Zell am Ebersberg
Tierheim

Das Tierheim Haßberge wächst weiter: Hundebabys und ungeliebte Weihnachtsgeschenke

Vor einem dreiviertel Jahr wurde das Tierheim Haßberge bei Zell offiziell eröffnet. Viele Tiere konnten seitdem erfolgreich vermittelt werden. Von manchem vermeintlichen Tierfreund sind die Leiterinnen Britta Merkel und Karin Kraus dagegen enttäuscht.
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Das Tierheim Haßberge bei Zell Foto: Teresa Hirschberg
Das Tierheim Haßberge bei Zell Foto: Teresa Hirschberg
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Nur ein paar Decken sind auf dem grauen Linoleumboden übrig geblieben. Zwei Futternäpfe und eine kleine Plüschmaus, alles andere musste raus. Doch Oskars karger Wohnstil ist ärztlich verordnet. Immer wieder hatte er sich die große Wunde an seinem Hals an Möbeln und Spielzeugen blutig gescheuert. Nun ist die unangenehme Zeit des Tages gekommen, zu der Britta Merkel den kahlen roten Fleck mit Salbe behandeln muss.

Kater Oskar ist einer von knapp 300 Bewohnern, die das Tierheim Haßberge seit seiner offiziellen Eröffnung im Mai vergangenen Jahres (die Schlüsselübergabe erfolgte bereits im November 2017) aufgenommen hat. Darunter sind viele Fundtiere, aber auch solche, die aufgrund von Tierschutzgesetzen amtlich beschlagnahmt oder von ihren ehemaligen Besitzern abgegeben wurden. Dass so viele Katzen herrchenlos im Landkreis herumstreunen, liege auch an der fehlenden Kastrationspflicht, erklärt Karin Kraus, stellvertretende Leiterin des Tierheims. Bei Hunden sei die Wahrscheinlichkeit einer Rückvermittlung deutlich höher. Vorausgesetzt, die Vierbeiner tragen einen Chip im Körper.

Sogar Axolotls im Tierheim Haßberge

Hunde, Katzen, Kleintiere wie Meerschweinchen oder Hamster aus einem aktuellen Fall von "Animal-Hording", aber auch die beiden exotischen Axolotl Axel und Lotte sind in den vergangenen Monaten in das Tierheim gezogen. "In der Regel sollten alle Tiere, die kommen, auch wieder gehen", sagt Karin Kraus. Bei den Original-Bewohnern hat dieses Prinzip tatsächlich funktioniert: Alle Katzen und Hunde, die vor rund einem dreiviertel Jahr bei der Eröffnung des Tierheims eingezogen sind, haben mittlerweile ein neues Zuhause gefunden.

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Einige der neueren Tiere befinden sich derzeit noch in Quarantäne und warten auf die Ergebnisse ihrer tierärztlichen Untersuchung, bevor sie vermittelt werden können. Bei anderen ist die Fundzeit noch nicht abgelaufen. Das Tierheim Haßberge wurde eigentlich für Fundtiere konzipiert. Ist eine der Stationen bereits voll, wie derzeit die der Hunde, werden die Tiere an benachbarte Tierheime weitergeleitet, beispielsweise nach Schwebheim im Landkreis Schweinfurt. "Bei den Katzen hätten wir sogar mehr erwartet", sagt Karin Kraus. "Aber wir haben das Tierheim auch erst nach der Katzenschwemme eröffnet." Von den 45 verfügbaren Katzenplätzen sind derzeit nur sechs belegt. "Wir schreien aber auch nicht nach noch mehr Katzen", räumt Kraus ein. "Das nächste Frühjahr kommt schließlich."

Alle Hundeplätze vergeben

Die sieben Hundezimmer sind dagegen voll belegt. Hier wird der Altersdurchschnitt schon bald deutlich sinken: Hundedame Hilde ist nämlich hochschwanger, der Bauch schon dick angeschwollen. Bald muss sie von den anderen Hunden separiert werden, um ihre Jungen in Ruhe auf die Welt bringen zu können. Bei einigen ihrer Mitbewohner seien die Besitzer überfordert gewesen - sowohl in der Erziehung der Tiere, als auch finanziell. "Mandy ist ein kaukasischer Hütehund, da wird es länger dauern, sie zu vermitteln", weiß Tierheimleiterin Britta Merkel.

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Die Bernhardiner Püppy und Brössl, die entgegen ihrer niedlichen Namen alles andere als Schoßhündchen sind, kamen beispielsweise mit komplett verfilztem Fell und einem schweren Augenleiden im Tierheim an. "Da waren wir sogar froh, dass ihre Besitzer sie abgegeben haben", erzählt Karin Kraus, während sie durch das Fenster in das Zimmer der beiden Hunde blickt. Dort kniet Vanessa Kümmel gerade auf dem Boden und krault abwechselnd einen der beiden Fellriesen. Sie gehört zu den ehrenamtlichen Gassigängern, die regelmäßig mit den Hunden des Tierheims Spaziergänge machen.

Besondere Atmosphäre im Zeller Tierheim

Auch Isabell Stühle kommt einmal pro Woche, um ihre Lieblinge Wiskey, Hilde und Gin zu besuchen. "Ich weiß noch nicht, wie ich das mache, wenn ich bald mein Studium in Nürnberg beginne", sagt Isabell. "Aber das Tierheim hier ist von seiner Atmosphäre was ganz Besonderes." Von dem Engagement anderer Gassigänger sind die beiden Leiterinnen dagegen enttäuscht. "Zwischen der Anzahl an Leuten, die die Gassi-Kurse belegt haben und denen, die jetzt tatsächlich vorbeikommen, liegen Welten", sagt Kraus. "Das ist schon traurig", bestätigt Merkel. "Es gibt nur etwa zehn Leute, auf die wir uns wirklich verlassen können."

Tiere sind keine Weihnachtsgeschenke

Vor Weihnachten hatten die Mitarbeiter des Tierheims auf der Homepage daran erinnert, dass Haustiere keine geeigneten Weihnachtsgeschenke sind. Sie selbst haben Ende Dezember einen kurzzeitigen Vermittlungsstopp eingelegt, damit keiner ihrer Schützlinge unterm Weihnachtsbaum landet. Für Anfang Februar rechnen Britta Merkel und Karin Kraus aber mit einem Zuwachs an Heimbewohnern. "Dann wird klar, welche Entscheidung gut überlegt war. Manchmal wäre ein Fachbuch eben ein besseres Geschenk."

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