Haßfurt
Energiewende

Braucht's die Stromtrasse? Vermutlich ja

Bei einem Treffen der Spitzenpolitiker des Regionalen Planungsverbandes Main-Rhön in Haßfurt wurde der Bau der Südlink-Stromtrasse entlang der A7 in einer Resolution (vorerst) abgelehnt. Landrat Rudolf Handwerker glaubt dennoch, dass die Leitungen gebraucht werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Strommasten: Hat Deutschland zu wenig davon? Foto: Patrick Pleul/dpa
Strommasten: Hat Deutschland zu wenig davon? Foto: Patrick Pleul/dpa
Dem Landkreis Haßberge könnte es im Grunde genommen egal sein: Die Südlink-Stromtrasse, die den Süden Deutschlands mit Strom aus dem Norden versorgen soll, führt nicht durch sein Terrain.

Dennoch ist diese geplante sogenannte Höchstspannungsleitung auch hier ein Thema. Nicht zuletzt deswegen, weil die Energiewende eben auch hier stattfindet und der Landkreis Haßberge zum Regionalen Planungsverband Main-Rhön gehört. So stellt sich die Frage im Allgemeinen: Braucht es eine 800 Kilometer lange, laut den Netzbetreibern und Projektierern "Tennet" und "Transnet BW" "im unteren einstelligen Milliardenbereich" teure (den Schätzungen zufolge liegen die Kosten bei drei bis vier Milliarden Euro) Stromautobahn von Nord nach Süd überhaupt? Vorerst "Nein" sagten jetzt die Landräte der Landkreise Haßberge, Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt sowie der Oberbürgermeister der Stadt Schweinfurt.


Aus diesen Kommunen setzt sich der Regionale Planungsverband Main-Rhön zusammen und dessen Spitzenpolitiker hatten sich am vergangenen Freitag in Haßfurt getroffen, um die Stromtrasse zu diskutieren, die entlang der Autobahn A7 auch durch Unterfranken führen soll. In einer Resolution sprechen sie sich gegen das Projekt aus.

Es sind noch Fragen offen

Wie Landrat Rudolf Handwerker (CSU), der auch Vorsitzender des Planungsverbandes ist, gegenüber dem Fränkischen Tag erklärte, hätten die Beteiligten deswegen so entschieden, weil bei der Bedarfsplanung der Trasse noch einige Fragen offen sind. So würden sich zum Beispiel durch die geplanten Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) etwa in Bezug auf Einspeisevergütungen mehrere Dinge ändern, die berücksichtigt werden müssten. "Es muss erst Mal alles aktualisiert werden", sagte Handwerker unserer Zeitung.

Nach seiner persönlichen Meinung gefragt, ob die Trasse gebraucht werde oder nicht, sagte der Haßberge-Landrat: "Ich glaube, die ist unvermeidlich." Unkritisch betrachte er das Projekt nicht, immerhin führe die geplante, in den Medien auch als "Monster-Trasse" bezeichnete Stromleitung mit bis zu 40 Meter breiten und 70 Meter hohen Masten durch das Biosphären-Reservat bei Bad Kissingen.

Allerdings müsse man sich die Frage stellen, wie die angestrebte Energiewende zu schaffen sein soll, wenn die Atomkraft in naher Zukunft wegfällt: "Bayern verliert die Hälfte seiner Grundlastversorgung", sagte Handwerker. Um nun Strom aus Windenergie, die eben überwiegend aus norddeutschen Offshore-Anlagen im Meer stammt, nach Bayern zu bringen, "werden wir entsprechende Leitungen brauchen."

Schweinfurt braucht viel Strom

Denn der Strombedarf in Süddeutschland ist wegen der hier ansässigen Industrie besonders hoch, auch hier in der Region. "Die Leute unterschätzen das Problem", glaubt Handwerker. "Schweinfurt hat einen Strombedarf wie eine Stadt mit 300.000 Einwohnern." Es leben hier zwar nur rund 52.000 Menschen, aber als einer der wirtschaftsstärksten Städte Deutschlands und als industrielles Zentrum Unterfrankens sei der Strombedarf dort sehr hoch. Es wäre laut Handwerker fatal, wenn man nicht rechtzeitig Vorsorge treffen würde. Und das vorhandene Stromnetz reicht dazu nicht aus: Wenn Stromnetze überlastet sind, dann können sie zusammenbrechen. Das könne sogar zu europaweiten Stromausfällen würden, sagte Handwerker.

Alternativ zur Stromtrasse Südlink hat die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) jüngst wieder den Bau von einem Gaswerk in Grafenrheinfeld vorgeschlagen (siehe dazu den Bericht auf Seite 2). Damit unterstützt sie die Forderung von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einem Ausbaustopp der Stromautobahnen.

Die Resolution des Planungsverbandes Main-Rhön, die heute veröffentlicht werden soll, sagt zwar nein zur Stromtrasse. Daraus könnte aber noch ein "Ja" werden, wenn ausreichend begründet wird, warum eine solche Leitung notwendig ist.

Bad Kissingen wehrt sich

Größere Sorgen um die geplante Stromautobahn macht man sich unterdessen in Bad Kissingen, wo sich gestern die Bürgermeister im Landkreis zu einer Dienstbesprechung trafen: Die Trasse entlang der A7 durchschneidet den Landkreis Bad Kissingen in einem Maße, wie es für die Kommunalpolitiker nicht akzeptabel ist.

"Naturnaher Tourismus ist ein wesentlicher Teil unserer Wirtschaftskraft", sagte etwa der Landrat Thomas Bold. Untersuchungen hätten gezeigt, dass angesichts solch einer Stromtrasse rund 30 Prozent der Gäste auf einen Urlaub in der Rhön verzichten würden. Insgesamt müsste man mit einem Kaufkraftverlust von 94 Millionen Euro rechnen. Die Trasse durchschneidet auch zwei Heilwasserschutzgebiete.

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren