Haßfurt
Vertreterversammlung

Caritas sorgt sich um Mitarbeiter

Der zunehmende Fachkräftemangel bereitet Kreisgeschäftsführerin Anke Schäflein Sorgen - insbesondere angesichts der anstehenden Aufgaben für den Verband.
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Obwohl das Großprojekt St. Bruno noch  bis Anfang 2019 läuft, hat Caritas-Kreisgeschäftsführerin Anke Schäflein schon die nächsten Projekte im Blick, um alte, kranke und hilfebedürftige Menschen im Landkreis Haßberge zu unterstützen.Sabine Weinbeer
Obwohl das Großprojekt St. Bruno noch bis Anfang 2019 läuft, hat Caritas-Kreisgeschäftsführerin Anke Schäflein schon die nächsten Projekte im Blick, um alte, kranke und hilfebedürftige Menschen im Landkreis Haßberge zu unterstützen.Sabine Weinbeer
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Mit einer laufenden Großbaustelle, neuen Ideen und der Sorge angesichts des Problems, neue qualifizierte Mitarbeiter inbesondere für die Altenhilfe zu gewinnen, starten Geschäftsführung und Vorstand des Caritasverbandes für den Landkreis Haßberge in eine neue Amtszeit. Bei der Kreis-Vertreterversammlung am Dienstag wurden Vorstand und Caritasrat für die nächsten vier Jahre neu gewählt. Vorsitzende bleiben Johannes Simon aus Knetzgau und Michael Ziegler aus Eltmann, auch Beisitzerin Bettina Wegner-Schmidt aus Gerolzhofen wurde im Amt bestätigt, neu kam Birgit Bayer aus Riedbach in den Vorstand, sie arbeitete bisher im Caritasrat mit.

"Es ist schon etwas Besonderes, ehrenamtlich in seinem solchen Gremium Verantwortung für einen Haushalt von rund zwölf Millionen Euro und 300 Mitarbeiter zu übernehmen", dankte Geschäftsführerin Anke Schäflein für dieses Engagement. Auch im Caritasrat gibt es mit Rudolf Hart und Hubert Frey aus Haßfurt zwei neue Mitglieder. Sie vertreten wie Werner Kaffer aus Goßmannsdorf, Oskar Ebert aus Rauhenebrach und Siegmund Kerker aus Untertheres die persönlichen Caritas-Mitglieder. Steffen Vogel aus Obertheres repräsentiert die Caritasvereine, die Kindertagesstätten tragen, Michaela Leidner (Kita St. Andreas Wonfurt) vertritt die Kindertagesstätten, mit Ursula Benke (St. Hedwig Eltmann) sind die Caritas-Sozialstationen vertreten und komplettiert wird der Caritasrat von Martin Gehring, der die Kinder- und Jugendhilfe Eltmann leitet.

In ihrem Tätigkeitsbericht gingen Johannes Simon und Anke Schäflein unter anderem auf das Netz von Beratungsstellen der Kreis-Caritas ein. Massiv aufgestockt wurde die Asyl-Sozialberatung, wofür es auch finanzielle Unterstützung aus Kirchensteuermitteln gibt, doch auch die Erziehungsberatung und die Suchtberatung haben weiter steigenden Zulauf.

Neu ist die Ambulante Nachsorge für Abhängigkeitserkrankungen und dank der Förderung unter anderem durch die Aktion Mensch wird neu eine Jugendsuchtberatung aufgebaut. Die Suchtberatung, die die Caritas im Auftrag des Landkreises anbietet, darf nämlich nur Erwachsene beraten. "Oft beginnt ein Suchtproblem aber schon vor dem 18. Geburtstag", erklärte Anke Schäflein. Deshalb habe man im Jugendhilfeausschuss des Kreistages auch offene Ohren gefunden. Zwar sei das Beratungsangebot für die ersten Jahre ohne Kreis-Beteiligung finanziert, doch ging es auch um die Zusage, das Angebot nachher zu fördern.

Auch für eine Aufstockung der Beratung psychisch Kranker wäre Bedarf vorhanden, erklärte Anke Schäflein, doch es gebe keine Refinanzierung für diese Personalkosten. Um das Angebot für psychisch und Suchtkranke zu verbessern, habe man für das Caritas-Gebäude in der Brüder-Becker-Straße eineinhalb Jahre lang eine Konzeption unter dem Arbeitstitel "St. Katharina" vorbereitet, die zum einen acht barrierefreie Wohneinheiten vorsieht, zum anderen eine Begegnungsstätte, die von verschiedenen Beratungsdiensten rund um die Themen Sucht und psychische Erkrankung und auch von den entsprechenden Selbsthilfegruppen genutzt werden könnte.

Das Gesamtprojekt würde knapp über drei Millionen Euro kosten, leider fehle die letzte Million. "Das Konzept ist bei allen Stellen, mit denen wir in den vergangenen Monaten Gespräche geführt haben, auf große Zustimmung gestoßen, aber die Finanzierungslücke bleibt momentan", stellte Anke Schäflein fest. Man lasse sich jedoch nicht entmutigen und werde zunächst das Gebäude mit den Wohnungen umsetzen. Kleine Wohnungen seien im Landkreis ohnehin Mangelware und Menschen mit psychischen Erkrankungen täten sich doppelt schwer bei der Wohnungssuche. Der zweite Bauabschnitt werde nun erst mal in ihre Schublade wandern, meinte Anke Schäflein. Dort habe auch das neue Konzept für St. Bruno einige Zeit auf seine Verwirklichung gewartet.

Seit zwei Jahren wird das frühere Altenheim jetzt umgebaut, der dritte und letzte Bauabschnitt hat gerade begonnen. Im Frühjahr 2019 soll er abgeschlossen sein. Der Umbau im Bestand bedeute für das Personal viele Einschränkungen, oft logistische Meisterleistungen, "aber es wird alles klaglos abgewickelt", dankte Schäflein dem Personal. Während des Umbaus stehen nur rund 50 Heimplätze zur Verfügung, was auch der Hauptgrund für das Defizit im Caritashaushalt 2016 ist. Ein Minus von 95 000 Euro wies der stellvertretender Geschäftsführer Georg Wagner aus. Das sei aber wegen des Umbaus nicht anders zu erwarten gewesen. Der Wirtschaftsplan für 2018 sieht schon wieder eine schwarze Null vor.

St. Bruno wird künftig ein Seniorenhaus sein, aber auch ganz viele externe Gruppen und Beratungsdienste kirchlicher Stellen beherbergen. Einige sind schon eingezogen, andere folgen in den nächsten Wochen, wie etwa der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) oder die Ehe- und Familienberatung der Diözese. Die Bewohner haben jetzt auch den letzten Umzug hinter sich gebracht, da die zweite Wohngruppe fertiggestellt ist.

Gut ausgelastet sind alle Einrichtungen der Altenhilfe, ob St. Martin und St. Anna in Hofheim oder die Wohngemeinschaft St. Martha in Knetzgau. Auch die Sozialstation hat viel zu tun und könnte auch mehr Patienten betreuen, "doch es fehlt an Personal" benannte Anke Schäflein das Problem, das sich seit zehn Jahren immer weiter verschärft. Die Caritas selbst habe ihre Ausbildungsplätze auf jetzt 15 erhöht und doch bleibe Nachwuchs Mangelware. Angesichts des relativ hohen Altersdurchschnitts von 47 Jahren in der Belegschaft hat Schäflein Sorge um die Zukunft. "Man kann eigentlich nur auf technische Lösungen hoffen", sagte sie im Blick auf ihre eigene Generation, also die geburtenstarken Jahrgänge und deren Pflegebedürftigkeit in Zukunft.

Die Caritas bemühe sich um gute Arbeitsbedingungen und ordentliche Entlohnung. "Unsere Mitarbeiter sind unsere Schätze und die kosten auch etwas", erklärte die Geschäftsführerin. Auf 194 Vollzeitstellen arbeiten 330 Menschen, zu 90 Prozent Frauen, für die Caritas im Landkreis Haßberge.
Dazu kommen 99 freiwillig Tätige und der Kreis vergrößerte sich 2016 und 2017 massiv durch die Unterstützer in der Betreuung von Flüchtlingen. Durchaus stolz zeigte sich Schäflein auf diese enorme Gemeinschaftsleistung, die es ermöglichte, im Landkreis 1000 Menschen in hundert dezentralen Unterkünften zu betreuen. Vieles in Sachen Integration sei dadurch gelungen "ohne große Konflikte in einer sehr menschlichen Art". Auch die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt sei hervorragend gewesen, dankt Schäflein im Rückblick auf den "Dreikampf über zwölf Wochen" und gestand ein: "Ich bin heute noch ein bisschen müde, wenn ich daran zurückdenke".

Zum Ausblick der Geschäftsführerin gehören auch immer Risiken. Dazu gehört natürlich der Fachkräftemangel, doch auch die Ungewissheit, wie sich das Pflegestärkungsgesetz II auf die Personalschlüssel auswirken wird. Die derzeitige Übergangsregelung habe zwar eine zweifelhafte Basis, man müsse aber damit zurecht kommen.

Eine klare Lücke sieht Schäflein in der Tatsache, dass es für die ambulante Behindertenarbeit keine Investitionskostenzuschüsse gibt. Dafür werde es wohl gelingen, ein Beratungsangebot für behinderte Menschen aufzubauen, das sich "Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung" nennt. In den kommenden Tagen erwarte sie die Antwort auf die Bewerbung, die die Caritas in Abstimmung mit Sozialamt, Lebenshilfe und Rummelsberger Diakonie abgegeben hat. Das Behindertenhilferecht sei sehr kompliziert und daher habe das Sozialgesetzbuch 9 die Lücke geschlossen, dass behinderte Menschen bisher keine Hilfestellung dabei bekamen.

Abschließend dankten Johannes Simon und Anke Schäflein noch allen, die die Caritas in irgendeiner Weise unterstützen, und besonders Michaela Just, die über zwölf Jahre dem Vorstand angehörte und aus familiären Gründen diesmal nicht mehr zur Wahl stand. Für ihre Arbeit überreichte Johannes Simon das Caritas-Ehrenzeichen in Silber und von Anke Schäflein gab es Caritas-Pralinen.


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