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LKR Haßberge
Karneval

Damit der Fasching zur Gaudi wird - trotz Alkohol

Bei vielen Faschingsumzügen wird reichlich Alkohol konsumiert. Wie die Veranstalter im Landkreis verhindern wollen, dass eine Feier ausartet, haben sie unserer Zeitung erklärt.
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Alkohol und Fasching gehören durchaus zusammen - aber gerade junge Menschen kennen ihre Grenzen häufig noch nicht. Das Symbolbild entstand in Zeil. Foto: Andreas Lösch
Alkohol und Fasching gehören durchaus zusammen - aber gerade junge Menschen kennen ihre Grenzen häufig noch nicht. Das Symbolbild entstand in Zeil. Foto: Andreas Lösch
Im Prinzip geht es an Fasching doch nur um Eines: Spaß haben. Und freilich: Alkohol hilft dabei. Dass Alkohol getrunken wird, will deshalb auch niemand wirklich verhindern. Aber das Landratsamt Haßberge sieht sich in seiner Funktion als Behörde dazu verpflichtet, auf die Gefahren des übermäßigen Alkoholkonsums hinzuweisen. Und so gehen die Veranstalter damit um.

"Unser Pluspunkt ist, dass wir keinen Ausschank von brandweinhaltigen Getränken haben", sagt Thomas Fensel. Er ist Organisator des Zeiler Faschingzugs. Im Rahmen des Umzugs wird nur am Markt Bier ausgeschenkt. "Alles andere überlassen wir der Gastronomie." Und die wisse um die drohenden Strafzahlungen bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz. Trotzdem könne man nie alles kontrollieren, denn oft sind die Jugendlichen verkleidet und maskiert. Was Fensel als problematisch ansieht, sind die mitgebrachten Getränke: "Da schaut der Veranstalter alt aus."

In Sand, wo der größte Umzug des Landkreises stattfindet, ist man der Lage Herr geworden, indem man den Ausschank von Alkohol von den Faschingswägen heraus komplett verboten hat. "Das hat sich bewährt", sagt Günter Flachsenberger vom Faschingskomitee. Vor drei Jahren habe es mal Probleme gegeben, als ein unter 16-Jähriger stark alkoholisiert von der Polizei aufgegriffen wurde. Vor Gericht kam es zu einem Vergleich, Eltern des Jugendlichen und der Veranstalter zahlten mehrere hundert Euro. Seitdem sind die Organisatoren streng: Alle Gruppen und Wägen, die am Zug teilnehmen, werden über die Sicherheitsrichtlinien informiert und dazu verpflichtet, sie umzusetzen. Der Umzug wird zudem gefilmt, um überprüfen zu können, ob das Alkohol-Ausschankverbot eingehalten wurde. Man habe in Sand die Lage im Griff: "Wir sind auf einem guten Weg."

In Ebern setzt man auf die Vernunft der Teilnehmer und die wachsamen Augen der Personen, die den Umzug begleiten. Und: "Unsere Teilnehmer, Gruppen und Wägen bekommen bei der Anmeldung von uns eine Mitteilung", sagt Eberhard Wohl, Vorsitzender des Kulturrings Ebern. Es handelt sich dabei um die Richtlinien, die das Landratsamt vorgibt. Alkohol an Jugendliche dürfe von den Wägen aus nicht verteilt werden. Das Problem sei oft nicht der aktuelle Alkoholkonsum, sondern der vom Vortag: Der "aufgewärmte" Suff von der letzten Feier führe dazu, dass der Promille-Pegel bei einigen Zugteilnehmern und -besuchern schnell ansteigt. In 30 Jahren, in denen Wohl den Faschingszug mitorganisiert, sei noch nichts Schlimmeres passiert.

In Trossenfurt und Tretzendorf (Gemeinde Oberaurach) zeichnet Eduard Bühl für den Faschingsumzug verantwortlich. Er freut sich, dass gerade die oft gescholtenen Jugendlichen bislang keine Probleme machen.
Klar werde Alkohol konsumiert, aber "unsere Jugend ist noch in Ordnung", erklärt der 82-Jährige, der in seinem Umfeld "die Leut' wie aus der rechten Hosentasche". Und wenn er Jugendliche anspreche, für die der Umzug ja schließlich auch gedacht sei, darauf zu achten, dass die Feier nicht aus dem Ruder läuft, "dann respektieren die das."

Aufklärung und Sicherheitsgespräche mit Beteiligten stehen bei allen Veranstaltern auf dem Programm, auch in Eltmann. Mario Pfister vom Faschingskomitee sagt, von den Wägen herunter werden keine Spirituosen verteilt, nur noch Bier und Sekt. Und Jugendliche bekommen gar nichts. "Wir haben die Zugteilnehmer verpflichtet, darauf zu achten." Rabauken unter den Zugteilnehmern werden ausgeschlossen. Und das ist laut Mario Pfister auch schon geschehen.

In einer Mitteilung informierte das Landratsamt über geltende Regeln.

Rauchen An Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keine Tabakwaren abgegeben und das Rauchen nicht gestattet werden (Paragraf 10 JuSchG).

Veranstaltungen Vereinsmitglieder unter 16 Jahren dürfen bei Tanzveranstaltungen im Rahmen der Brauchtumspflege bis 24 Uhr anwesend sein, Kinder bis 22 Uhr (§5 Abs. 2 JuSchG). Werden sie von einer erziehungsbeauftragten Person begleitet, gelten weder Alters- noch Zeitgrenzen. Dabei genügt es nicht, dass die Eltern nur im Publikum sitzen, die Minderjährigen müssen tatsächlich beaufsichtigt werden.

Ausgang Die Anwesenheit bei öffentlichen Tanzveranstaltungen "ohne Begleitung einer personensorgeberechtigten oder erziehungsbeauftragten Person" darf Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren nicht und Jugendlichen ab 16 Jahren höchstens bis 24 Uhr gestattet werden (Paragraf 5 Abs. 1 JuSchG).

Konsum Neben der Abgabe von Alkohol an Kinder und Jugendliche ist es auch verboten, den Verzehr, zum Beispiel von mitgebrachten Alkoholika, zu gestatten oder zu fördern (§9 JuSchG). Dabei gelten die gleichen Altersgrenzen und die Unterscheidung zwischen weichen und harten Alkoholika.

Spirituosen
"Harte Alkoholika" wie Schnäpse, Liköre, Rum oder Whisky dürfen generell nicht an Minderjährige abgegeben werden. Bier oder Wein dürfen hingegen an 16-Jährige abgegeben werden (Paragraf 9 JuSchG). Verboten ist, alkoholische Getränke an erkennbar Betrunkene zu verabreichen. ft

Das Landratsamt Haßberge setzt auf die Vorbildfunktion der Erwachsenen im Kreis Haßberge
An vielen Orten laufen derzeit die Vorbereitungen zu den Faschingsumzügen und Faschingsbällen auf Hochtouren. Im Landkreis Haßberge fanden bereits die ersten Faschingsveranstaltungen und Büttensitzungen statt. Das Landratsamt Haßberge richtet sich in einer Pressemitteilung an die Veranstalter und gibt Tipps, damit der Fasching das bleibt, was er sein sollte: eine Gaudi und kein komplett ausuferndes Saufgelage. Was ist zu beachten?

1. Beim Einlass sowie am Getränkeausschank den Ausweis zeigen lassen, falls Zweifel über das Alter der Jugendlichen besteht.

2. Um Jugendliche zu schützen, sind neben den Veranstaltern auch die Eltern gefragt. Natürlich können und sollen sie ihren Heranwachsenden nicht rigoros alles verbieten, schließlich müssen sie selbst lernen, mit Alkohol umzugehen. Eltern sollten jedoch als gutes Vorbild vorangehen.
Das Verhalten der Jugendlichen ist manchmal nichts anderes als ein Spiegel der Haltung der Erwachsenen, ist doch gerade Fasching auch durch einen hohen Alkoholkonsum von Erwachsenen gekennzeichnet.

3. Farbige Stempel oder Bänder am Handgelenk (unter 16/ unter18/ über 18) erleichtern die Kontrolle beim Einlass und später bei der Getränkeabgabe.

4. Bei Alkoholabgabe nicht auf Diskussionen mit den Jugendlichen einlassen. Es gibt ein Gesetz, das Sinn macht und an das sie sich halten müssen.

5. Getränkeverkauf an der Theke und Bedienungen ausschließlich mit erwachsenem Personal besetzen. Engagement von Kindern und Jugendlichen und ihre Bereitschaft zur Mithilfe sollten nicht für die Abgabe von Alkohol genutzt werden.

6. Es ist darauf zu achten, dass ältere Jugendliche nicht für unter 16-Jährige Getränke holen. Vorsicht ist zum Beispiel immer geboten, wenn jemand zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein volles Tab-lett ordert.

7. Ausreichend Ordner einsetzen, die speziell ein Auge auf Kinder und Jugendliche haben.


8. Um einzuschränken, dass Kinder und Jugendliche mitgebrachte Alkoholika "vor der Türe" trinken, regelmäßig Kontrollen im Außenbereich machen. Möglichkeit zur Abhilfe: Die Eintrittskarten verlieren beim Verlassen der Veranstaltung ihre Gültigkeit.

9. Bei Umzügen keinen Alkohol verteilen. Vor allem bei Kinderumzügen sollten begleitende Erwachsenen auf das Trinken von Alkohol verzichten. Gegen Veranstalter, Gewerbetreibende oder deren Mitarbeiter, die gegen die Jugendschutzgesetze verstoßen, kann ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro verhängt werden.

10. Beim Einlass auch auf mitgebrachte Alkoholika und unerlaubte Gegenstände achten.


11. Eltern sollten ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol vorleben und sie vor übermäßigem Trinken bewahren. Rauchende oder Schnaps trinkende Kinder und Jugendliche gibt es oft nur, wenn Erwachsene ihnen die Zigaretten oder den Alkohol geben oder schmackhaft machen.

12. Informationsmaterial sowie Jugendschutztafeln und Hinweisschilder sind kostenlos bei der Präventionsstelle des Landratsamtes erhältlich, Promenade 5, 97437 Haßfurt, Telefon 09521/951686.

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