit meinem Mann und meinem Hund 2017 vier Monate quer durch Europa unternommen habe und vor allem auch um die Zeit danach - also, wie wir uns wieder in Deutschland zurechtgefunden habe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob wir uns überhaupt schon wieder zurecht gefunden haben. Es passiert mir immer oft, dass mir Leute etwas erzählen, ich spontan lache und erst dann merke: "Oh verdammt, die meinen das ernst". Daher heißt das Programm auch "Haha ... Moment, was?"

Von Köln nach Berlin: Bei Ihrem Terminkalender sind Sie ganz schön viel unterwegs, stimmts?

Ja, Herumreisen gehört zu dem Job einfach dazu. Ich sitze natürlich viel am Schreibtisch und arbeite an Texten, aber meine Auftritte kann ich leider nicht in meinem Wohnzimmer machen. Andererseits: Eigentlich ist es gut so, denn wenn ich zu lange an ein und demselben Ort bin, werde ich unleidlich. Fragen Sie mal meinen Mann. (lacht)

Macht es da beim ganzen Herumreisen noch einen Unterschied, ob Sie in Ihrer Heimat auftreten oder auf großen Bühnen in der Ferne?

Definitiv. Bei den großen Bühnen in der Ferne gibt es viel zu wenig Frankenwein und Zwiebelkuchen.

Am 27. September standen Sie in Zeil auf der Bühne. Wie haben Sie den Abend in Erinnerung?

Sehr, sehr lustig. Und auch ein bisschen bizarr: Bis kurz vor sechs saß ich bei meinen Eltern auf der Couch, um sechs habe ich dann den Soundcheck im Rudolf-Winkler-Haus gemacht und dabei durch die Glaswand in mein altes Grundschulklassenzimmer geschaut. Dann habe ich ein bisschen auf dem Flügel im Backstage geklimpert, dann zwei Stunden Show vor meiner halben Verwandtschaft gemacht und um elf saß ich wieder bei meinen Eltern auf der Couch. Wunderbar!

Apropos Verwandtschaft: Erwarten die Menschen von Ihnen, dass Sie immer einen lockeren Spruch auf den Lippen haben?

Zumindest nicht die, die mich kennen! Meine Freunde und Bekannten wissen, dass ich wahnsinnig gerne auch einfach mal den Mund halte und, wie der Franke sagen würde: "neiglotz". Ich würde jederzeit zugeben, dass mein Mann der deutlich unterhaltsamere Kneipen- und Partygast ist. Dafür hasst er es, auf einer Bühne zu stehen. Unsere Aufgaben in der Beziehung sind also sehr gerecht verteilt.

Bücher, Bühne, jetzt die eigene Sendung - was steht als nächstes an?

Urlaub! Aber im Ernst: Ich bin wahnsinnig zufrieden mit meinem Leben. Ich war aber auch schon zufrieden, bevor ich die Fernsehshow hatte. Ich habe auch noch nie davon geträumt, in Arenen zu spielen. Mein Ziel ist, dass ich immer genau das machen kann, worauf ich Lust habe. Und das mache ich seit Jahren. Insofern lasse ich mich mal überraschen, was noch so kommt, und wenn nix kommt, 'isses auch gut.

Und zuletzt eine Frage, die Sie bestimmt nicht mehr hören können: Sind Sie mit Comedian Mario Barth verwandt?

Sie haben vollkommen recht: Ich kann Sie nicht mehr hören. Haben Sie etwas gefragt? (lacht)

Das Gespräch führte Jutta Rudel.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren